Sieben Grundschulen des dänischen Schulvereins : Es geht auch auf Dänisch

Etwas versteckt, doch sehr zentral gelegen: die Jørgensby-Skole an der Schulgasse. Foto: Staudt
Etwas versteckt, doch sehr zentral gelegen: die Jørgensby-Skole an der Schulgasse. Foto: Staudt

Zu den öffentlichen und privaten Grundschulen gesellen sich sieben weitere des dänischen Schulvereins

shz.de von
27. Oktober 2011, 07:09 Uhr

Flensburg/Harrislee | Kaum eine Stadt in Schleswig-Holstein hat ein so vielfältiges Schulsystem wie Flensburg. Zu den öffentlichen Grundschulen kommen zwei Privatschulen; alle stellten wir gestern in einer großen Übersicht vor. Unberücksichtigt blieben dabei die dänischen Schulen, die jedoch wie die deutschen das gesamte Stadtgebiet abdecken und so etwas wie ein zweites quasi-öffentliches Schulsystem bilden.

Formal sind die dänischen Schulen staatlich anerkannte Ersatzschulen; das Schulgesetzt gilt auch für sie, aber nicht in allen Punkten. "Wir verstehen uns nicht als Alternative zum deutschen Schulsystem", sagt Olaf Runz, Leiter der Gymnasialabteilung im Dänischen Schulverein (Dansk Skoleforeningen), gleichzeitig Träger und Aufsichtsbehörde der dänischen Schulen; "wir sind die Regelschule für die dänische Minderheit."

Doch wer gehört zur dänischen Minderheit? Das ist ganz einfach: Jeder, der sich zu ihr bekennt. Wer sein Kind auf die dänische Schule oder in einen dänischen Kindergarten schickt, muss Mitglied im Schulverein werden. Das kostet kein Geld, aber ein Bekenntnis zu den Zielen des Vereins und zur dänischen Sprache. Man verpflichtet sich, Dänisch zu lernen. In der Praxis bedeutet das, dass jeder, der die Ziele des Schulvereins anerkennt und Dänisch kann oder zu lernen bereit ist, sein Kind auf eine dänische Schule schicken kann - auch wenn er aus Frankfurt, Bielefeld oder Basel stammt. 99 Prozent aller Kinder haben zuvor einen dänischen Kindergarten besucht.

Seit diesem Schuljahr gibt es nur noch fünf dänische Grundschulen im Stadtgebiet, dazu eine in Harrislee und eine sehr kleine in Kupfermühle. Die Christian-Paulsen-Skole am Südergraben wurde im Sommer geschlossen; als Grund nannte Olaf Runz die vom Land gekürzten Zuschüsse zum dänischen Schulwesen. Die verbliebenen Schüler wurden auf die anderen Schulen verteilt.

Im Norden der Stadt, wo der dänische Bevölkerungsanteil besonders hoch ist, gibt es zwei Schulen: Cornelius-Hansen- mit 260 und Gustav-Johannsen-Skolen mit 422 Schülern. In Mürwik werden an der Jens-Jessen-Skolen 290, in Jürgensby an der Jørgensby-Skolen 276 Kinder unterrichtet. Dazu kommen 100 Kinder an der Oksevejens Skole in Weiche. Die dänische Schule Harrislee hat 138, die Kobbermølle Skole 37 Kinder.

Die ersten drei Schulen sind seit 2008 Gemeinschaftsschulen, die letzten vier Grundschulen mit Orientierungsstufe. Im Klartext: Die Kinder bleiben bis Klasse 6 zusammen. "Das", so Runz, "entspricht unserer Idee des längeren gemeinsamen Lernens." Die Schüler der drei Gemeinschaftsschulen können erst nach Klasse zehn in die gymnasiale Oberstufe der Duborg-Skole wechseln. Im dänischen Schulwesen gibt es keine freie Schulwahl, sondern eine zentrale Verteilung nach Wohnort.

Laut Schulgesetz müssen auch die dänischen Gemeinschaftsschulen den Ganztagsbetrieb einführen. Das wird aber noch etwas dauern. Ohnehin kooperiert jede Schule eng mit einem Freizeitheim, das auch eine Mittagsverpflegung anbietet.

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