Jacob Clausen Möller : Erster Oberbürgermeister nach 1945

Der Platz an der Südseite des Nordertors heißt seit Jahren J.-C.-Möller-Platz. Foto: Euler
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Der Platz an der Südseite des Nordertors heißt seit Jahren J.-C.-Möller-Platz. Foto: Euler

Sein Name steht nicht nur auf den Schildern am früheren Nordertorplatz. Mit J.C. Möller verbindet man in Flensburg Ausgleich und Verständnis nach dem Zweiten Weltkrieg.

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21. Oktober 2009, 11:37 Uhr

Flensburg | "Flensborg først!" So lautete das Motto, nach dem Flensburgs erster Nachkriegsoberbürgermeister Jacob Clausen Möller (1876 - 1955) sein politisches Leben ausrichtete. Für ihn, der als J. C. Möller in die Lokalgeschichte eingegangen ist, standen die Belange der Stadt Flensburg und ihrer Bürger im Mittelpunkt seines Denkens und Handelns. Er war auch bereit, in der außerordentlich schwierigen Zeit des demokratischen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus nach 1945 Verantwortung zu übernehmen.

In Hadersleben, seiner Geburtsstadt, absolvierte Jacob Clausen Möller seine kaufmännische Lehrzeit. In Flensburg, Rendsburg, Schleswig und Schwerin sammelte er erste berufliche Erfahrungen, ehe er nach Flensburg zurückkehrte und hier zusammen mit dem Kaufmann Niels Mikkelsen Uldall ein Unternehmen gründete. Bald darauf etablierte er seine eigene Textilfirma Möller & Co., die sich unter seiner Regie einen guten Ruf weit über die Grenzen der Fördestadt hinaus erwarb. Gleichzeitig war er Mitinhaber einer bedeutenden Engros-Firma in Sonderburg. In verschiedenen kaufmännischen Organisationen, in denen er sich engagierte, hatte sein Wort Gewicht. Er wurde 1924 als Vertreter der dänischen Minderheit zum Stadtverordneten gewählt und war in den folgenden Jahren als Fraktionsführer des Schleswigschen Vereins in verschiedenen Kommissionen und Funktionen tätig. Dabei galt der Förderung der Wirtschaft sein besonderes Interesse.
Flensburg in der New York Times
Als nach Kriegsende 1945 die britische Besatzungsmacht die "braunen Herren" auch im Rathaus entmachtet hatte, suchte sie Personal für einen Neuanfang der kommunalen Selbstverwaltung und fand in Möller einen untadeligen und erfahrenen Kommunalpolitiker, der sich der schweren Aufgabe stellte. Bereits am 15. Mai 1945 wurde er von der Militärregierung in das Amt des Oberbürgermeisters berufen - eine Entscheidung, über die selbst die große "New York Times" berichtete: "Dane is Flensburg Mayor." Als ein gutes Jahr später die neue Ratsversammlung selbst entscheiden durfte, bestätigte sie durch eine einstimmige Wahl Jacob Clausen Möller als OB von Flensburg. Gerade in einer Grenzstadt solle nicht das Trennende betont werden, sondern das Verbindende, erklärte er. "Hier soll kein dänisches oder deutsches Rathaus sein, sondern das Flensburger Rathaus." Die Verwaltung solle für jeden Bürger da sein, gleichviel ob deutsch oder dänisch. 1948 wurde er als Mann des Ausgleichs erneut in seinem Amt bestätigt und 1950 - nach einer Reform des Gemeindewesens - zum ersten Stadtpräsidenten nach 1945 gewählt.

.Die Beiträge der Serie "Flensburger Köpfe" erscheinen am 6. November in Buchform.

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