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SHMF in Flensburg mit Kuhnt : Entertainer im Yachten-Tempel

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

SHMF-Intendant Christian Kuhnt warb geistreich, frech und charmant für die Konzerte dieses Sommers in Flensburg und anderswo

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2017 | 07:49 Uhr

Über dem Auditorium lehnt lässig John F. Kennedy an der Reling. Überlebensgroß. Der Einzige jedoch, der ihn immer sieht, ist Christian Kuhnt, während er den rund hundert Gästen in bisweilen kabarettistischer freier Rede das SHMF-Programm schmackhaft macht. Kuhnt, künstlerischer Leiter des Musik-Festivals, sprüht an diesem Abend wieder einmal vor Charme und Esprit, ist sich auch nicht zu schade, ganz unverhohlen Werbung für einen Hauptsponsor zu machen und Gastgeber Oliver Berking unter die Nase zu reiben, dass dieser Sponsor viel bessere Autos baue als der Hersteller, den Berking bevorzugt. Geschenkt.

Denn hauptsächlich geht es um Musik, natürlich um gute Musik. Nicht um E- (ernste) oder U-Musik, wobei das U für Unterhaltung steht. Diese blöde Unterscheidung gebe es vor allem in Deutschland, und daran sei die Gema schuld. Jeder Festivalfreund weiß, was der Grund für diesen Exkurs ist: In diesem Jahr beschert das Festival dem Flensburger Klassik-Fan kaum klassische Musik, dafür gleich zweimal Brass-Ensembles und zweimal Chansonniers im weiteren Sinne. Klar, dass in Kuhnts Diktion alle unter das Label „gute Musik“ gehören, egal ob Gustav Peter Wöhler – so gut wie ausverkauft – oder Dominique Horwitz, „der beste deutsche Brel-Interpret“.

Kuhnt und Kennedy – ein schönes Paar in einem schönen Ambiente. Das neue Werft-Museum – das Yachting Heritage Center – am Industriehafen zieht derzeit viele Menschen an, die ein Faible für schöne (und teure) Dinge haben. Scherzt Kuhnt: „Ich werde mit dem Ministerpräsidenten über eine Dienstyacht für den Intendanten verhandeln. Ich weiß nur noch nicht, mit welchem.“ Jedenfalls werde er die Yacht hier bei Oliver Berking abholen; der so Umschmeichelte lächelt mild. Das riesengroße Kennedy-Bild gehört zur aktuellen Ausstellung in der edlen Immobilie, wo Freunde des schwimmenden, glatt geschliffenen Mahagonis auf ihre Kosten kommen.

Auf ihre Kosten kommen Freunde klassischer Musik in Flensburg vor allem am 3. August, wenn der Tenor Klaus Florian Vogt Schuberts „Schöne Müllerin“ singt. Doch Marketing-Mann Kuhnt wirbt für Konzerte „in der Nähe“, zum Beispiel in Glücksburg, wo der „hoch talentierte junge französische Cellist Edgar Moreau“ gastiert, und zwar mit der Violinsonate von Ravel.

Apropos Ravel: Flensburg hat in diesem Jahr nicht nur kaum klassische Konzerte, sondern bekommt auch nichts vom Komponistenschwerpunkt Ravel und nichts vom Künstlerporträt Avi Avital mit. Der Mandolinist aus Israel, der das unscheinbare Saiteninstrument in ungeahnte Höhen zupft, hätte im Deutschen Haus spielen sollen. Das sei daran gescheitert, so Kuhnt, „dass das Deutsche Haus jetzt Abibälle veranstaltet. Ich bin gespannt, wann der erste Abiball in der Elbphilharmonie läuft.“

Brass gab es beim SHMF-PR-Abend auch. Ein Quintett der Brass Academy der Musikhochschule Lübeck spielte u.a. einen Trauermarsch aus Dixieland, „Maria“ aus der West Side Story, Ravels „Pavane“ und ein wenig Wassermusik von Händel. Chapeau!

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