Polizei-Studenten lösten Cannabis-Fall : Erfolg fürs Ausbildungskommissariat K10, Flensburgs Police Academy

Spurensicherung: Die Studierenden Sina, Marc, Timo und Nele (v.l.) arbeiten im Ausbildungskommissariat rein praktisch.
Spurensicherung: Die Studierenden Sina, Marc, Timo und Nele (v.l.) arbeiten im Ausbildungskommissariat rein praktisch.

Das K10 löst Fälle beinahe in Eigenregie. Dahinter stecken Bachelorstudenten der Polizeifachhochschule.

Avatar_shz von
17. Februar 2018, 06:48 Uhr

Flensburg | Da ist zunächst einmal die Polizeimeldung von Donnerstag, 9.01 Uhr: In einem Angeliter Dorf „nahe Flensburg“ ging eine illegale und ziemlich professionell betriebene Cannabis-Plantage vom Netz. Ein 21-Jähriger hatte im Schlafzimmer seiner Wohnung in gleichmäßig temperierten Spezial-Zelten 64 Marihuanapflanzen großgezogen und teilweise schon abgeerntet, Ein Team des Ausbildungskommissariats der Bezirkskriminalpolizeiinspektion Flensburg stellte umfangreiches Beweismaterial sicher, gegen den „Farmer“ wird wegen des Verdachts des Anbaus und des Handels mit Rauschgift ermittelt.

Moment mal. Ausbildungskommissariat?

Ja, das gibt es. In Flensburg ist es seit drei Jahren fester Bestandteil der Kriminalpolizei, als K 10 das zehnte und jüngste Kommissariat, sagt Sandra Otte, Sprecherin der Polizeidirektion. Aktuell durchlaufen elf Nachwuchskräfte in Flensburg den praktischen Teil ihres Bachelorstudiums bei der Polizeifachhochschule für den gehobenen Dienst bei Schutz- und Kriminalpolizei.

Die stillgelegte Cannabis-Plantage war das Werk von Timo (20) und seinem Team. Thomas Loth ist einer von vier erfahrenen Kripobeamten, die dem Nachwuchs während des Hauptpraktikums in kleinen Teams in der praktischen Polizeiarbeit zur Seite stehen und daher auch an diesem Fall beratend mitwirkten. „Als Ausbildungskommissariat sind wir eine feste Dienststelle, die ihre Fälle von den anderen Kommissariaten übertragen bekommt“, sagt Loth.

Praktische Ausbildung

Der Plantagen-Fall wurde und wird im weiteren Verlauf von den Studierenden als komplettes Verfahren weitgehend in Eigenverantwortung betrieben. Denn das Thema in Flensburg heißt Sachbearbeitung – Polizeiarbeit von der Anzeigenaufnahme bis zur Abgabe des Falls an die Staatsanwaltschaft. „Fünf bis zehn Fälle sind für uns immer im System“, berichtet Nele (20), Flensburger Kriminalkommissar-Anwärterin. Das ist nicht nur im Norden so der Fall, so arbeitet die Polizei landesweit. Auch in den anderen Dienststellen des Landes sind – entsprechend der Aufnahmekapazität – Ausbildungskommissariate eingerichtet, so Thomas Loth.

Die Arbeit im Kommissariat ist für die jungen Anwärter willkommene Abwechslung von der Theorie. Im Studium stehen Inhalte wie Strafrecht, Kriminalistik, Kriminaltechnik, Einsatzleitung, Verfassungsrecht, Psychologie, Selbstverteidigung, Sport, Schießen und mehr auf dem Stundenplan. Hier vor Ort gehen sie auf Tuchfühlung mit der Arbeitswelt der Polizisten weltweit.

„Es ist superspannend“, sagt Nele. „Was für Geschichten es im Leben gibt, Geschichten, die Menschen im meinem alter nicht kennen“, findet sie. „Geschichten in einer Fülle, die die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben nicht kennenlernen werden“, ergänzt Kollegin Sandra Otte, für so junge Menschen ein tiefer Schnitt. „Schon seltsam“, sagt die Kielerin Sina (19), „vor ganz wenigen Jahren hatte ich noch ein ganz anderes Bild von der Welt. Und jetzt siehst du die andere Seite des Menschen. Nicht nur die schlechte – oft auch die Gute.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen