Flensburgerin hilft in Afrika : Einsatz im Kampf gegen die Cholera

Berichtet von Rebellenkämpfen, aber auch von Glücksmomenten: Die Flensburgerin Wencke Petersen hat sich in Kitchanga trotz angespannter Lage wohlgefühlt. Foto: dewanger
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Berichtet von Rebellenkämpfen, aber auch von Glücksmomenten: Die Flensburgerin Wencke Petersen hat sich in Kitchanga trotz angespannter Lage wohlgefühlt. Foto: dewanger

Ein Nordlicht in Zentralafrika: Wencke Petersen war als Logistikerin für die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" im Kongo

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18. August 2012, 08:31 Uhr

Flensburg | Wencke Petersen ist infiziert. Von Malaria, Cholera oder Gelbfieber blieb sie zwar verschont, doch das Virus, Menschen helfen zu wollen, die Hilfe brauchen, wird sie nach ihrem Einsatz für die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" in der Demokratischen Republik Kongo einfach nicht mehr los. "Ich habe mich absolut wohlgefühlt", sagt die Flensburgerin voller Euphorie - trotz Armut und Kriegszustand während ihrer neunmonatigen Arbeit in Zentralafrika, in einem Land, wo eine der gravierendsten humanitären Krisen weltweit herrscht.

Dabei fing alles gar nicht so vielversprechend an. Als die 39-Jährige im Sommer 2011 den ersehnten Brief von "Ärzte ohne Grenzen" öffnete und erfuhr, dass sie im Kongo gebraucht wird, brach sie nicht gerade in Freude aus, erinnert sich die gelernte Arzthelferin. Nach dem Logistik- und Krankenhausmanagement-Studium am Flensburger Campus hatte sie einen Job in der Diako angetreten, verspürte aber Fernweh. Aber ausgerechnet Kongo?

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Zahlreiche Impfungen, aber nur wenige Wochen später saß sie im Flieger, "total aufgeregt und gespannt" auf das, was sie 6500 Kilometer von ihrer Heimat entfernt in der kongolesischen 80 000 Einwohner-Stadt Kitchanga erwarten würde.

Kitchanga liegt in der Region Nord-Kivu im Osten des Landes, an der Grenze zu Ruanda. Die Kriminalitätsrate hoch, die Gefahr durch Rebellenkämpfe ständig präsent. Schüsse zu hören sei keine Seltenheit gewesen, berichtet Wencke Petersen. "18 Uhr war für uns absolute Sperrstunde, dann durfte man sich nur noch in der Unterkunft aufhalten. Außerhalb der Arbeitswege im Land herumreisen war zu gefährlich - aber ich hatte mich darauf eingestellt." Selbst sei sie zum Glück nie in brenzlige Situationen gekommen. Aber Meldungen wie "Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen im Kongo angegriffen" zur Zeit der Wahlen im November 2011 versetzten ihre Angehörigen in Deutschland wohl das ein oder andere Mal in Schockstarre.

Buchhaltung, Logistik und Personalwesen - so der auf den ersten Eindruck trockene Aufgabenbereich der Flensburgerin. "Medikamente und Material bestellen, lagern und dorthin bringen, wo sie benötigt werden" - das klingt schon greifbarer. "Die Arbeit im internationalen Team hat einfach riesig Spaß gemacht", erzählt sie. Die mitschwingende Begeisterung lässt daran keine Zweifel aufkommen. Trotz frustrierender Voraussetzungen. Das kongolesische Gesundheitssystem: in weiten Teilen völlig zusammengebrochen. Jeder zweite Todesfall geht auf unsauberes Trinkwasser, Mangel an Impfstoffen, unangemessene Behandlung von Fieber, Malaria oder Durchfallerkrankungen sowie Atemwegsinfektionen zurück, akute Mangelernährung ist weit verbreitet, schreibt das Auswärtige Amt.

Doch gerade das war für Wencke Petersen umso mehr Motivation. Zwei Gesundheitszentren in Nord-Kivu hat sie versorgt, in unmittelbarer Nähe von Flüchtlingscamps. "Problematisch war es, wenn Gefechte uns daran gehindert haben, Medikamente in einen Ort zu liefern", erinnert sie sich. Und dann waren da die schlimmen Vergewaltigungen, von denen ihr Frauen und Mädchen berichteten.

Als großen Erfolg hat Petersens Team zu verbuchen, einen Cholera-Ausbruch in den Griff bekommen zu haben. "Kleine Kinder, die meine Hand genommen haben, waren der schönste Dank", sagt sie. Diese Momente sind es wohl auch, die sie nach Abschluss ihres Kongo-Einsatzes nur für kurze Zeit an die Förde verweilen lassen. Im Herbst steht schon das nächste "Ärzte ohne Grenzen"-Projekt an. Im Tschad, Südsudan oder in Haiti. Denn es gebe noch so viel Neues zu lernen.

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