Nordschleswig : Erdrutsch-Sieg für deutsche Dänen

lange Wahlnacht für den Sonderburger SP-Sieger Stephan Kleinschmidt (stehend) und seine Crew.
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Lange Wahlnacht für den Sonderburger SP-Sieger Stephan Kleinschmidt (stehend) und seine Crew.

Bei den Kommunalwahlen in Dänemark verbucht die Schleswigsche Partei unerwartete Zuwächse - und das bürgerliche Lager dominiert in Nordschleswig

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21. November 2013, 12:00 Uhr

Die Kommunalwahlen in Dänemark haben der Partei der deutschen Minderheit ein sensationelles Ergebnis beschert: In ihrem Einzugsgebiet Nordschleswig steigerte sie ihre Stimmenzahl im Vergleich zum letzten Urnengang vor vier Jahren von 5249 auf 8591. Prozentual macht das 39 Prozent mehr. „Das hat die kühnsten Erwartungen um Längen übertroffen“, jubelt Carsten Leth Schmidt, Vorsitzender der Schleswigschen Partei (SP). Die SP-Spitze war im besten Fall von etwa 6000 Stimmen ausgegangen.

Örtlich gesehen, ist die SP in Apenrade am stärksten. Dort kam sie auf 8,4 Prozent aller Stimmen (2009: 6,8). Dicht darauf folgt jetzt Sonderburg mit 7,9 Prozent (2009: 3,7). In Tondern verbuchte die SP 7,5 Prozent (2009: 4,9), in Hadersleben 2,7 Prozent (2009: 2,1). Unterm Strich ergibt das in den Ratsversammlungen drei Mandate mehr als bisher. In Sonderburg sind es künftig erdrutschartig drei Sitze statt bisher einer, in Tondern drei statt bisher zwei. In Apenrade bleibt es bei zwei Sitzen, in Hadersleben bei einem.

Der Rekord-Zuwachs in Sonderburg von 1526 auf 3375 Stimmen ist ein Triumph für den dortigen bisherigen SP-Einzelkämpfer Stephan Kleinschmidt. Der charismatische 36-Jährige ist auch in Schleswig-Holstein durch seine Initiative für die grenzüberschreitende Bewerbung Sonderburgs als Europäische Kulturhauptstadt 2017 bekannt geworden. 2005 hatte er nach Jahrzehnten überhaupt erst den Wiedereinzug der SP in den Rat geschafft und seitdem als Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Wirtschaft weitgehende Gestaltungsmöglichkeiten. Bemerkenswert ist trotz ungünstiger Ausgangslage auch der Schub in Tondern. Der dortige langjährige SP-Frontmann Carsten Dinsen Andersen war stark in die Kritik geraten, weil er Aufsichtsratsvorsitzender der vor einem Jahr spektakulär Konkurs gegangenen Tønder Bank war. Zwar hatten sich die SP und er daraufhin rasch getrennt, manche in der Minderheit dennoch Auswirkungen auf die Wahl befürchtet.

Den großen Zuspruch wertet Leth Schmidt als „Beweis, dass uns auch viele aus der Mehrheitsbevölkerung gewählt haben. Damit ist uns endgültig der Durchbruch zur Regionalpartei gelungen.“ Der 44-jährige Biobauer aus der Nähe von Hadersleben führt dies auf zwei Ursachen zurück. Zum einen sieht er im guten Abschneiden „Anerkennung für die engagierte Arbeit unserer Kommunalpolitiker in den letzten Jahren auch auf gewichtigen Posten “. Zum anderen diagnostiziert er einen „historischen Reifeprozess“ in der Wahrnehmung des politischen Arms der deutschen Minderheit: „Bevor wir in den Genuss einer objektiven Anerkennung unserer Arbeit kommen konnten, mussten wir historische Ressentiments durch den Ablauf von Zeit überwinden.“

Als ihre Spezialität im Wahlkampf hatte die SP die nordschleswigsche Identität in den Vordergrund gestellt. Als einzige Partei auf die historische Landschaft Sønderjylland beschränkt, konnte sie sich als dort besonders verwurzelt profilieren. Leth Schmidt möchte mit der nun größeren Zahl von Mandatsträgern auf eine engere Zusammenarbeit zwischen Apenrade, Sonderburg, Tondern und Hadersleben hinwirken, vor allem bei Wirtschaft, Wissenschaft und Tourismus. Auch ist es ihm wichtig, dass die vier Städte in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit stärker mit einer Stimme sprechen.

In Sonderburg deutet alles darauf hin, dass die drei SP-Ratsleute einen Machtwechsel von der bisher von einer bürgerlichen Wahlliste gestellten Bürgermeisterin zu einem sozialdemokratischen Nachfolger herbeiführen. In den drei anderen grenznahen Städten stellt die rechtsliberale Partei Venstre das Stadtoberhaupt. In Tondern war dies schon bisher so, in Apenrade und Hadersleben eroberte Venstre den Top-Posten von den Sozialdemokraten. Letztere konnten sich nicht von dem Formtief von Ministerpräsidentin Helle Thorning Schmidt absetzen.

So triumphierte Venstre auch bei der gleichzeitigen Wahl zu den Regionsräten. Damit bleibt ihr Mitglied Carl Holst Vorsitzender der Region Süddänemark. Größter Sieger ist die Demokratie: Die Wahlbeteiligung stieg landesweit von 65,8 auf 71,9 Prozent.

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