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Flensburger Stadtteilforen : Engagiert im Kampf gegen Vorurteile

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit zehn Jahren gibt es den „Flensburger Norden“, der sich mit Erfolg in die Gestaltung des Viertels im Umbruch einbringt. Die Lebendigkeit des Viertels und die Nähe zum Wasser sowie zur Innenstadt sind Pluspunkte.

Flensburg | In fast allen Stadtteilen gibt es mittlerweile Bürgerforen, die sich um die Belange des Viertels kümmern. Sie müssen von der Stadtverwaltung bei Planungen, die den Stadtteil betreffen, gehört werden. Doch wer ist in den Foren aktiv? Wir stellen die elf Foren in einer Serie vor. Heute: der Verein Flensburger Norden.

Bloß nicht in die Neustadt ziehen: Neuankömmlinge, die sich vorab über ihren neuen Kiez informieren, bekommen diesen wohlgemeinten Hinweis immer noch zu hören. Die Lebendigkeit des Viertels und die Nähe zum Wasser, zur Innenstadt wie auch zu Dänemark sind Pluspunkte der Neustadt, die Cordelia Feuerhake aufzählt. Sie ist seit fünf Jahren Mitglied des Vereins Flensburger Norden. Lothar Baur gehört dem Bürgerverein schon seit 2008 an, dessen Idee gewesen sei, „die vielen vorhandenen Kräfte zu bündeln“.

Dass damals – zur Überraschung Feuerhakes – die Belebung der Kultur im Stadtteil noch nicht Ziel war, weiß Lothar Baur genau. Erst die neue Satzung enthalte diese Intention, sagt der Kultur- und Medienmanager, der vom Bodensee stammt und kurz vor dem Mauerfall aus West-Berlin nach Flensburg kam. Seiner Initiative zu verdanken sind allerlei Kunst- und Kulturbaustellen im nördlichen Flensburg, die Ausgrabung von Kulturstätten wie des KKI in der Alten Schule oder die Erfindung von Ereignissen wie des Midsommerjazzfests am Ostseebad – zumeist getragen von seinem Verein 8001. Den nächsten Jazz am Strand gibt es übrigens am 21. Juni. „Zum neunten Mal“, erinnert Lothar Baur und ergänzt: „Und zum neunten Mal habe ich keine Ahnung, wie ich das finanzieren soll.“

Geld ist wieder ein Problem. Der Flensburger Norden e.V. hat Täler und Höhen erlebt, seit die Gründer – Bewohner und damals zugleich Mitarbeiter der Stadtsanierung – ihn vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben haben. Heute zählen solide 35 bis 40 Mitglieder zum Zusammenschluss. Zu Blütezeiten, als es etwa den Stadtteildienst, eine halbe Million Euro aus bundesweiter Förderung und hauptamtlich engagierte Fachleute gab, seien wunderbare Projekte umgesetzt worden. Cordelia Feuerhake, Diplom-Ingenieurin (Architektur) und gebürtige Hamburgerin, nennt den Galwik-Wasserplatz und den Pavillon, der Trinkern einen Treffpunkt gibt. Letzteres sei als Pilotprojekt betrachtet worden und habe erfolgreich „gezeigt, dass die Szene umzieht“, wenn man die Wünsche berücksichtige, sagt Feuerhake. Längst würden andere Standorte gebraucht, beobachtet sie. Doch der Verein habe nicht die Kapazität, das allein fortzusetzen. „Wir können nicht alle Probleme lösen“, sagen die beiden Vorstände.

Lange Laufzeiten für Projekte und der Einsatz von aus Idealismus gespeister Energie, „ohne zu wissen, ob am Ende etwas dabei herauskommt“, so Baur, erschwerten das Engagement mitunter. Während der finanziell unbeschwerten Zeit sei auch die Homepage entstanden, die der Süddeutsche betreut. Doch auch hierfür fehlen zunehmend Zeit und Geld. „Man fängt an, Dinge privat zu finanzieren“, stellt Lothar Baur fest.

„Alles ist temporär“, erfahren die im Norden Engagierten, denn die Neustadt unterliegt in den nächsten Jahren einer Menge städteplanerischer Veränderungen. Den Wegfall des KKI bezeichnet Baur als einen „herben Verlust“, und auch die Alte Bank, die man zum Beispiel für Partys mieten kann, wird irgendwann nicht mehr sein.

Natürlich planen Feuerhake, Baur und ihre Mitstreiter Neues – neben der notwendigen Anpassung des Vereins an veränderte Strukturen. So schwebt ihnen die Einrichtung einer öffentlich zugänglichen Bücherbox für die Leseratten im Norden vor. Und ein Kulturprojekt mit Gastronomie. Einen Standort dafür haben sie sich auch schon ausgeguckt: Wegen des gescheiterten Hotels in der Nähe des Wasserplatzes sei eine Fläche frei geworden, erinnert Cordelia Feuerhake. Und der Nachbar FFG sei nicht abgeneigt gegen eine solche Verwendung, habe sie in Erfahrung gebracht. „Jeder Stadtteil braucht ein soziales, kulturelles Zentrum“, ist Lothar Baur überzeugt.

Bereits erschienen sind die Beiträge über das Forum Tarup am 7. April, das Forum Weiche (8. April), das Forum Mürwik (10. April), das Rude-Forum (13. April) sowie das Forum Jürgensby/Sandberg (14. April).

 

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erstellt am 20.Apr.2015 | 12:30 Uhr

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