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Flensburger Tageblatt

23. November 2017 | 14:05 Uhr

Flensburg : Einzelhandel: Engelsby rüstet auf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Versorgungszentrum an der Engelsbyer Straße wird ausgebaut. Tarups Stadtteilversorgung findet keine starke Lobby mehr.

shz.de von
erstellt am 01.Jun.2015 | 14:00 Uhr

Flensburg | Kaum ein Thema wird im Rathaus so kontrovers diskutiert wie der Einzelhandel und seine Verteilung im Stadtgebiet. Innenstadt, Citti-Park, Stadtteilzentren, Schleswiger Straße, Förde-Park: Zündstoff gab es in den zurückliegenden Jahren mehr als genug. Jetzt sorgte ein vergleichsweise unscheinbarer Antrag für eine kontroverse Diskussion im Umwelt- und Planungsausschuss: Der Discounter Aldi möchte seinen Laden an der Engelsbyer Straße erweitern.

Diese Erweiterung auf dann 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche steht im Einklang mit dem städtischen Einzelhandelskonzept. Aber letztlich vergrößert sie noch einmal das Gesamtangebot im gut versorgten Stadtteil Engelsby (7774 Einwohner), in dem es schon heute zwei so genannte Vollsortimenter (Edeka, Sky) und zwei Discounter (Aldi, Lidl) gibt; mit dem Famila-Komplex liegt zudem ein veritables Einkaufszentrum gleich hinter der Stadtteilgrenze in Mürwik. Im südlich angrenzenden Stadtteil Tarup (4317 Einwohner), immerhin einer der am schnellsten wachsenden Stadtteile Flensburgs, gibt es hingegen nichts außer einem kleinen Tante-Emma-Laden und einem Verkaufswagen mit NF-Kennzeichen.

Seit Jahren bemühen sich Bürgerinitiativen und Kommunalpolitiker um ein neues Einzelhandelsangebot im Viertel, nachdem der kleine Edeka-Laden an der Taruper Hauptstraße schon vor mehreren Jahren die Segel gestrichen hatte. Alle Bemühungen waren jedoch vergeblich: eine Initiative des Ex-Tarupers und aktuellen Grundstück-Besitzers Martin Aye, den Marktplatz als Shop-in-Shop-Center wiederzubeleben, ist verebbt, die üblichen Anbieter haben kein Interesse an dem Altstandort, weil er zu klein ist; für einen Neubau mit mehr Platz gibt es noch keinen Standort, auf den sich alle einigen können. Also fahren die meisten Taruper nach Engelsby zum Einkaufen.

Wenn dort jetzt Aldi größer wird, „schwinden die Chancen auf einen Einkaufsmarkt in Tarup noch weiter“, befürchtet WiF-Ratsherr Hubert Ambrosius. Es sei aber wichtig, dass dort ein besseres Einkaufsangebot angesiedelt werde, weil vor allem die älteren Einwohner oft nicht die Möglichkeiten hätten, mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren. Deshalb sei er gegen die Aldi-Erweiterung an der Engelsbyer Straße. Ähnlich argumentierte auch Pelle Hansen (Bündnis 90 / Die Grünen). „Engelsby hat schon heute über 100 Prozent Zentralität und greift Kaufkraft aus anderen Stadtteilen ab“ – zum Beispiel aus Tarup.

Doch letztlich setzten sich im Ausschuss die Bedenkenträger nicht durch. Der städtische Chefplaner Peter Schroeders erinnerte an das von der Ratsversammlung beschlossene Einzelhandelskonzept, das ausdrücklich eine Erweiterung in Engelsby erlaube. „Warum müssen wir diese Dinge immer aufs Neue diskutieren? Wozu machen wir denn überhaupt diese Konzepte?“, fragte er in Richtung Grüne und WiF,

Die Zustimmung fiel auch den Vertretern von CDU, SPD, SSW, FDP und Linken leichter, nachdem Ekkehard Krüger, Vorsitzender des Seniorenbeirates, nachdrücklich um einen besonderen Passus im Beschluss gebeten hatte: Aldi müsse bei einer Erweiterung seines Marktes eine Kundentoilette bauen, forderte er. Hier würden immerhin 1200 Kunden pro Tag einkaufen. „Wir wissen, dass es bei Aldi schwierig ist, diese Dinge durchzusetzen. Wenn Aldi sich hier quer stellt, dann bin ich für eine öffentliche Auslegung der Pläne.“

Stadtplanerin Claudia Takla Zehrfeld gelobte, bei den Verhandlungen mit dem Discounter auf diesem besonderen Punkt zu bestehen.

 

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