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Abschied am Fördegymnasium : Energischer Verfechter von G9 geht in den Ruhestand

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach 15 Jahren und sieben Monaten endet Winfried Wellmanns Amtszeit als Schulleiter des Fördegymnasiums.

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2014 | 12:00 Uhr

In der nächsten Woche wird Winfried Wellmann noch rund 700 Zeugnisse unterschreiben. Am Donnerstag Vormittag ist dann die Feier zur Verabschiedung des 65-Jährigen als Schulleiter des Flensburger Fördegymnasiums. Mit Blick auf mehr freie Zeit fürs Reisen und für drei Enkel sagt Wellmann ohne Umschweife: „Ich freue mich auf meinen Ruhestand.“

Seit 1998 habe er das Gymnasium an der Elbestraße geleitet. „Das Fördegymnasium ist meine erste und meine letzte Schule gewesen“, resümiert Wellmann. Schon damals als Referendar sei ihm die „freundliche Atmosphäre im Lehrerzimmer aufgefallen – immer den Schülern zugewandt“. Das habe sich bis heute nicht verändert.

Tatsächlich kennt der in Dresden Geborene die Schule seit ihren Anfängen. Denn als Kind habe er jeden Sommer bei den Großeltern in Mürwik verbracht. „Aus dem Küchenfenster konnte ich sehen, wie das Fördegymnasium gebaut wurde“, erinnert er sich. Später nach dem Abitur am Alten Gym und seinem Wehrdienst bei der Marine habe er Russisch und Englisch in Kiel, Glasgow und Leningrad (heute: Sankt Petersburg) studiert.

„Das lag an Willy Brandt, der Öffnung nach Osten“, begründet Wellmann die Wahl eines der Studienfächer. Der Kontakt nach Großbritannien sei durch die Partnerschaft Flensburgs mit Carlisle entstanden, erzählt er. Seine Besuche dort als Schüler und später als Betreuer empfindet er als prägend, wobei Mutter und Großvater ebenfalls viel Englisch sprachen. Als er in Glasgow studierte, sei gerade die Zeit der Miniskirts angebrochen. Im Rückblick sieht der Schulleiter noch die Lehrerinnen vor Augen, die mit dem Maßband darüber wachten, dass die Miniröcke ihrer Schützlinge bloß nicht zu kurz gerieten.

Das Alte Gymnasium war Wellmanns zweite Ausbildungsschule. Fünf Jahre lang arbeitete er in Neumünster, danach 15 Jahre als Studienleiter des Studienseminars. Parallel hierzu unterrichtete er am Gymnasium Satrup (heute: Bernstorff-Gymnasium).

Der erste Streit schließlich, den der gefühlte Mürwiker als Leiter seiner heutigen Schule auszufechten hatte, betraf die Taubenplage. Winfried Wellmann veranlasste bauliche Maßnahmen und das Einfangen von bis zu 300 Tauben. Seine Maxime hieß: „Kinderschutz vor Tierschutz“. Als „großen Umbruch“ bezeichnet der 65-Jährige die Umstellung auf G8. Die letzte Klasse mit dem auf acht Jahre verkürzten Weg zum Abitur befinde sich nun im 9. Schuljahr am Fördegym. Selbstverständlich sei der Entschluss zur Rückkehr zu G9 im Austausch gefallen, betont Wellmann, gemäß der Anforderung, das Einvernehmen mit Eltern und Schulträger herzustellen. Er erinnert sich an lediglich vier von 100 Eltern, die damals G9 ablehnten. Nun genießt die Schule mit ihrem Modell Bestandsschutz – auch unter dem neuen Schulgesetz. Über kurz oder lang betrachtet Winfried Wellmann Gymnasien als Schulform als gefährdet. „Man muss mehr Eliten fördern“, fordert er daher, denn von ihnen kämen die Impulse. Am 18. Februar wählt ein 20-köpfiges Gremium den neuen Schulleiter des Fördegymnasiums.

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