Naturschutzgebiet Twedter Feld : Einsatz für tierische Mähmaschinen

Allein unter Schnucken:  Schäferin Angela Dornis  beaufsichtigt ihre Schafe und Ziegen, die im Twedter Feld die Wiese mähen.  Foto: Michael staudt (2)
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Allein unter Schnucken: Schäferin Angela Dornis beaufsichtigt ihre Schafe und Ziegen, die im Twedter Feld die Wiese mähen. Foto: Michael staudt (2)

250 Schnucken und Ziegen sind noch gut eine Woche mit der Landschaftspflege im Naturschutzgebiet Twedter Feld beschäftigt

shz.de von
05. Juli 2012, 06:07 Uhr

Flensburg | Hannibal ist noch ziemlich beleidigt. Der Ziegenbock hat es nicht so gerne, wenn er im Lkw durch die Gegend kutschiert wird. Nun steht der heimliche Chef der 250 Tiere starken Herde aus Schnucken und Ziegen auf einer Wiese im Twedter Feld. Nur widerwillig lässt er sich von Schäferin Angela Dornis mit etwas Kohlrabi locken. "Er ist mein Liebling", sagt Dornis und streichelt ihn sanft. Hannibals Laune scheint sich zu bessern.

Die Herde von Dornis ist beim Pflegeeinsatz in dem Flensburger Naturschutzgebiet. Die seltenen, licht- und wärmebedürftigen Trocken- und Magerrasenbiotope in der Nähe des Flensburger Reit- und Fahrvereins sowie des Kiefernweges werden bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr beweidet. Ein drittes Mal soll die Aktion im September wiederholt werden.

Teilweise bilden die Schnucken richtige Formationen, mähen in Reih und Glied das Gras nieder. "Das ist einfach naturverträglicher und besser für die Entwicklung von Flora und Fauna, als Maschinen einzusetzen", sagt Dornis. Gerade diese sogenannten Offenlandbereiche sind Lebensraum für eine Vielzahl zum Teil extrem seltener Pflanzen- und Tierarten. Ziel der Beweidungsaktion ist es, das Biotop von Gehölzen freizuhalten und so den Bestand zu sichern.

Die nächsten sieben bis zehn Tage werden die tierischen Mähmaschinen im Einsatz sein. "Je nachdem, wie schnell und viel sie fressen", erklärt Dornis. Die 35-Jährige steht unter einer Pappel, lehnt sich an ihre Schüppe, den traditionellen Schäferstock. Sie betreibt Hüteschafhaltung. Das heißt, die Tiere werden im Gegensatz zur Deichschafhaltung nicht eingezäunt. Für die Beweidung eignet sich besonders die Schafrasse weiß-gehörnte Heideschnucke, die auch im Twedter Feld im Einsatz ist. "Sie sind die optimalen Landschaftspfleger", sagt Dornis. "Sie sind kleiner, zierlicher, kommen mit dem kargen Futter zurecht und sind sehr robust", so die Schäferin. "Schnucken sind eigentlich das ursprünglichere Schaf."

Während die Schnucken und die Ziegen in Ruhe grasen, lässt Angela Dornis keinesfalls die Gedanken schweifen. "Ich gucke mir die Tiere genau an. Und weil ich den ganzen Tag dabei bin, kann es nicht zu schweren Krankheitsausbrüchen kommen, weil ich sie sofort behandeln kann", erklärt sie. Auch müssten gerade junge Schafe einiges lernen, wenn sie in der Herde unterwegs sind. Lämmer kennen weder Weide noch die altdeutschen Hütehunde Benno und Judy. "Das ist für sie dann stressig, sie wollen abhauen." Doch wenn sie bei der Flucht den Hund spüren, der sie zurückdrängt oder sanft mit dem Maul packt, lernen sie , dass sie in der Herde Sicherheit haben.

Die gebürtige Baden-Württembergerin war schon in ihrer Kindheit vom Bild der durch die Landschaft ziehenden Schafherden fasziniert. Also machte sie eine Ausbildung zur Tierwirtin mit Schwerpunkt Schafhaltung. Als Hüteschäferin ist sie in Schleswig-Holstein mit den vielen Deichen eine Exotin. Mit ihrer Herde beweidet sie normalerweise von ihrem Stall in den Fröruper Bergen aus die obere Treenelandschaft. Neben den Sondereinsätzen seit ein paar Jahren im Twedter Feld ist Dornis mit ihren Schnucken auch in Süderbrarup und im Satruper Moor unterwegs.

Die Hütehunde Benno und Judy befolgen zwar jeden Befehl von Dornis, doch wenn andere freilaufende Hunde kommen, könnten sie als Bedrohung für die Herde gesehen werden. Die Stadtverwaltung weist daher darauf hin, dass Hunde im Naturschutzgebiet nur angeleint mitgeführt werden dürfen und das Gebiet nur auf den offiziellen Wegen betreten werden darf. Die Wege im westlichen Teil sollten während der Beweidungsphase möglichst nur ohne Hund betreten werden.

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