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Zeitung in der Schule : Elf Lazarett-Betten im Computerraum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ungewöhnliche Begegnung an der Hohlwegschule: 29 Viertklässler treffen Schüler aus der Vor-, Kriegs- und Nachkriegszeit.

shz.de von
erstellt am 12.Jun.2015 | 10:29 Uhr

Weil „Zeitung in der Schule“ und der 150. Geburtstag des Flensburger Tageblatts gerade zusammenfallen, haben die Viertklässler von Flensburgs ältester Grundschule sich etwas Besonderes einfallen lassen. Mit einem Aufruf im Tageblatt luden sie vier ehemalige Hohlwegschüler zu Schnack, Kaffee und Kuchen in ihre Klasse – die älteste Absolventin hatte die Schule seit 70 Jahren nicht mehr gesehen. Astrid Hummel (87) wurde 1934 an der Hohlwegschule eingeschult. Da war die Schule noch Volksschule – nach achtjähriger Schulzeit verließ sie die Schule mitten im Krieg. Auf dem Schulhof gab es damals noch eine große Fahnenstange.

Friedrich Nielsen (78) war gleich zweimal an der Hohlwegschule – zunächst ab 1947 unmittelbar nach dem Krieg, als das Gebäude an der Glücksburger Straße zur dänischen Jørgensby-Skole gehörte, mit 52 Kindern in einer Klasse – und dann nochmal 1970 , als er ein Jahr lang als Lehrer zurückkehrte.

Als Edith Petersen 1938 am „Norderhohlweg“ eingeschult wurde, stand der Krieg bereits vor der Tür. Sie erlebte mit, wie die Schule zum Lazarett wurde – elf Betten im heutigen Computerraum der Viertklässler. „Wenn Fliegeralarm war, mussten wir in den Luftschutzkeller“, erinnert sie sich. Das Beste daran: Wenn der Bombenalarm bis nach Mitternacht dauerte, mussten die Kinder statt um acht erst um zehn Uhr zur Schule.

Und Christiane Klemm (61) war von 1965 bis 1969 an der Hohlwegschule. Nach de Kurzschuljahren Mitte der 60er waren die Kinder von der St.-Jürgen-Schule (heute: Offener Kanal) an den Hohlweg umgeschult worden. Sie hat ihr Gesangs- und ein Kochbuch mitgebracht.

„Wir waren eine reine Mädchenklasse“, berichtet Edith Petersen. Das fanden erwartungsgemäß die Mädchen er 4a und der 4b „echt cool“. Nach dem Krieg seien die meisten Schüler zur dänischen Schule gewechselt – und in der Klasse seien plötzlich fast nur noch Vertriebene gewesen.

Die Viertklässler wollten nicht nur wissen, wie groß die Klassen damals waren, sie fragten auch, mit welchen Büchern und Heften man lernte – und welche Fächer es überhaupt gegeben habe? „Lesen, Schreiben, Rechnen, Hauswirtschaft – und Kochen in der Willy-Weber-Schule“, lautete die Antwort. Die Schüler lernten, dass die Schulbänke damals schräg waren, dass ab der vierten Klasse mit Feder und Tinte geschrieben wurde – und dass man sein Pausenbrot nur in der Pause essen durfte.

Und dann wollten die Ehemaligen wissen, welcher Unterricht denn heute ausfalle für das Treffen? „Gar keiner“, antwortete Berit Jakobsen. „Hier lernen die Schüler heute ganz viel.“

 

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