Städtebauförderung Flensburg : Ende des Dornröschenschlafs

Schauen der Sanierung zuversichtlich entgegen: Michael Krebs (l.) und Eiko Wenzel vor dem Hinterhaus Große Straße 73, das voraussichtlich 2016 saniert werden kann.
Schauen der Sanierung zuversichtlich entgegen: Michael Krebs (l.) und Eiko Wenzel vor dem Hinterhaus Große Straße 73, das voraussichtlich 2016 saniert werden kann.

Der Hof Große Straße 73 aus dem 17. Jahrhundert kann mit Bundesförderung saniert werden. Für eine Führung ist er am Tag der Städtebauförderung, 9. Mai geöffnet.

shz.de von
04. Mai 2015, 08:00 Uhr

Das Haus sieht aus, als hätten seine Erbauer damals keine Wasserwaage zur Hand gehabt. An den Außenwänden verlaufen Stromkabel, obwohl drinnen schon seit Jahren niemand mehr Strom braucht. Das Hinterhaus Große Straße 73 ist in einem erbärmlichen Zustand – aber durchaus erhaltenswert, wie Michael Krebs, ausgewiesener Experte für alte Flensburger Häuser, festgestellt hat. Das Hofensemble Große Straße 73/75 gehört zum Förderprojekt Deutsch-dänische Kulturachse, von dem Flensburg womöglich auch in einer Neuauflage profitieren wird.

Noch ist der Hof nicht öffentlich zugänglich. Am 9. Mai, dem Tag der Städtebauförderung, kann er jedoch im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Dann wird Eiko Wenzel vom städtischen Denkmalschutz fachkundig die baulichen Details des Fachwerkhauses aus dem 17. Jahrhundert erläutern. Die Jahreszahl 1724 vorn am Giebel steht nur für diesen, der rund hundert Jahre nach dem Bau des Hauses „neu“ davor gesetzt worden war.

„Das kleine Restaurant“ im Vorderhaus ist der einzige Langzeitmieter in dem Haus, das kürzlich durch eine Erbschaft in neue Hände gelangt ist. Wie teuer es wird, das Hinterhaus wieder bewohnbar zu machen, kann heute niemand sagen. „Wir haben relativ viel alte Bausubstanz gefunden, die man erhalten kann“, sagt Michael Krebs. „Deshalb wird es teuer.“ Das Ehepaar, dem das Haus gehört, geht nicht davon aus, dass es ein lohnendes Investment wird, ist aber trotzdem fest entschlossen, das Haus zu sanieren. „Das kann man doch nicht sich selbst überlassen“, sagt der neue Besitzer, ein Flensburger Kaufmann, „das muss erhalten bleiben!“

Finanzielle Unterstützung könnte es aus dem millionenschweren Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ geben, an dem Flensburg mit 1,6 Millionen Euro für die Deutsch-dänische Kulturachse partizipiert (wir berichteten). Aus elf Kaufmannshöfen, die für das Programm in Frage kamen, wurden fünf ausgesucht, darunter der in der Großen Straße 73. „Die Kaufmannshöfe stellen die Identität dieser Stadt dar“, betont Eiko Wenzel und konnte mit seinem Exposé die Experten in Berlin und Bonn (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung) offensichtlich überzeugen. Einige Höfe sind seit Jahren saniert und öffentlich zugänglich. Doch hinter einigen verschlossenen Toren schlummern Höfe und Häuser seit Jahrzehnten einen Dornröschenschlaf – „in einem sehr schlechten Zustand“, so Wenzel.

In diesem Monat soll die erforderliche Modernisierungsuntersuchung für den Hof Große Straße 73 ausgeschrieben und in Auftrag gegeben werden. Sie soll im Laufe des Jahres fertig werden, so dass im kommenden Jahr gebaut und saniert werden könnte.

Wann hier zuerst gebaut worden ist, lässt sich heute mit letzter Gewissheit nicht mehr sagen. Man hat einen Dachbalken gefunden, der von einem Baum stammt, der 1440 gefällt wurde. Bekannt ist weiterhin, dass in dem Hof einst eine Goldschmiede untergebracht war. Ein Fensterstock ist noch im Original erhalten; das gilt auch für die barocken schmiedeeisernen Aufhängungen der Fenster.

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