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Flensburger Orion-Versand : Erotik in familiärer Atmosphäre

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit gut drei Jahren führt Maike Rotermund das Flensburger Unternehmen Orion: „Ich glaube, wir lachen hier mehr als anderswo“

Flensburg | Wer das Erotikversandhaus Orion im Flensburger Westen besucht, muss zunächst stahlharte Anlagenbauer wie Anthon oder Krones passieren. Das Geschäft des Erotikversenders prickelt nicht auf den ersten Blick: „Da müssen wir viele Gäste enttäuschen“, sagt Chefin Maike Rotermund und lacht: „Wir handeln mit Waren in Kartons. Unsere Logistik funktioniert wie bei Waschmittel.“

Seit mehr als drei Jahren führt Maike Rotermund (41) Flensburgs nach dem Abzug von Beate Uhse letztes großes Erotikhaus. Aber irgendetwas muss hier doch anders sein als in anderen Unternehmen? „Ich glaube, wir lachen mehr und haben viel Spaß“, sagt Rotermund. Man müsse eben schon manchmal schmunzeln, wenn ein Kollege im Büro mit einer ganzen Wanne voll mit Liebesspielzeug um die Ecke komme. Ganz selten gehe es sogar über das Scherzen hinaus, berichtet Rotermund und erzählt, wie sie einen Kollegen einmal beim Akku-Test vor 20 solcher Toys auf dem Boden sitzen sah: „Dann  kann das schon mal ins Alberne abdriften.“

Für Maike Rotermund sind es solche Kleinigkeiten, die zeigen, dass hier bei Orion auch mit einer gewissen Leichtigkeit gearbeitet werde. Seit Jahren sind hier in Flensburg mit wenig Fluktuation und viel familiärer Atmosphäre rund 300 Mitarbeiter tätig. Orion sei sehr breit aufgestellt, berichtet die Chefin und Tochter des langjährigen Unternehmers Dirk Rotermund (73). Gerade die verschiedenen Ressortleiter seien fast ausnahmslos lange im Unternehmen. Die zweite Generation sei nicht mehr so inhaberzentriert, glaubt die 41-Jährige. „Wir sind uns nicht immer einig, aber wir haben ein großes Vertrauensverhältnis.“

Vor dem Einstieg ins väterliche Familienunternehmen hat Rotermund in England als Wirtschaftsprüferin gearbeitet. Nach dem Wirtschaftsstudium International Business spezialisierte sie sich auf Wirtschaftsprüfung und arbeitete in Brighton an der südenglischen Küste. „Wann kommst Du und guckst es Dir einmal an?“, habe sie der Vater immer wieder gebeten. So kam es, dass sie 2004 zunächst Praktikantin bei Orion wurde. Es sei eher zur Überbrückung geplant gewesen, erinnert sich Maike Rotermund.

Schließlich heuerte sie doch als Assistentin der Geschäftsführung an: „Es ist immer schwieriger, wenn man die Tochter des Chefs im Unternehmen hat.“ Später verantwortete die den Bereich Organisation und Finanzen. Sie habe Bedenken gehabt, eine schwierige Position: Der Vater habe immer sehr viel Zeit ins Unternehmen investiert. „Doch es hat unfassbar viel Spaß gemacht, die Themen waren so vielfältig.“ Dabei spiele sicher auch eine Rolle, dass das Unternehmen in Familienhand und keine Aktiengesellschaft sei: „Je größer das Unternehmen ist, desto schwieriger ist es auch, die Richtung zu wechseln.“ Maike Rotermund vertritt in der zweiten Generation des Familienunternehmens auch ihre Cousins und Cousinen: „Ich verwalte deren Geld.“

Die Unternehmerin schätzt sehr, dass sie für das Familienunternehmen langfristiger denken dürfe – und nicht von Quartalsabschluss zu Quartalsabschluss. Sie spüre großes Vertrauen unter den Gesellschaftern: „Große Sachen werden auf Gesellschafterebene abgestimmt.“

Dennoch bleibt natürlich auch bei einem Familienunternehmen nicht alles, wie es war, trotz gleichbleibend hoher Mitarbeiterzahl von rund 300 Beschäftigten: „Die Jobs haben sich gewandelt. Die Positionen bleiben konstant“, erklärt Rotermund. Insgesamt werden auch bei Orion die manuellen Tätigkeiten weniger, die Aufträge kommen automatisch über Internet. Programmierer, IT-Experten, technische Berufe sind gefragt. Bei Orion sei man auch mal bereit, Leuten mit einem Bruch im Lebenslauf eine Chance zu geben. Außerdem gehören sechs Azubis zum Familienbetrieb – und eine Studentin im dualen Studium.

Für Orion sei wichtig, dass man Schritt halte mit der medialen Entwicklung. Die Verbreitungskanäle würden immer vielfältiger. Natürlich ist Orion bei Youtube oder Facebook zu finden, aber auch bei Instagram oder Pinterest. Orion unterhalte fruchtbare Kooperationen mit mehreren Erfindern.

Eine Maxime von Maike Rotermund heißt: „Man darf nie die eigene Meinung zum Maßstab machen.“ Das fange schon bei der Farbe der Wäsche an: „Frauen kaufen eher schwarz, Männer eher rot.“

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