Joseph-Haydn-Straße : Engpass: Anlieger im Clinch mit der Stadt

„Kein Durchkommen“, finden die Hanigers und fühlen sich mit ihrer Forderung nach Abschaffung der Parkplätze im Regen stehen gelassen. Foto: Euler
„Kein Durchkommen“, finden die Hanigers und fühlen sich mit ihrer Forderung nach Abschaffung der Parkplätze im Regen stehen gelassen. Foto: Euler

Seit bald zwei Jahren zieht eine Familie aus der Joseph-Haydn-Straße gegen die Verengung von Fahrbahn und Bürgersteig durch "unnötige" Parkplätze zu Felde.

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16. September 2009, 12:23 Uhr

Flensburg | Was hätte Joseph Haydn bloß dazu gesagt! Mozartstraße, Beethovenstraße oder Franz-Liszt-Hof verströmen Flair, doch die nach "Papa Haydn" benannte Straße fristet in Engelsby ein trostloses Schattendasein in Sackgassenlage.

Mehr noch: Die Stadt hat hier eine Reihe von Pkw-Stellplätzen installiert, die nicht nur die Fahrbahn verengen, sondern zudem die Breite des Bürgersteiges halbieren. Kein Durchkommen für Mütter mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer. Kinder, die zwischen den Häuserblocks und parkenden Autos auf die Straße rennen, laufen Gefahr, unter die Räder zu kommen. Laster nehmen den Weg über den Bordstein, hinterlassen ihre Spuren auf dem Rasen. "Und auch Feuerwehr, Krankenwagen oder Müllabfuhr haben ihre liebe Not", beklagt Sigrid Haniger (62). "Besonders im Winter, bei Schneefall, ist das eine Katastrophe." Sie und Ehemann Oswald liegen als Anwohner schon seit über zwei Jahren mit der Stadt über Kreuz, weil diese trotz der misslichen Situation keine Abhilfe schaffen will.
Nichts passiert trotz Versprechen
Eines haben sie immerhin erreicht: Zwei Parkplätze am Joseph-Haydn-Weg wurden abgeschafft, damit die Auto fahrenden Mieter es zumindest schaffen, ohne Nerven aufreibende Millimeterarbeit vom großen Privatparkplatz aus "die Kurve zu kriegen", wenn sie auf die Straße rangieren. Doch das wars dann auch schon mit den Zugeständnissen. "Dabei hatte uns Bürgermeister Barckmann versprochen, sich weiter zu kümmern." Sigrid Haniger ist ernsthaft beleidigt. Immer wieder seien Behördenvertreter und Polizei vor Ort gewesen, "doch passiert ist nichts".

Ihr Mann hat inzwischen genug von dem Papierkrieg und die gesamte Korrespondenz, die sich seit Oktober 2007 auf seinem Schreibtisch türmte, in den Mülleimer verfrachtet. Der 66-Jährige ist zu 100 Prozent schwerbehindert. "Das Ganze", stöhnt er, "kostet mich einfach zu viel Kraft".

Oswald Haniger hatte zuvor fast zwei Wochen lang Zählungen vorgenommen. Im Schnitt, so hat er errechnet, bleiben 20 offiziell ausgewiesene Parkplätze leer. Haniger: "Es bestand überhaupt keine Notwendigkeit für zusätzliche Stellplätze - dazu noch auf unserer ohnehin schmalen Straße."

Dabei ist die Sache eigentlich ganz unkompliziert. So zumindest die Einschätzung von Stadtsprecher Thomas Hansen, dem ein "riesiger Schriftverkehr" vorliegt. Die Straße, so sein erster Hinweis, verfüge über die vorschriftsmäßige Mindestbreite von 3,50 Meter. "Die Rettungswege sind okay", sagt Hansen. Vom Technischen Betriebszentrum, sprich den Müllwerkern, habe er bislang nicht eine einzige Klage vernommen. Der "gut frequentierte" Parkraum werde überdies definitiv benötigt.

Wie aber stellt man sich zu dem Hinweis auf die Gefährdung von Kindern? "Die Straße ist verkehrsberuhigt und als Mischverkehrsfläche ausgewiesen", argumentiert die Stadt. Im Klartext: Fußgänger, Rad- und Autofahrer oder auch Skateboarder dürfen sie gleichermaßen nutzen. Also: Kein Handlungsbedarf.

Möglicherweise spielt aber auch noch etwas anderes eine nicht unbedeutende Rolle: Die Hanigers sind die einzigen Beschwerdeführer. Was für die Eheleute aber kein Indiz dafür ist, dass den Anwohnern der Zustand gleichgültig sein könnte. "Die Nachbarn", schwört Oskar Haniger, "sind auf unserer Seite."

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