Kunst in Flensburg : Entdeckung eines Unbekannten

Die Blicke der Damen sprechen Bände: Kuratorin Dörte Ahrens vor einem Ölgemälde Hans Fuglsangs, entstanden in einem Münchner Kaffeehaus.
Die Blicke der Damen sprechen Bände: Kuratorin Dörte Ahrens vor einem Ölgemälde Hans Fuglsangs, entstanden in einem Münchner Kaffeehaus.

Museumsberg zeigt erstmals große Werkschau des vor 100 Jahren gestorbenen Malers Hans Fuglsang

shz.de von
17. November 2017, 08:40 Uhr

Der Name Fuglsang steht im Landesteil Schleswig für Bier aus Hadersleben in grünen Flaschen. Dieses Bier gibt es am Sonntag bei der Eröffnung der Ausstellung „Unvollendet“ mit wunderbaren, weitgehend unbekannten Bildern des Malers Hans Fuglsang, ein Spross der in Dänemark bekannten Brauerei-Familie gleichen Namens. Mitglieder der als kunstsinnig geltenden Familie werden Sonntag anwesend sein; schließlich stammen viele der gezeigten Bilder aus ihrem Besitz.

Das ist einerseits ein Glück für das Museum. Andererseits ist es ein Grund dafür, dass Hans Fuglsang, der mit nur 28 Jahren als Soldat im 1. Weltkrieg fiel und deshalb ein übersichtliches Œuvre hinterließ, als Künstler nur eingeweihten Kreisen bekannt ist – zu Unrecht, wie diese Ausstellung zeigt. Denn zu Lebzeiten hatte der junge Maler kaum Bilder verkauft, weil er es schlicht nicht nötig hatte. Deshalb hängt er in keiner Galerie und nur in ganz wenigen Museen, deshalb kennt ihn keiner.

Das ändert sich jetzt vielleicht. Denn die Ausstellung zeigt Bilder, die zum Teil an französische Impressionisten erinnern, die auf einen schon meisterlich zu nennenden Umgang mit Licht und Farbe schließen lassen, die in ihren besten Beispielen großartig sind. Kuratorin Dörte Ahrens, wissenschaftliche Mitarbeiterin auf dem Museumsberg, schwärmt von dem Bild „Pierrot“, der besonderen Farbgebung, dem leicht androgynen Ausdruck des Clowns, in dessen Mundwinkel lässig eine Zigarette hängt.

Fuglsang, der an der Akademie in München geschult wurde, hat in den Ferienaufenthalten im heimischen Hadersleben seine Wohnumgebung gemalt, den See, die Tanneninsel, die Villa, einen Pavillon am Ufer. Vor allem hat er jedoch Menschen porträtiert, Frauen, ganz großstädtisch im Café, Tänzerinnen, Akte. Lebensgroß zieht eine Alexandra Lenos im weißen, bodenlangen Kleid mit Tennisschläger in der Hand die Blicke auf sich. Man achte auf den Blick dieser Frau!

Und immer wieder hat Hans Fuglsang, der als sensibel, hin und wieder depressiv galt und womöglich psychisch krank war, der Ängste hatte, sich selbst als Motiv gewählt. Die meisten Selbstporträts zeigen einen nachdenklichen, mal auch selbstbewussten jungen Mann in Schlips und Kragen. Leicht ist zu erkennen, wenn er in depressiven Phasen zu Farbe und Pinsel gegriffen hat.

Viele Bilder liegen seit Jahrzehnten im Magazin des Museums. Ein Vorgänger von Direktor Michael Fuhr hat sie im großen Stil gesammelt: Fritz Fuglsang, Bruder des Künstlers. Eine große Ausstellung hat es auf dem Museumsberg jedoch nie gegeben. Fuhrs und Ahrens’ Vorgänger, Ulrich Schulte-Wülwer und Dorothee Bieske, hatten sie jedoch vorbereitet. In diesem Jahr jährt sich der Todestag des Künstlers zum hundertsten Mal.

Eine Ausstellung in Dresden 1916 hat er selbst nicht gesehen, da war er schon an der Front. Und hat Bilder von Tod, Krieg und Klagen hinterlassen, die sehr eindringlich sind – zu sehen im letzten Raum. In täglichen Briefen an die Eltern hat von seinen Kriegserlebnissen berichtet. Die Ausstellung hinterlässt eine Ahnung, welche Bilder der Kunstwelt durch seinen frühen Tod entgangen sind. Eröffnung: Sonntag, 11.30 Uhr

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