Ausländer in Flensburg : Erst die Sprache, dann die Arbeit

Farideh Doroudi  hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet als Dolmetscherin und Sprach- und Kulturmittlerin.
Farideh Doroudi hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet als Dolmetscherin und Sprach- und Kulturmittlerin.

Farideh Doroudi stammt aus dem Iran und lebt seit den 80er Jahren in Deutschland

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30. Juli 2018, 07:37 Uhr

Einwohner aus 149 Ländern der Erde machen Flensburg zu einer bunten kleinen Metropole. Das Tageblatt stellt jeden Monat einen Einwohner einer Nationalität im Interview vor. Heute: Farideh Doroudi aus dem Iran.

Wann und warum sind Sie nach Flensburg gekommen?

1981 bin ich zum Studieren nach Berlin gekommen. Ich habe meinen Mann, der in Flensburg studierte, in Berlin kennen gelernt und bin so nach Flensburg gekommen.

Wie leben Sie hier mit Ihrer Familie?

Ich lebe mit meinem Mann und meiner Tochter in einem eigenen Haus. Mein Sohn hat seinen Master im Wirtschaftsingenieurwesen absolviert und meine Tochter macht eine Ausbildung als Kauffrau.

Gibt es einen Stadtteil, in dem besonders viele Vertreter Ihrer Gruppe leben – wenn ja, wo und warum?

Einige leben in Engelsby und Mürwik. Bezüglich der Verteilung in den anderen Stadtteilen ist mir nichts bekannt.

Zu welchen Veranstaltungen und Festivitäten Ihrer Gruppe laden Sie Flensburger regelmäßig ein?

Unser Nouruz-Fest (übersetzt: Neuer Tag) feiern wir immer zum Frühlingsanfang. Außerdem werden im Iranischen Café im Brasseriehof verschiedene Veranstaltungen und Feste organisiert, bei denen jeder Interessierte herzlich willkommen ist.

Welcher ist hier Ihr Lieblingsort?

Am liebsten spaziere ich durch den Wald bei Solitüde.

Was hat Ihnen das Ankommen, das Einleben besonders erschwert, was hat es erleichtert?

Zuerst war die Sprache und dann die Arbeit wichtig. Als ausländische Studentin hatte man keine Möglichkeiten, Hilfe zu bekommen. Ich musste meinen Lebensunterhalt selbst verdienen. Erleichtert wurde alles durch gute Freunde, die man an der Uni kennen lernte. Mit einer Studentin aus Spanien habe ich immer noch Kontakt.

Welche Traditionen aus Ihrer Heimat pflegen Sie auf welche Weise in Flensburg?

Unser neues Jahr, Anfang Frühling, wird hier groß gefeiert sowie auch Yalda (vom 21. auf den 22. Dezember), die längste Nacht im Jahr.

Welche Feste, Aktionen, Institutionen gefallen Ihnen in Flensburg und besuchen Sie regelmäßig?

Weihnachten und Silvester sind uns sehr wichtig. Ich liebe die Lichter im dunklen Winter sowie auch das Hafenfest. Ich bin seit vielen Jahren Mitglied des Runden Tisches für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und im Deutsch-Iranischen Verein. Das iranische Café besuche ich, wenn es mir zeitlich möglich ist.

Was fehlt oder funktioniert nicht, was müsste verbessert werden?

Aufgrund meiner Arbeit habe ich viel mit den Flüchtlingen zu tun. Obwohl zahlreiche Flensburger ehrenamtliche Arbeit leisten, fühlen sich viele Flüchtlinge wegen der schleppenden Bearbeitungszeit vom Bamf frustriert. Sie brauchen Beschäftigung und Arbeit, um so schneller und besser integriert zu werden.

Was würden Sie sich von Bürgern und Behörden künftig wünschen?

Bessere Unterstützung und Förderung von integrationswilligen Flüchtlingen. Schnellere Verfahrensabwicklung für nicht anerkannte und nicht schutzbedürftige Flüchtlinge.

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