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Auflösung : Entwurzelt: Aus für die Campusschule

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Was auf dem Gelände der ehemaligen Löhmannschule künftig auch immer passiert – die Gebäude müssen schulisch genutzt werden.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2013 | 08:00 Uhr

Es war im Morgengrauen, als gestern ein mächtiger roter Kran an der Schulze-Delitzsch-Straße vorfuhr, um die Reste von Flensburgs vielleicht ältester Pappel abzutransportieren. Nur noch die Wurzel und ein riesiger Stumpf waren von jenem Baum geblieben, den Orkan Christian Ende Oktober auf das Mensa-Dach der Schule am Campus gerissen hatte. Nun ist auch er weg.

Es ist ein Bild, das passt. Die entwurzelte Schule mit ihren zwölf Lehrern hätte zum neuen Schuljahr im kommenden Sommer lediglich noch drei Klassen mit knapp 50 Schülern gehabt. Nach einem 5. Jahrgang mit 16 Kindern 2011 war es in den vergangenen beiden Jahren gar nicht mehr gelungen, eine Klasse für die frühere Löhmannschule zusammenzubekommen. Trotz eines engagierten Kollegiums und Projekten wie Lehrwerkstatt mit Lehrstellengarantie oder flexible Ausgangsklasse, die zum Teil sogar überregional beachtet wurden, ist die Schule das Stigma der letzten Hauptschule Flensburgs nicht mehr losgeworden. Dazu blieben dringend notwendige Investitionen in die Hauptsächlich schulisch genutzten Gebäudeteile aus. Wer will sein Kind in ein Haus mit ungeheizten Fluren zur Schule schicken?

Dass in die große Zweifeld-Turnhalle (1999) sowie den gerade am Dach reparierten Mensa-Trakt (2004) dennoch öffentliche Millionen flossen, bringt die Stadt Flensburg jetzt allerdings in die Bredouille: Sollen keine Millionen öffentliche Mittel zurückgezahlt werden, ist der Komplex an der Kanzleistraße noch rund 15 Jahre in seiner Nutzung festgelegt: auf Schule. Das bestätigte der kommissarische Fachbereichsleiter Dieter Tetzlaff im Bildungsausschuss: „Die Auflösung der Schule selbst kostet kein Geld“, erklärte er. Die Investitionen seien aber 25 Jahre gebunden: „Wenn die Schule nicht mehr als Schulgebäude genutzt würde, wird es zu Rückforderungen kommen.“ Deshalb zeigte sich Tetzlaff zuversichtlich: „Ich bin sicher, dass wir eine schulische Nutzung haben werden.“

Der Bildungsausschuss segnete das Aus für die Campusschule bei einer Enthaltung ab – schweren Herzens, wie unter anderem Sönke Wisnewski (SSW) hervorhob. Jetzt fehlt nur noch das Votum des Rats im Januar. Entschieden ist mit dem Beschluss, wie es mit der viel gelobten Lernwerkstatt samt Unterstützung der Rotarier weitergehen soll. Ab kommenden Schuljahr soll das Projekt mit Ausbildungsplatzgarantie an der Gemeinschaftsschule West weitergeführt werden. „Dieses einmalige Angebot soll erhalten bleiben“, hatte Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar zuvor plädiert, enthielt sich jedoch als einzige, weil sie das Angebot gerne breiter auch an den anderen Schulen gehabt hätte. Auch hinsichtlich der bestehenden flexiblen Ausgangsstufe (Flex-Klasse) der Campusschule seien intensive Gespräche mit Schulleitungen geführt worden. Sicher sei, dass dieses Angebot noch zwei Jahre weiter laufe, so dass alle Schüler ihren Schulabschluss machen könnten. Völlig offen ist indes noch, wie und wo dieses weitere Vorzeige-Angebot der früheren Löhmannschule weitergeht. Schulrat Hans Stäcker sei „in intensivem Austausch mit den Schulleitungen“, heißt es dazu in der Verwaltungsvorlage.

Schulleiter Gerhard Fenger, der mit Schülern, Lehrern und Eltern mehrere Jahre für eine Zukunft gekämpft hatte, verfolgte die Abwicklung stumm als Ausschussbesucher. Er sagt: „Schule funktioniert nicht, wenn die Starken wegbleiben. Allein für so eine Lernwerkstatt wäre man früher mit Preisen überhäuft worden.“

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