zur Navigation springen

Deutsch-dänisches Klinikprojekt : Ende eines Erfolgsmodells

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Strahlentherapie für dänische Patienten am St. Franziskus-Hospital seit Jahresbeginn nicht mehr möglich – jetzt laufen die letzten Behandlungen

Flensburg | Vom Erfolgs- zum Auslaufmodell: Im Flensburger St. Franziskus-Hospital geht spätestens Ende nächsten Monats nach 17 Jahren eine Ära grenzüberschreitender Zusammenarbeit zu Ende – ein empfindlicher Rückschlag für die Kooperation zwischen Deutschland und Dänemark auf medizinischem Terrain. Denn seit dem 31. Dezember werden keine neuen Patienten aus Nordschleswig mehr angenommen, sie müssen künftig nach Vejle ausweichen. Betroffen sind davon rund 200 Krebskranke aus der Region Sonderburg-Apenrade-Tondern-Hadersleben, die bislang pro Jahr ins Malteser Krankenhaus kamen. Dort werden derzeit die letzten Patienten aus Nordschleswig bestrahlt.

Hintergrund waren finanzielle Erwägungen: Die Aufkündigung der Zusammenarbeit war vom Regionsrat von Süddänemark im September letzten Jahres nach langwierigen Verhandlungen beschlossen worden, weil dadurch Einsparungen von 1,1, Millionen Kronen erzielt werden könnten. Aber obwohl über das „strahlende“ Grenz-Flaggschiff das Todesurteil verhängt wurde, ist das Thema dort immer noch aktuell. So äußerte sich der Vorsitzende der Region Sønderjylland  /  Schleswig, Hans Philip Tietje, der auch Regionsratsmitglied für die rechtsliberale Partei Venstre ist, ambivalent: Er habe die Entscheidung zwar verteidigt, aber gleichzeitig bedauert, dass Venstre keine Mehrheit im Regionsrat für eine Fortsetzung habe finden können.

Das stößt wiederum den Regionsgenossen sauer auf. Die weisen darauf hin, dass das Ende der Strahlentherapie in Flensburg Teil eines breit angelegten Haushaltsvergleichs für 2017 sei. Mehrfach sei von deutscher Seite angekündigt worden, auch Patienten zwecks Behandlung nach Tondern, Vejle oder gar Odense und Aarhus zu schicken. So hätte man die Zusammenarbeit finanziell stemmen können. Das jedoch sei nicht realisiert worden. „Die Deutschen bekamen ein ganzes Jahr, um dies in die Wege zu leiten. Aber es passierte nichts“, so die Regionsratsmitglieder Peter Christensen aus Hoyer und Karsten Uno Petersen aus Gredstedbro. Wenn man der Region von deutscher Seite entgegengekommen wäre, indem man Patienten – und damit auch Mittel – nach Dänemark geschickt hätte, wäre die Lage anders gewesen, meint auch die Regionsvorsitzende Stephanie Lose . „Man hätte deutsche Patienten in Tondern scannen oder nach Vejle zu Spezialbehandlungen schicken können. Dann hätten wir die vorgegebenen Einsparungen auffangen können“, bekräftigt die Venstre-Politikerin. „Wir hätten gern weitergemacht, aber ein gegenseitiger Austausch von Patienten war offenbar nicht möglich.“ Das Problem: Die deutschen Krankenkassen wollen Leistungen im dänischen Krankensystem nicht abrechnen.

2012 hatte der Regionsrat die Absprache mit Flensburg bis Ende 2016 verlängert. Doch schon im Herbst 2014 gerieten die Flensburger „Strahlen“ ins Visier der Sparpolitiker in Vejle. Das St. Franziskus-Hospital war dem Regionsrat im März 2016 und auch noch kurz vor der Budget-Entscheidung im September um ein paar Millionen Kronen entgegengekommen. „Für weniger Geld können wir es nicht machen“, so Geschäftsführer Klaus Deitmaring damals. Und zur Forderung nach Gegenseitigkeit meinte er: „Wir würden es uneingeschränkt begrüßen, wenn Krebspatienten aus Deutschland in Dänemark behandelt würden. Das wäre für uns und die Patienten ein wahrer Segen.“ Man habe seinerzeit einiges dafür getan, „damit Dänen bei uns in Flensburg behandelt werden können“.

Im Vertrauen auf eine langfristige Kooperation hatte die Klinik einen seiner drei Linearbeschleuniger erst 2015 angeschafft. Die Rede ist von einem nun zu erwartenden Minus von 20 Prozent im Bereich der Strahlentherapie. Gestern wollte die Krankenhausleitung sich auf Nachfrage unserer Zeitung dazu nicht erneut äußern.

Stephanie Lose betonte, sie habe einen engen Dialog sowohl mit der Klinik als auch mit der Kieler Europaministerin Anke Spoorendonk (SSW) und Sozialministerin Kristin Ahlheit (SPD) geführt. Aber man sei sich trotz der Verhandlungen nicht wesentlich nähergekommen. „Da kam nichts Neues auf den Tisch. Und so endete es dann.“ Das Thema werde immer noch diskutiert. „Aber die Entscheidung ist unumstößlich.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert