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Mit Video : Erntezeit in SH: Die Polizei schaut genau hin

vom

97 Fahrzeuge wurden in den Kreisen Schleswig-Flensburg und Nordfriesland kontrolliert, 53 beanstandet.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 08:35 Uhr

Schleswig | Das haben beide Fahrer nicht kommen gesehen: In einer engen Kurve auf einer noch engeren Straße mitten in Angeln gibt es plötzlich ein lautes klirrendes Geräusch. Der linke Außenspiegel des silbernen VW Polo fliegt in hohem Bogen davon und landet mit einem „Platsch“ auf der Straße. Übrig bleibt ein glitzernder Scherbenhaufen und ein aufgeregter Autofahrer. „Ist ja typisch, die Bauern machen nie Platz. Die nehmen keine Rücksicht“, schimpft er.

Nur blöd, dass der Zusammenstoß mit dem linken Hinterrad des entgegenkommenden Treckers direkt unter den Augen von Broder Busse und Jürgen Behrendt passiert ist. Die beiden Polizisten sind am Mittwoch zwei von insgesamt 31 Beamten, die land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge auf ihre Verkehrstüchtigkeit kontrollieren. Als Teil einer gezielten Großkontrolle in den Kreisen Nordfriesland und  Schleswig-Flensburg haben sie deshalb erst einige Minuten zuvor den Trecker mit dem Mähaufsatz begutachtet. So richtig gab es nichts zu beanstanden – nur der Führerschein des Fahrers fehlte. Auf dem Weg zum Hof kommt es dann zu diesem Zusammenstoß und dem Kontakt zum erbosten Autofahrer. „Er hat keinen Platz gemacht“, sagt er anklagend in die Richtung des Treckerfahrers, der erwidert nur: „Sie ja auch nicht.“ Wer letztlich Schuld an dem zerbrochenen Spiegel ist, kann auch Broder Busse nicht beantworten. Er versucht zu vermitteln und weist darauf hin, dass beide hätten ausweichen müssen.

 

„Wir haben ein spitzenmäßiges Verhältnis zur Landwirtschaft. Das soll keine Hetzjagd sein“, hatte Einsatzleiter Dirk Renk zuvor bei der Einsatzbesprechung im Silberstedter Amtsgebäude gesagt. Die jährliche Großkontrolle sei vor allem dazu da, auf vermeidbare Unfallursachen und Mängel  hinzuweisen. Der Termin liege günstig, da sich die Bauern mitten in der Maisernte befinden. Nur ein Aspekt spiele bei der Planung nicht mit. „Wir haben Pech mit dem Wetter und müssen damit rechnen, dass auf den Feldern nicht viel los ist“, prophezeit er.

Bei Broder Busse und Jürgen Behrendt ist trotzdem das Jagdfieber geweckt. Direkt auf dem Weg zum Einsatzort in Angeln fällt ihnen im Schubyer Kreisel auf Höhe der Tankstelle ein Gülletransporter auf. „Der ist überladen“, ist sich Broder Busse sicher und folgt dem Lkw eines Lohnunternehmens. Der Fahrer reagiert zunächst nicht auf die Anhalteaufforderung und das Martinshorn, hält dann aber doch auf Höhe der Biogasanlage an. Gestartet ist er am Morgen in Steinfeld. Als Broder Busse ihn nach der Aufzeichnung seiner Lenkzeiten fragt, ist der junge Mann erstaunt. Bei landwirtschaftlichem Verkehr müsse er keine Lenkkarte benutzen, ist er sich sicher. Diese Aussage verunsichert die Polizisten, die fragen bei der zuständigen Behörde nach. Die Auskunft lautet: „Die Karte muss stecken.“ Wenig später erhalten die Polizisten die Auskunft, dass beim Transport von tierischen Nebenprodukten keine Aufzeichnung der Lenkzeiten vonnöten sei. Was letztlich stimmt, muss die Arbeitsschutzbehörde entscheiden. Mit der Überladung haben sie jedoch recht. Die Waage der Biogasanlage zeigt 43.180 Kilogramm an, erlaubt sind 40.000. „Das ist eine Überladung von 7,8 Prozent“, stellt Busse fest. Auf den Fahrer wartet eine Geldstrafe von 80 Euro und ein Punkt in Flensburg.

Verbogene Deichsel: Die Bremse hat keine Verbindung zur Achse.

Verbogene Deichsel: Die Bremse hat keine Verbindung zur Achse.

Foto: Broder Busse
 

Beschwingt von diesem frühen Erfolg steigen die beiden Polizisten wieder in ihr Auto. Sie streifen durch die Dörfer, befahren Schleichwege und halten immer wieder Ausschau nach landwirtschaftlichem Gerät, selbst ein Abstecher nach Schwansen ist drin. Doch weit und breit sind keine Verkehrssünder in Sicht. Ist das frustrierend? „Nein“, sind sie sich einig. Irgendwann komme wieder ein Fahrzeug. Und tatsächlich: Als die Reporterin schon lange wieder ausgestiegen ist, kommen gleich zwei marode Anhänger um die Ecke. Bei einem ist die Bremsanlage und die Beleuchtung defekt, zudem hat er Düngemitteltanks geladen, ohne sie zu sichern. „Der Fahrer war aber einsichtig“, erzählt Broder Busse am Telefon. So wie die meisten anderen auch, wie die Polizei mitteilt. Insgesamt wurden 97 Fahrzeuge kontrolliert, davon beanstandeten die Beamten 53, eines wurde stillgelegt.

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