Stadtplanung in Flensburg : Einzelhandel bleibt lieber für sich

Flachbau in verdichteter Innenstadtlage: Trotz höherer Bebauung in der Nachbarschaft bleibt das Einkaufszentrum an der Werftstraße eingeschossig.
Flachbau in verdichteter Innenstadtlage: Trotz höherer Bebauung in der Nachbarschaft bleibt das Einkaufszentrum an der Werftstraße eingeschossig.

Kombination mit Wohnungsbau ist schwierig / Stadtteilzentren gehen großzügig mit knappen städtischen Flächen um

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22. Dezember 2017, 06:22 Uhr

95 561 Einwohner hatte Flensburg Ende letzter Woche – 1334 mehr als noch Silvester 2016. Bis 2025 braucht die Stadt 3880 zusätzliche Wohnungen. Deshalb wird an allen Ecken und Enden der Stadt gebaut, und zwar immer mehrgeschossig, um möglichst viele Wohnungen bei möglichst geringem Platzverbrauch zu erhalten. Baulücken werden geschlossen, Kleingartenkolonien aufgegeben. Eingeschossige Bebauung findet man so gut wie gar nicht mehr in der Stadt.

Mit einer Ausnahme: beim Bau von Einkaufszentren. Gerade erst wurde mit dem Bau eines Doppel-Supermarktes an der Hochfelder Landstraße begonnen. An der Werftstraße steht das Stadtteilzentrum Neustadt kurz vor der Fertigstellung. Am Twedter Plack ist gingen in jüngster Zeit ein neuer Edeka- und ein neuer Aldi-Markt an den Start, ebenfalls eingeschossig. Selbstverständlich gehört zu jedem Einkaufszentrum eine entsprechende Zahl an Parkplätzen, die in Flensburg auch nie überbaut werden, zum Beispiel mit zwei oder drei Geschossen für Wohnungen. Warum drängt die Stadt nicht darauf, auch in diesem Bereich der Stadtentwicklung ökonomisch mit den knappen Flächen umzugehen?

„Das versuchen wir“, sagt der Leiter der Stadtplanung, Peter Schoeders. „Zum Teil gelingt es uns auch, zum Beispiel in Teilbereichen am Twedter Plack.“ Funktioniert habe es auch im Stadtteilzentrum an der Mürwiker Straße auf dem alten PH-Gelände; da wurde zumindest zweigeschossig gebaut, mit Praxen und anderer gewerblicher Nutzung im Obergeschoss.

Doch grundsätzlich sei die „horizontale Nutzungstrennung“, wie es Schroeders nennt, „schwierig“. Letztlich könne man die Bauherren nicht zwingen. Sven Kleinschmidt, einer der Bauherren des Komplexes an der Werftstraße, sagt es deutlich: „Der Einzelhandel möchte keine Wohnbebauung in oberen Geschossen.“ Das störe das Geschäft.

Architekt Christoph Holt, der das Zentrum am Plack geplant hat, bringt die Spezialisierung der Investoren als Argument. Wer Wohnbebauung plant, meide Einzelhandel in seinem Objekt und umgekehrt. In Großstädten funktioniere die Kombination jedoch, und das sei nicht zuletzt ein Frage der Miethöhe.

Dazu komme, dass die Planung für die Werftstraße deutlich über zehn Jahre alt sei. „Damals, 2004 oder 2005, gab es diese sehr starke Tendenz zum Wohnungsbau noch nicht.“ Heute, so stellt Kleinschmidt klar, würde er das Thema anders angehen. Er plädiert dafür, vorhandene Flächen – auch schon gebaute – auszunutzen, bevor man alle Grünflächen zubaut. „Warum bauen wir nicht unsere Dachgeschosse aus?“

Keine Flachbauten für allein stehende Supermärkte soll es bei der Neuplanung rund um die Walzenmühle geben. Nach dem Umzug von Edeka und Aldi soll die freigeräumte Edeka-Fläche überplant werden. Das gilt auch für das Grundstück mit dem Lidl-Markt. In der Neustadt plane man mit einer Kombination als Einzelhandel und Wohnungsbau, erklärt Schroeders.

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