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SEK-Einsatz in Flensburg : Emotionaler Exzess endet mit Zwangseinweisung: „Der Mann ist nicht mehr bei sich“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schon länger leidet der 47-Jährige unter Drogensucht und Verwahrlosung – im Streit um Lärm griff er zur Waffe.

Flensburg | Ein weiß getünchtes Giebelhaus in der Schlossstraße. Aber kein Traumhaus. Zerrissene Vorhänge im ersten Stock, drinnen ein erbärmliches Chaos. Nazi-Parolen in Zimmer und Bad. Dort lebt B., ein 47-jähriger Flensburger, seit Oktober letzten Jahres in seiner ganz eigenen Welt. Psychopharmaka, Drogen, Alkohol. Am Donnerstag kam es zum emotionalen Exzess, der mit der Zwangseinweisung in die Psychiatrie zu Ende ging.

Das Haus liegt direkt neben der ehemaligen Paulus-Paulsen-Schule. Bis vor zwei Wochen noch lebten hier bis zu 80 Flüchtlinge. Eine Umzugskolonne räumt die letzten Möbel aus den Klassenzimmern, als plötzlich ein massives Polizeiaufgebot anrückt. Die Straße wird weiträumig abgesperrt. Zuvor ist bei der Leitstelle ein Notruf eingegangen. Ein Mann soll gegen 10.25 Uhr nach einem heftigen Streit eine Person mit einer Pistole bedroht haben. Es ist unklar, um was für eine Waffe es sich handelt. „Die Kollegen vor Ort haben das Sondereinsatzkommando angefordert“, sagt Polizeisprecherin Franziska Jurga. B. gilt als psychisch anfällig, hat bereits mehrere Polizeieinsätze ausgelöst. So soll er nach Informationen des Flensburger Tageblatts Ende August eine Matratze in seiner Wohnung angezündet haben.

Exklusive Zaungäste: Die Möbelpacker verfolgten die Festnahme in dem abgesperrten Terrain aus unmittelbarer Nähe.
Exklusive Zaungäste: Die Möbelpacker verfolgten die Festnahme in dem abgesperrten Terrain aus unmittelbarer Nähe. Foto: Dommasch
 

Zwei Stunden später kommt es zum Zugriff. „Wir sollten uns sofort ins Gebäude zurückziehen und die Köpfe drin behalten“, sagt einer der Möbelpacker. Die Beamten aus Kiel stürmen die Wohnung. Alles geht blitzschnell. „Sie sind reinmarschiert, haben ihn rausgeholt und waren auch schon wieder weg.“

Der Einsatz verläuft reibungslos. „Er hat sich gesperrt, aber keinen aktiven Widerstand geleistet“, sagt Jurga. In der Wohnung finden sich zwei Pistolen, eine Schreckschuss- und eine Softairwaffe. Der Festgenommene – ein schlaksiger großer Mann mit Baseball-Cap – wird dem Sozialpsychiatrischen Dienst vorgestellt, danach zwangseingewiesen.

Schwer bewaffnete Beamte aus Kiel rücken an: Wenig später haben sie den 47-Jährigen widerstandslos überwältigt.
Schwer bewaffnete Beamte aus Kiel rücken an: Wenig später haben sie den 47-Jährigen widerstandslos überwältigt. Foto: Benjamin Nolte
 

Hausverwalterin Barbara Rothenberg ist geschockt. Ihr Mieter, sagt sie, sei mit dem Hausmeister in Streit geraten, der gerade dabei war, eine zwangsgeräumte Wohnung im gleichen Haus zu entrümpeln. B. habe sich durch Lärm in seiner Ruhe gestört gefühlt und gedroht, von der Waffe Gebrauch zu machen, wenn nicht augenblicklich Ruhe einkehre. Der Hausmeister habe sich verbal verteidigt. Die Quittung erhielt er mit den Worten: „Wenn Sie nicht still sind, knall ich Sie ab.“ Er sei hochgradig aggressiv, sagt die Verwalterin, habe sie und Nachbarn mehrfach auf das Übelste beschimpft und an ihre Tür die Buchstaben NSDAP geschmiert. „Der Mann ist nicht mehr bei sich“, sagt Barbara Rothenberg. „Mit den Mietern hat man eben nicht immer Glück.“
 

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erstellt am 09.Dez.2016 | 07:19 Uhr

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