Entsetzen über Vorgehen des Landes

Bürgermeister Helmut Erichsen ist sauer -  und verlangt Aufklärung seitens des   Landes.  Foto: U. KÖHLER
Bürgermeister Helmut Erichsen ist sauer - und verlangt Aufklärung seitens des Landes. Foto: U. KÖHLER

Stangheck stimmte zwar dagegen, doch im Regionalplan wurde trotzdem ein Windkraft-Eignungsgebiet ausgewiesen / Gemeinde verlangt Streichung

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19. Oktober 2011, 07:12 Uhr

STANGHECK | "Was wird hier gemauschelt?", fragt sichtlich gefrustet Stanghecks Bürgermeister Helmut Erichsen und hält mit seiner Verärgerung nicht hinter dem Berg. Durch die Eigenmächtigkeit des Landes stehe er in der Gemeinde als Lügner da, fügt er hinzu und sagt, das werde er nicht auf sich sitzen lassen, will gegenüber dem Land alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. Und damit steht er nicht allein: Im nicht-öffentlichen Teil der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung stärkten ihm die gewählten Vertreter diesbezüglich den Rücken.

Es geht um die Ausweisung von Windkraft-Eignungsflächen in der Gemeinde Stangheck. Im Entwurf zur Teilfortschreibung des Regionalplans für den Planungsraum V vom 16. August dieses Jahres ist eine 16,2 Hektar große Fläche mit der Nummer 139 im Bereich Großkoppel ausgewiesen. Davon hatte Erichsen zunächst aus der Presse erfahren und dann im Internet nachgelesen: "Ich bin entsetzt."

Er und Gerd Aloe, Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Geltinger Bucht, wollen wissen, "wer hier an welchem Rad gedreht hat, was dahinter steckt". Beide betonen, dass seitens der Gemeinde Stangheck keine Fläche ausgewiesen worden sei - ganz im Gegenteil: Auf Antrag eines Investors lehnte die Mehrheit der Gemeindevertreter in der Sitzung am 15. Juni 2009 die Ausweisung einer Windkraft-Eignungsfläche ab. Am 15. März des vergangenen Jahres wurde ein anderer Investor vorstellig - auch ihn beschied die Gemeindevertretung mit einem Nein. Die Annahme, dass damit alles klar sei, stellt sich nun als falsch heraus - siehe Entwurf der Teilfortschreibung des Regionalplans vom August dieses Jahres.

Die Gemeinde habe keinerlei Flächen, bekräftigen Erichsen und Aloe und fragen sich, wer da etwas gemeldet habe. Nach den Worten von Helmut Erichsen sei die Situation in Stangheck angespannt: Ein Investor mache jetzt Druck und verweise auf die Flächenausweisung im Regionalplan.

Inzwischen gibt es nach den Worten des Bürgermeisters und des Leitenden Verwaltungsbeamten einen Schriftverkehr mit dem Land, in dem die Gemeinde die Herausnahme besagter Fläche aus dem Plan fordere. Das Land vertrete die Ansicht, dass die Gemeinde die Herausnahme melden müsse. Doch das sehen Erichsen und Aloe anders. Mit einer solchen Meldung würde die Gemeinde den Fehler des Landes legalisieren - und das wolle man auf gar keinen Fall. Es sei Sache des Landes, die ausgewiesene Fläche zu streichen. Von diesem Standpunkt rückt der Bürgermeister nicht ab, zumal es in den Richtlinien des Landes heißt, dass im Küstenraum nördlich der Bundesstraße 199 bis hin zur dänischen Grenze in der Flensburger Innen- und Außenförde wegen der "charakteristischen Landschaftsräume" eine Ausweisung von Eignungsgebieten für die Windkraftnutzung unzulässig sei - das heißt in Steinbergkirche, Stangheck, Gelting, Rabel, Kappeln. Dennoch sehe die Teilfortschreibung für Stangheck die Ausweisung eines Eignungsgebietes vor - ein Widerspruch in sich.

Wenn es seitens des Landes heiße, in der Gemeinde sei noch kein abschließendes Votum gefällt worden, so sei dies schlichtweg falsch, so Erichsen. "Die Gemeinde hat zwei Mal nein gesagt, hat keine Fläche gemeldet." Er verlangt dass geklärt wird, von wem der Vorschlag, das Gebiet 139 in die Planung zu übernehmen, stamme, wer die Passage, "vorgeschlagen von der Gemeinde", veranlasst habe, und wer sagte es gebe "noch kein abschließendes Votum der Gemeinde". Fragen, auf die Erichsen zeitnah Antworten vom Land erwartet - denn so könne man mit der Gemeinde und mit ihm nicht umgehen.

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