Flensburger Rathaus : Einmal Verbannung und zurück

Maren Reimann
Maren Reimann

Die Zwangsabordnung der ehemaligen TBZ-Chefin Maren Reimann ins Rathaus ist abgelaufen – jetzt winkt ein Beratungsjob.

shz.de von
04. Juli 2015, 08:15 Uhr

Zwei Jahre lang war Maren Reimann nach ihrer rätselhaften Abberufung als Geschäftsführerin des Technischen Betriebszentrums (TBZ) nahezu unsichtbar. Die Zeit ihrer Zwangsabordnung in den Fachbereich Entwicklung und Innovation verbrachte sie weitgehend unbeachtet und räumlich fern vom Fachbereich in einem stillen Büro im Rathausturm mit dem Verfassen von Beiträgen, die nach ihrem Entstehen spurlos irgendwo verschwanden. Von Projekten wie „Bewertung des Sanierungssondervermögens unter Gesichtspunkten der Doppik“ oder vom Mobilitätskonzept – Verkehrsentwicklungsplan hat man nie wieder etwas gehört. Jetzt geht es weiter. Mit neuen Aufgaben. Nach Ablauf der zweijährigen Abordnungsfrist muss die einstmalige Top-Beamtin wieder im TBZ weiterbeschäftigt werden.

Auf dem Papier sieht alles sehr stimmig aus. Der Verwaltungsrat segnete letzten Mittwoch eine Beschlussvorlage von TBZ-Geschäftsführer Heiko Ewen ab, der die hochqualifizierte Diplom-Ingenieurin als Beraterin der Geschäftsführung engagieren möchte. Ob der neue Job aber viel interessanter als der letzte wird, bleibt abzuwarten. Ewen will auf Details nicht eingehen. „Das ist intern“, sagt er auf Anfrage. Es gibt auch eine Stellenbeschreibung, aber auch die ist „intern“. Immerhin lässt sich Ewen entlocken, dass Reimann auf dieser Stelle „selbstständig, projektartig, konzeptionelle Aufgabenstellungen“ abarbeiten soll. Das klingt fast ein bisschen wie „Bewertung des Sanierungssondervermögens unter Gesichtspunkten der Doppik“ – also stark nach Beschäftigungsvorgaben, bei denen sich eine gestandene und gut bezahlte Bau-Ingenieurin ziemlich langweilen dürfte. Und zwar weit vom Schuss in ihrem vertrauten Büro im Rathaus. „Wir haben im TBZ leider im Moment keinen Platz“, sagt Ewen. „Wenn sich was ergibt, kann sich das ändern.“

Der TBZ-Personalrat musste sich – wie schon bei ihrer Abordnung vor zwei Jahren – auch bei ihrer Rückkehr mit der Aufgabenstellung für Reimann beschäftigen. Auch dieses Mal fiel der Arbeitgeber im ersten Anlauf mit seinen Vorstellungen durch, der Personalrat lehnte die Vorlage ab. Der TBZ-Geschäftsführer intervenierte daraufhin gemeinsam mit dem Verwaltungsratsvorsitzenden Arne Rüstemeier (CDU) und erreichte eine Sondersitzung des Gremiums. Was dort besprochen wurde, ist nicht bekannt. Bekannt ist lediglich, dass sich in der Arbeitnehmervertretung plötzlich eine Mehrheit für den Vorschlag des Arbeitgebers fand. Bekannt ist auch, dass der stellvertretende Personalratsvorsitzende danach sein Amt niederlegte. Druck, betont Ewen, wurde seitens des Arbeitgebers nicht ausgeübt. Es gab für den Personalrat noch Informationsbedarf, dem seien er und Rüstemeier nachgekommen.

Die Gründe, die 2013 zu Reimanns Abordnung führten, sind nie erklärt worden. Ihr Weg in die Verbannung war mit Lobeshymnen selbst ihrer Gegenspieler gepflastert, im TBZ galt die Chefin als außerordentlich beliebt. Verschwörungstheoretiker erwähnen gern eine zeitliche Kohärenz der Ereignisse. Anfang 2013 erklärten die Stadtwerke erstmals öffentlich ihren (noch immer kontrovers diskutierten) Anspruch auf die Übernahme des Kanalisationsnetzes aus dem Bestand des TBZ. Reimann als erklärte Gegnerin dieser Zusammenführung aller Netze in Stadtwerke-Hand verschwand wenige Monate danach in der Zwangsabordnung. Hoffentlich kein mahnendes Beispiel: Ewen vertritt in der Netz-Debatte die Position seiner Vorgängerin.

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