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Flensburger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 21:09 Uhr

Es geht auch ohne Tunnel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verkehrsgutachten zeigt: Der Verkehr fließt auch ohne die gesperrte Fahrspur in der Unterführung / Ampelschaltungen sollen modifiziert werden

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2014 | 12:19 Uhr

Der Bahndamm bleibt heil und wird nicht durchbohrt – das dürfte die Folge eines Verkehrsgutachtens sein, das ein Planer des Büros SHP aus Hannover im Umwelt- und Planungsausschuss vorstellte. Er legte den Entscheidern im Ausschuss dar, dass das Provisorium unter der Bahnbrücke Heinrichstraße in eine dauerhafte Lösung münden könnte, ohne dass es zu gravierenden Beeinträchtigungen des Verkehrs kommt.

Oder anders formuliert: Der geplante Fuß- und Radweg-Tunnel durch den Bahndamm ist verzichtbar und könnte damit bald in die Annalen der Flensburger Stadtgeschichte verschoben werden. Seit Jahren geistert er immer wieder durch die politischen Diskussionen. Aus Sicht der Verkehrsplaner wurde der Tunnel erforderlich, als man die Heinrichstraße auch in der Gegenrichtung für Autos öffnete, umbaute und der Gehweg auf der Südseite zu einem gefährlich schmalen Pfad reduziert wurde (siehe Foto). Der Tunnel sollte später kommen, war aber wegen der Kosten nicht unumstritten.

Das Provisorium mit den rotweißen Fahrbahnmarkierungen wurde im Sommer 2013 installiert, nachdem es in der Unterführung zu gefährlichen Situationen gekommen war, weil Radfahrer und Fußgänger die Sperrung des Mini-Gehwegs missachteten. Dadurch musste eine der beiden Rechtsabbiegespuren von der Friedrich-Ebert- in die Heinrichstraße wieder weggenommen werden. Jetzt galt es zu schauen, ob der Verkehr trotzdem fließt. Schon der Laie erkannte, dass Megastaus die Ausnahme blieben und der Verkehr – zumindest außerhalb der Stoßzeiten – floss.

Das bestätigt jetzt auch Gutachter René Strahl aus Hannover. „Der Verzicht auf eine Fahrspur in der Unterführung ist möglich“, lautete sein Fazit, „und damit auch der Verzicht auf den Tunnel.“ Möglich wird dies durch einen nicht erwarteten Trend: „Der innerstädtische Verkehr nimmt ab, und das bundesweit“, sagte Strahl. Die Zeiten, in denen gebetsmühlenartig eine Zunahme des Autoverkehrs an die Wand gemalt wird, sind nach Feststellung des Verkehrsgutachters aus Hannover vorbei. Entweder stagniere der Verkehr oder er gehe zurück, zum Teil sogar sehr stark.

Strahl hat in einem Computermodell des Straßenvierecks Heinrichstraße, Hafermarkt, Angelburger Straße und Friedrich-Ebert-Straße die tatsächlichen Verkehrsströme zur Stoßzeit zwischen 17 und 18 Uhr simuliert. In der Heinrichstraße fahren 14 000 Autos pro Tag, in der Angelburger Straße immerhin 4000. Am dichtesten ist der Verkehr auf der Friedrich-Ebert-Straße: 21 000. Es waren schon einmal 29 000 am Tag. Die Ausschussmitglieder hatten sichtbare Freude an den kleinen bunten Autos, Lkw, Radfahrern und Fußgängern, die in dem Modell wieselflink durch die Straßen wuselten – 1,5 Minuten im Zeitraffer, um wertvolle Tagungszeit zu sparen. Und in der Tat konnte man sehen, dass sich selten mal mehr als sechs bis acht Autos an den Ampeln stauten. Während das Szenario 1 den Ist-Zustand durchspielte, hatte Strahl für das Szenario 2 einen Teil des Verkehrs von der Angelburger in die Heinrichstraße verlagert, was dort zu 140 zusätzlichen Fahrzeugen pro Stunde führte. Doch auch mit dieser zusätzlichen Blechflut fließt der Verkehr – wenn man die Ampelschaltungen an den beiden Knoten an der Friedrich-Ebert-Straße leicht modifiziert.

Jetzt lässt die Stadt in Kiel prüfen, welche Auswirkungen die Streichung des Tunnels auf die schon gezahlte Förderung hätte. Der Tunnel war Teil eines größeren Gesamtpakets, das mit Geld aus Kiel bezuschusst worden war. Wenn die Streichung des Tunnels „förderunschädlich“ ist - also nur der für den Tunnel vorgesehene Betrag zurück zu zahlen wäre – muss der Planungsausschuss den Verzicht auf den Tunnel und die dauerhafte Streichung einer Fahrspur beschließen. Letztlich würde der Geh- und Radweg auf die Breite des Provisoriums erweitert und gepflastert.

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