Erst zurück, dann in die Zukunft

Der Archäologe Martin Segschneider (Mitte) erläutert Torsten Eickstädt (rechts) vom Zweckverband und Schubys Bürgermeister Helmut Ketelsen die Pläne. Foto: Harding (2)
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Der Archäologe Martin Segschneider (Mitte) erläutert Torsten Eickstädt (rechts) vom Zweckverband und Schubys Bürgermeister Helmut Ketelsen die Pläne. Foto: Harding (2)

Interkommunales Gewerbegebiet in Schuby: Vor der Erschließung suchen Archäologen nach historischen Siedlungsspuren

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01. November 2012, 07:09 Uhr

Schleswig | Die Vorbereitungen für das interkommunale Gewerbegebiet in Schuby laufen auf Hochtouren. Die Gemeinde Schuby und der Zweckverband, in dem 23 Gemeinden ihre Interessen gebündelt haben, planen Hand in Hand. Doch bevor die Bagger für die Erschließung des ersten Bauabschnittes im Osten des Areals anrücken können, haben jetzt erstmal die Archäologen das Sagen. Sie untersuchen das Gelände, damit möglicherweise wichtige Zeugnisse wikinger- oder bronzezeitlichen Lebens nicht vernichtet werden. Einen entsprechenden öffentlich-rechtlichen Vertrag unterschrieben Dr. Martin Segschneider vom Archäologischen Landesamt, Schubys Bürgermeister Helmut Ketelsen und Torsten Eickstädt für den Zweckverband auf Schloss Anettenhöh.

Zu entdecken gibt es möglicherweise genug. Deshalb sollen die Arbeiten der Archäologen nach abgeschlossener Maisernte so schnell wie möglich beginnen. Schon am 13. Dezember will Segschneider bei der nächsten Zweckverbandsversammlung über erste Ergebnisse berichten. Zeitdruck besteht aber vor allem deshalb, weil der Zweckverband in den Genuss von EU-Mitteln aus dem Zukunftsprogramm Wirtschaft kommen will. "Da wollen wir unbedingt noch rein", sagt Eickstädt. Und das Programm läuft im kommenden Jahr aus.

Das Interesse der Archäologen an dem Gelände zwischen B 76, B 201, A7 und Neukruger Weg ist aus zweierlei Perspektiven groß. Für den unbedarften Betrachter ist schon der bronzezeitliche Grabhügel nördlich der B201 Indiz dafür, dass hier in grauer Vorzeit Menschen ihre Spuren hinterlassen haben. Der Blick der Experten jedoch hat eine andere Perspektive. Südlich des Neukruger Weges schließt sich ein Waldstück an das künftige Gewerbegebiet an. Darin verborgen finden sich rund 50 Grabhügel. "Wo so viele Gräber sind, müssen die Menschen auch irgendwo gelebt haben", sagt Segschneider. Und auch wenn in der Nähe bereits Fibeln und Trachtenteile gefunden wurden, so ist die Frage, wo die dazugehörige Siedlung lag, noch immer ungeklärt. Sie könnte durchaus im Bereich nördlich des Neukruger Weges gelegen haben, vermutet Segschneider.

Besonders aufschlussreiche Siedlungsspuren hingegen haben Archäologen aus Schleswig vor einigen Jahren westlich der Autobahn - ebenfalls unweit des geplanten Gewerbegebietes - entdeckt. Offenbar wurde dort in der Wikingerzeit reger Handel getrieben. Außer den Resten von zahlreichen Gruben- und Landhäusern wurden auch Münzen und rheinisches Porzellan gefunden. Bunte Glasperlen und Reste eines Webrahmens deuten zudem darauf hin, dass an diesem Ort produziert wurde. In diesem Fall also ist die Siedlung bekannt. Segschneider: "Wir wissen aber nicht, wo die Menschen ihre Toten begraben haben."

Und noch ein dritter archäologischer Aspekt soll vor der Erschließung des Gewerbegebietes geklärt werden. Schon früher wurden auf dem Gelände Geschosse aus dem Deutsch-dänischen Krieg gefunden, so dass Segschneider die Hoffnung hegt, dass bei systematischer Untersuchung geklärt werden könnte, wie die Schlachtreihen damals gestanden haben.

Schubys Bürgermeister sieht der archäologischen Voruntersuchung gelassen entgegen. Zwar könnten sich bei spektakulären Funden durchaus Notwendigkeiten ergeben, bei der Erschließung auf die Archäologen Rücksicht zu nehmen, doch das, so sagen Ketelsen und Segschneider, sollte kein Problem sein. Auch für den Schubyer hat die weitere Suche der Experten auf dem Areal einen hohen Stellenwert. Ketelsen: "Ich sehe das positiv. Wir haben hier eine echte Win-win-Situation für die Wirtschaft und die Forschung."

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