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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 03:40 Uhr

Endgültig: Kassenchefin muss ins Gefängnis

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Endlich. Das rechtskräftige Urteil. Zwölf Jahre nach der ersten Tat. Annemarie F., die ehemalige Leiterin der Harrisleer Gemeindekasse, muss ins Gefängnis. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat ihre Revision gegen ein Urteil der 34. Strafkammer am Kieler Landgericht vom 30. Januar dieses Jahres als unbegründet verworfen, teilt die Gemeinde mit. Damit ist das Urteil rechtskräftig und Annemarie F. muss ihre Strafe absitzen.

Die Kammer unter dem Vorsitzenden Richter Felix Lehmann hatte F. wegen Untreue im Amt in einem besonders schweren Fall zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zwei Monaten verurteilt. In einem 21-tägigen Indizienprozess mussten die Verfahrensbeteiligten den rätselhaften Abfluss von über zwei Millionen Euro aus der Kasse nachstellen – ein Vorhaben, bei dem Verteidigung und Anklage in argumentativ Schwerstarbeit zu leisten hatten.

Am Ende folgte das Gericht jedoch Staatsanwalt Thomas Feldmann. Annemarie F., die stets ihre Unschuld beteuert hatte, sei nicht die überforderte und überarbeitete Angestellte gewesen, die sich mit ebenso verzweifelten wie abenteuerlichen Buchungen gegen den Zusammenbruch einer chaotischen Kassenführung in Bürgerhaus stemmte. Sie sei vielmehr die Quelle des Chaos gewesen, das sie geschickt zu inszenieren wusste. Das Gericht war zu der Überzeugung gelangt, Annemarie F. habe ein künstliches Chaos veranstaltet, um ihren Raubzug in den Finanzen der wohlhabenden Gemeinde systematisch zu verschleiern.

Angeklagt waren 210 Buchungen aus den Jahren zwischen 2002 und 2005, die nach Überzeugung des Gerichts mit dem einzigen Ziel angelegt worden waren, den steten Abfluss von Bargeld aus der Gemeindekasse zu verschleiern. Der dieser Anklage zu Grunde liegende Schaden lag bei knapp 600 000 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte nach jahrelangen Ermittlungen im Jahr im Herbst 2010 Anklage erhoben. Wegen Überlastung hatte die Strafkammer das Verfahren aber erst fast drei Jahre später eröffnen können. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft dürfte der in der Harrisleer Kasse entstandene Schaden deutlich höher sein, als in den 210 angeklagten Fällen zum Ausdruck kommt. Es gab Hinweise über Kassendifferenzen schon in den 90er Jahren.

Die Kassenleiterin war im Zuge einer Software-Umstellung in der Gemeindeverwaltung auffällig geworden, deren Volumen das wahrscheinlichere Volumen des Schadens abbilden dürfte: Zwei Mal 1,2 Millionen Euro bewegte Annemarie F. am 8. August 2008 – offenbar in dem panischen Bestreben, ihre Spuren im Buchungssystem der über Jahre ausgeplünderten Gemeinde zu verwischen.

Für die Gemeinde Harrislee eröffnet die Rechtskraft des Urteils jetzt die Möglichkeit, sich an ihrer Ex-Mitarbeiterin – so gut es eben geht – schadlos zu halten. Auf zivilrechtlichem Weg will Harrislee von Annemarie F. 1,5 Millionen Euro einklagen.

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