Eisvergnügen auf historischem Grund

<strong> Schlittschuhläufer  auf den kümmerlichen Resten</strong> eines mittelalterlichen Burggrabens. Foto: hjk
Schlittschuhläufer auf den kümmerlichen Resten eines mittelalterlichen Burggrabens. Foto: hjk

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29. Januar 2010, 07:17 Uhr

Steinberg | Viel Spaß haben derzeit die jungen Schlittschuhläufer auf einer kleinen Eisfläche in Steinberggaard. Kaum einer wird wissen, dass er seine Pirouetten auf den zugefrorenen Resten eines einstigen Burggrabens dreht.

Bernhard Asmussen, Vorsitzender des Angler Heimatvereins, kennt die Geschichte des adligen Gutes Steinberggaard. Es war einst von einem Burggraben umgeben. Die heutige Eisfläche bedeckt den kümmerlichen Rest. Das Gut, das vor über 500 Jahren nach seinem damaligen Besitzer Hartich Krummendiek auch "Krummesgaard" genannt wurde, ist auch längst verschwunden. Zweifelsohne war der alte "Hoff Stenberchgarde in dem Kerspele unde Dörpe Stenberge in Nüherde" angelegt worden. Das Anwesen hatte König Christian I. von Hinrich von dem Hagen gekauft und im Jahre 1470 an Hartwig Schinkel veräußert. Gegen 1500 war Steinberggaard wieder in den Besitz der Familie von Hagen gekommen, namentlich an Claus von dem Hagen auf Nübel, der im Jahre 1500 in der Dithmarscher Fehde fiel.

Die Steinberger Annalen geben weiter Auskunft: In den Jahren 1530 und 1549 wird Otto Sehestede tho Stenberge als Besitzer genannt. Spätestens 1564 aber ist der Hof weiter nach Osten hinunter in die Wiesen an die Lippingau verlegt worden und hat den Namen Oestergaard erhalten. Dort ereigneten sich kurz darauf dramatische Dinge, als Jacob Sehestede, "Erfgeseten tho Ostergaard" und seine Frau Lucia von seiner Schwester Christine mit Rattengift umgebracht wurden und es um 1576 zur Verbrennung von vier der "Zauberey" angeklagten Frauen und Männern kam. Auch die Mörderin starb kurz nach ihrer Hochzeit an einer Krankheit, "die abscheulich gewesen" sei.

Der alte Hof "Krummesgaard" hat noch viele Jahre als eine der Oestergaarder Hufen in Steinberg weiter bestanden. Der alte Platz ist längst eingeebnet, aber es ist überliefert, dass noch 1754 deutliche Spuren vom Hofgraben zu sehen waren und man alte Backsteine und verrostetes Eisen finden konnte.

Selbst heute noch, 250 Jahre später, sind die Gräben und Wälle des Hofes auf der Hauskoppel von Willy Henningsen (82) sichtbar. In einer kleinen Hölzung neben seinem Wohnhaus liegt versteckt eine erhöhte Stelle, auf der die mittelalterliche Turmhügelburg einst gestanden hat. Der Verlauf des Grabens um die so genannte Motte (nach dem französischen "la motte" für einen Erdaufwurf) ist noch heute an der Bodenverfärbung und an einer flachen Senke zu verfolgen.

In der Jugendzeit von Willy Henningsens Vater Nikolaus war ein Teil des Grabens noch vorhanden, in dem jedes Jahr Reet geschnitten wurde. Erst durch Anlage der Dränage ist das Reet eingegangen. Auch der Graben um die Wirtschaftsgebäude ist weiter nördlich noch deutlich zu erkennen, vor allem wenn sich dort eine kleine Überschwemmung bildet, die in strengen Wintern zum Schlittschuhlaufen einlädt.

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