Einmal mit dem Wasserflieger abheben

Gut gelaunt: Heiko Harms im Cockpit des Beavers.
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Gut gelaunt: Heiko Harms im Cockpit des Beavers.

Mit bis zu 177 Stundenkilometern von der Marina Sonwik zur großen Ochseninsel und zurück

shz.de von
09. Juli 2013, 03:59 Uhr

Flensburg | Als Stadt an der Förde, Stadt der Brunnen und Bäche ist das Element Wasser in Flensburg seit jeher präsent. In der neuen Sommerserie nähert sich die Stadtredaktion dem Wasser aus unterschiedlichen Perspektiven zu unterschiedlichen Zeiten - einmal rund um die Uhr. Heute: Mit dem Wasserflieger über Flensburg.

17 Uhr, Sonnenschein, blauer Himmel und das Brummen des Propellers: Die DHC-2 Beaver liegt auf der Innenförde am Yachthafen Sonwik. Clipper Aviation bietet Flüge über Flensburg, die Förde und über die dänischen Ochseninseln an. Neben dem Piloten Enrico Kümmel haben in dem Wasserflugzeug bis zu vier weitere Personen Platz - jedenfalls dann, wenn sie gemeinsam das Gesamtgewicht von 330 Kilogramm nicht überschreiten. Nach dem morgendlichen Wettercheck prüft "Operations Manager" Michael Kieslich, ob alle Flüge wie geplant stattfinden können und wie viele Anmeldungen für den Tag schon eingegangen sind. Neben dem 17-Uhr-Start werden auch frühere Rundflüge angeboten. Zum ersten Mal hebt die 1956 erbaute DHC-2 Beaver um 11 Uhr ab. Der Flieger hat drei Tanks, die insgesamt 330 Liter fassen. Mit der Spannweite von über 14 Metern erreicht er eine Geschwindigkeit von rund 177 kmh.

Jetzt ist es also 17 Uhr, die Sonne scheint aus Richtung Innenstadt auf die Marina Sonwik. Es ist der letzte Flug des Tages. Das Flugzeug hat sein Fahrwerk eingefahren und liegt auf dem Wasser. Pilot Enrico Kümmel steht bereit. Nachdem alle Passagiere sicher in den Beaver geklettert sind und Kümmel beim Tower um Starterlaubnis gebeten hat, prüft er jeden der Knöpfe, Schalter und Anzeigen im Cockpit. Für einen Außenstehenden ziemlich viele. Nach einer genau festgelegten Reihenfolge testet Kümmel alle Funktionen. Er hat viele Jahre Flugerfahrung bei der Bundeswehr, da verlernt man auch als Zivilpilot nichts.

"Der Start im Wasser ist schon irgendwie anders als von einer asphaltierten Startbahn aus", sagt er. Trotzdem lässt er den Flieger, der eine Leistung von 450 PS hat, souverän vom Boden abheben. Aus dem Wasserflugzeug hat man jetzt eine perfekte Aussicht auf das Kraftfahrt-Bundesamt. Das Hochhaus der Bundesbehörde in Mürwik sieht jetzt klein wie eine Streichholzschachtel aus. Beim Anflug Richtung Dänemark steuert Kümmel direkt auf Annies Kiosk zu, "Hot Dog Havn" liegt dem Beaver jetzt zu Füßen.

Nach einiger Zeit kommt das Wasser immer näher, Enrico Kümmel setzt zur Wasserlandung an. Etwas holprig durch die Wellen, gleitet der Beaver nach einigen Metern ruhig über das tief blaue Gewässer. "Wenn wir auf dem Wasser sind, gelten wir als Motorboot", sagt Kümmel. Neben vielen Segelschiffen und Booten schlittert das Flugzeug nun über die Förde - vorbei an den Ochseninseln mit Sicht auf das hier beheimatete Restaurant "Oens Kro". Um 12 Uhr wird auch ein Flug angeboten, der den Passagieren auf der großen Ochseninsel einen Aufenthalt ermöglicht, berichtet Heiko Harms, ein weiterer Pilot des Beavers.

Es ist jetzt 17.31 Uhr. Enrico Kümmel hebt das Flugzeug erneut vom Wasser ab. Mit einem Bogen über die Förde fliegt er wieder über Mürwik ein, die mehr als 100 Jahre alte Marineschule und das nagelneue Verlagsgebäude des sh:z zu Füßen. Ziemlich klein ist der Anleger, an dem der Flieger landen wird, schon aus der Luft zu sehen. Mit leichter Schräglage verliert der Wasserflieger an Höhe und setzt zur Landung an. Am Hafen wird die DHC-2 Beaver von Schaulustigen begrüßt.

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