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Flensburger Tageblatt

25. September 2017 | 06:38 Uhr

Engagement für Kosovo geht weiter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zum zweiten Mal hospitiert der Arzt Lulzim Krasniqi in Flensburg / Damit läuft vierjährige Förderung der Partnerschaft durch „Aktion Mensch“ aus

„Wenn ihr nicht zu uns kommt, kommen wir zu euch.“ So oder so ähnlich hat Dr. Lulzim Krasniqi das schon einmal gesagt. Und zum zweiten Mal hat der Arzt aus dem Kosovo seine Ansage verwirklicht und in Flensburg hospitiert. Jeweils mehrstündige Besuche in der Friholtschule, in Einrichtungen von Adelby 1 oder in einer Kinderarztpraxis standen auf dem dichten Programm für den zehntägigen Aufenthalt Krasniqis und seiner Frau Dija. Er habe einen „hohen Eindruck“ bekommen, resümiert der Arzt aus Rahovec, dessen Schwerpunkt in der Heimat die Behandlung behinderter Kinder ist.

Bei der Visite im Therapiezentrum Flensburg erklärt er, dass er die Erfahrungen in sein Land übertragen wolle. Allerdings müsse das Personal gemäß dortiger Konditionen ausgebildet werden, denn Ausrüstung und Qualität der Einrichtungen seien mit denen in Flensburg nicht vergleichbar. Immerhin sieht Lulzim Krasniqi „ein kleines Licht am Ende des Tunnels“. Aufgefallen sei ihm in Deutschland ein „gutes System der Integration“, das Kinder mit Handicap stabilisiere durch das Lernen von anderen, gesunden Kindern.

Sein Besuch läutete zwar das Ende der vierjährigen Unterstützung durch „Aktion Mensch“ ein, bedeutet jedoch nicht das Ende der Partnerschaft. Das ist den Worten Ulrich Kruses zu entnehmen – Flensburger Psychologe, der angebunden an den Verein für Diakonische Hilfen Rendsburg, die treibende Kraft der Kooperation auf deutscher Seite ist. Sein Engagement auf dem Balkan begann im Winter 1999 unmittelbar nach dem Kosovo-Krieg mit der Versorgung traumatisierter Kinder und ihrer Familien. Ziel des von Aktion Mensch unterstützten Vorhabens sei anfangs der Aufbau von vier Ambulanzen in kaum erreichbaren Bergdörfern gewesen. Die Vorgabe sei mit nur zwei Ambulanzen zwar nicht geschafft worden. Zugleich berichtet Kruse, dass die Verträge, die im März abliefen, nun für vier Jahre fortgesetzt würden.

Gerade ist der Psychologe zurück gekehrt aus Rahovec, einer Kommune mit 80 000 Einwohnern. Er bringt zuversichtlich stimmende Nachrichten mit, die auch mit dem neuen Bürgermeister von Rahovec, Idriz Vehapi, zu tun haben. Der Funktionär mit Regierungserfahrung habe bereits zugesagt, dass seine Gemeinde künftig die Projekt-Kosten zur Hälfte tragen werde. Eine Teil-Finanzierung aus Deutschland könne es ebenfalls geben, doch sei Krasniqi in der Pflicht, Haupt-Sponsoren in Rahovec zu finden. Dessen Team aus Psychologe, Pädagoge und Therapeuten habe sich bereit erklärt, sagt Kruse, erst einmal ehrenamtlich Kinder zu behandeln, zu betreuen, ihre Eltern einzubinden. Zudem könnten neue Integrationsgesetze und das Forum kosovarischer Behindertenverbände die Lage verbessern. Dennoch betont Krasniqi: „Es bleibt noch viel zu tun“, weshalb sein Land weiterhin auf Hilfe angewiesen sei.

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