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Schafflund : „Es ist so schön, Klassenlehrerin zu sein“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Studenten im dritten Semester übernehmen für eine Woche die Grundschule Kleinjörl – mit allen Pflichten.

Schafflund | Eigentlich verläuft der Unterricht für die Kinder der Grundschule Kleinjörl ganz nach Plan – und doch ist vieles anders: Ihre vertrauten Lehrerinnen haben sich für eine Woche zu einer Fortbildung verabschiedet und das Zepter an zehn Studierende der Europa-Universität Flensburg übergeben.

Fortbildung für das gesamte Kollegium zur gleichen Zeit, das ist nur möglich durch die Schuladoption. Dies bedeutet: Studierende im dritten Semester des Master of Education absolvieren ihr zehnwöchiges Praxissemester an einer Schule, die für die Schuladoption ausgewählt wurde, und übernehmen in dieser Zeit für eine Woche nicht nur den Unterricht, sondern sind für alle Aufgabenbereiche des Schullebens verantwortlich. Im Bereich Schuladoptionen liegt Schleswig-Holstein ganz vorn, denn vor drei Jahren wurde dieses deutschlandweit erste Pilotprojekt von der Europa-Universität Flensburg aus der Taufe gehoben.

Für diese besondere Form des Praxissemesters mussten sich die Studierenden einem ausführlichen Bewerbungsverfahren unterziehen. Student Alexander Radloff war sich des erhöhten Arbeitsaufkommens bewusst: „Ich wollte mal ohne Stützräder fahren! Unsere Mentoren haben uns sehr gut vorbereitet, wir haben hier in Kleinjörl ideale Arbeitsbedingungen und fühlen uns als Kollegen willkommen und akzeptiert.“

„An diese Studierenden werden höhere Anforderungen gestellt“, erklärt Kirsten Großmann, Leiterin der schulpraktischen Studien an der Universität, aber sie würden im Gegenzug sehr eng betreut – lange vor der Adoptionswoche – und bekämen täglich nach Unterrichtsschluss Rückmeldungen und konstruktive Tipps. „Organisatorische, inhaltliche oder schulrechtliche Fragen werden reflektiert und geklärt“, ergänzt Dr. Jens Winkel, Geschäftsführer des Zentrums für Lehrerausbildung an der Europa-Universität. Die bisher rundum positiven Erfahrungen mit diesem Projekt würden zu Überlegungen führen, wie man die Lehrerausbildung generell verbessern könne.

Johanna Gosch, Projektleiterin der Schuladoption und Dritte im Bunde des täglich vor Ort begleitenden Uni-Teams, ist begeistert, wie souverän, unaufgeregt und verantwortungsvoll die Studierenden das Heft in der Hand halten. Wenn am Montag das Stammkollegium zurückkehrt, werde das für die motivierten „Lehrkräfte“ vermutlich ein wehmütiger Moment. Studentin Rabea Bohrmann fasst ihre Eindrücke wie folgt zusammen: „Es ist so schön, Klassenlehrerin zu sein. Die Kinder bringen uns Vertrauen entgegen. So zufrieden war ich bisher noch nie in einem Praktikum.“

Schulleiterin Maren Thomsen und ihre vier Kolleginnen hatten in dieser Woche keineswegs frei, sondern hospitierten an verschiedenen nordfriesischen Schulen und entwickelten Zielsetzungen und Konzepte für ihre Schüler, begleitet von Christiane Hüttmann vom Institut für Qualitätsentwicklung in Schleswig-Holstein (IQSH). „Eltern und Kollegium haben die Idee sofort einhellig unterstützt“, sagt Maren Thomsen, „das Projekt ist gewinnbringend für beide Seiten – Schule und Studierende profitieren gleichermaßen.“

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erstellt am 14.Dez.2016 | 12:15 Uhr

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