Zukunftsweisend : Energie aus Sörup für Sörup

Die Verträge sind gemacht:  Unter den Augen von Notar Dr. Arfst Hansen (li.) und Staatssekretär Tobias Goldschmidt (2.v.li.) unterzeichneten die Gesellschafter das Dokument.
Die Verträge sind gemacht: Unter den Augen von Notar Dr. Arfst Hansen (li.) und Staatssekretär Tobias Goldschmidt (2.v.li.) unterzeichneten die Gesellschafter das Dokument.

Das Angelner Dorf gründet ein Gemeindewerk. Staatssekretär: „Damit ist der Ort dem Rest der Republik in Sachen Energiewende um zehn Jahre voraus.“

shz.de von
25. Mai 2018, 12:45 Uhr

Sörup | Das Dorf Sörup setzt Zeichen für die Energiewende. Waren es bisher hauptsächlich die Großen der Energiebranche, die auch im Bereich regenerativer Energien bestimmend waren, zeigt die Gemeinde Sörup mit einem Gemeindewerk, erstmalig in Schleswig-Holstein, dass die Energiewende auch von unten begleitet werden kann.

Vor zwei Jahren hat sich die Gemeindevertretung erstmalig mit der Frage beschäftigt, wie der im Ort produzierte Windstrom zu den örtlichen Verbrauchern gelangen kann. Die Söruper beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und gründeten das Gemeindewerk, vergleichbar mit den Stadtwerken, wie es sie in Flensburg, Schleswig und anderen Städten bereits gibt.

Die Idee dahinter: Die örtlichen Windkrafterzeuger verkaufen ihren Strom zunächst an einen regionalen Energieversorger und dieser gibt den Strom weiter an das Gemeindewerk, das ihn an die in Sörup ansässigen privaten Haushalte und Gewerbebetriebe liefert.

Mit demnächst neun Windkraftanlagen und einer Biomasse-Anlage wäre die Gemeinde damit energetisch praktisch autark. Sollte tatsächlich einmal mehr Energie benötigt werden, kann diese über die Strombörse eingekauft werden.

Doch die Söruper denken noch weiter: In fünf Jahren wird das Stromnetz neu vergeben. „Es ist durchaus denkbar, dass wird dann unseren Hut in den Ring werfen“, kündigte Bürgermeister Dieter Stoltmann an.

An der neuen Gesellschaft ist die Gemeinde Sörup mit 61 Prozent beteiligt, die übrigen 39 Prozent teilen sich drei örtliche Windkraftbetreiber und die Firma „BioGas Sörup“. Nächster Teilhaber könnten die Betreiber einer Freiflächen-Photovoltaikanlage sein, die im Ortsteil Winderatt geplant ist.

Vorgestern Abend wurde nach langwierigen Verhandlungen und der Klärung von rechtlichen Fragen der Vertrag für das Gemeindewerk unterschrieben. Als aufmerksamer Beobachter war Staatssekretär Tobias Goldschmidt in Vertretung von Energieminister Robert Habeck nach Sörup gekommen. Er machte die Bedeutung des Vorhabens für das Land Schleswig-Holstein deutlich. „Die Söruper zeigen, wie die Energiewende im ländlichen Raum ganzheitlich umgesetzt werden kann. In Sörup wird die Energiewende nicht schlecht geredet – hier zieht die Gemeinde für sich und ihre Bürger Vorteile daraus.“ Goldschmidt bescheinigte Sörup, dem Rest der Republik in Sachen Energiewende zehn Jahre voraus zu sein. „Mit dem schlüssigen Söruper Konzept wird bei den Bürgern auch Akzeptanz für die Energiewende geschaffen“, lobte der Kieler Staatssekretär.

Die neue Gesellschaft will Anfang 2019 an den Markt gehen. Bis dahin müssen sich zunächst die kommunalen Gliederungen nach der Wahl neu positionieren, danach hat die Gesellschafterversammlung die Gremien zu besetzten und dann erfolgt die Ausschreibung für den Dienstleister.

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