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Munketoft in Flensburg : Einsturzgefahr: SBV stoppt Abbruch

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Aufregung im Nachbarhaus der alten Schokoladenfabrik am Flensburger Munketoft: Das Bauordnungsamt sperrt die Balkone.

Flensburg | Am Freitag Nachmittag war schlagartig Schluss. Am Munketoft, wo der Selbsthilfe-Bauverein die alte Schokoladenfabrik abreißt, um ein Studentenwohnheim zu errichten, sind die Abbrucharbeiten eingestellt worden. Und zwar aus gutem Grund: Die Standsicherheit des Nachbargebäudes – das Eckhaus an Munketoft und Waitzstraße – ist nicht gewährleistet. Es besteht Einsturzgefahr. Jedenfalls teilweise.

Nach Angaben von SBV-Vorstand Jürgen Möller hatten die Abbrucharbeiten am Nachbarhaus Wirkungstreffer gezeigt. Das direkt an die Fabrik anschließende Gebäude sackte im Grenzbereich ab. Vorsorglich sicherte die Baukolonne des SBV nach Rücksprache mit der zuständigen Hausverwaltung und dem Bauordnungsamt die Balkone am Munketoft. Jetzt herrscht erst einmal Ruhe. Auf unbestimmte Zeit.

Ein Gedanke, mit dem sich Möller ganz und gar nicht wohl fühlt. „Wir haben einen sehr ehrgeizigen Zeitplan mit dem Wohnheim“, sagt er. „Zum nächsten Wintersemester 2014 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.“ Ob aber der Rohbau wie geplant noch vor dem Winter unter Dach und Fach gebracht werden kann, ist seit vergangenem Freitag fraglich.

Das Urteil der Sachverständigen steht natürlich noch aus. Doch die erste Begutachtung eines SBV-Statikers sorgte nicht unbedingt für entspannte Mienen in der SBV-Zentrale am Willi-Sander-Platz. „Anscheinend ist die Außenmauer des Hauses frei stehend und gar nicht mit dem Baukörper verbunden“, so Möller. „Nach unserem aktuellen Kenntnisstand können wir den weiteren Abbruch nicht verantworten. Die Außenwand könnte kippen, wenn wir das Fabrikgebäude komplett wegnehmen.“

Seit Freitag ist die Standsicherheit des Hauses Waitzstraße 28 auch ein Thema im Bauordnungsamt der Stadt. Mitarbeiter der Abbruchfirma seien im Bauordnungsamt erschienen und hätten erklärt, ihrer Einschätzung nach seien die rückwärtigen Balkone einsturzgefährdet, so Rathaussprecher Clemens Teschendorf. Vereinzelt seien dort Steine herausgefallen. Die Behörde verhängte ein Zutrittsverbot.

Zur Zeit sind Mitarbeiter des Bauordnungsamtes, Architekten und Statiker im Rathauskeller auf der Suche nach Bauplänen und Baugenehmigung des Eckhauses. „Die Pläne sollen für den weiteren Abbruch mehr Klarheit bringen“, sagt Teschendorf. „Das Haus wurde 1978 gebaut – sie liegen also etwas tiefer vergraben.“ Allerdings deute schon jetzt einiges darauf hin, das die Bauausführung wohl eher nachlässig gewesen ist. „Ganz grundsätzlich ist es im Baurecht so, dass ein Haus stehen bleiben muss – auch wenn das Nachbargebäude abgerissen wird. Hier scheint sich das Haus an den Nachbarn gelehnt zu haben. Die Dinge sind eindeutig nicht so, wie sie hätten sein sollen.“ Eine Gefährdung für die Bewohner sieht die Verwaltung gleichwohl nicht.

Die Hausverwaltung des betroffenen Gebäudes wollte zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Stellungnahme abgeben. „Wir prüfen das“, sagte ein Sprecher gestern. Das Mehrfamilienhaus gehört einer mehrköpfigen Eigentümergemeinschaft, die durch einen Verwaltungsbeirat vertreten wird. Die Entscheidungswege sind – zum Leidwesen des SBV – komplizierter als üblich. „Der Eigentümer wird nicht begeistert sein, aber er steht im Zugzwang“, so SBV-Vorstand Möller. „Wir können nur hoffen, dass es schnell weitergeht.“

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erstellt am 10.Sep.2013 | 08:00 Uhr

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