Schafflund : Einmal Kreistagsmitglied sein

Torge Lähn (l.) und Yves Lauke diskutieren über die richtigen Wege zur Integration.
Torge Lähn (l.) und Yves Lauke diskutieren über die richtigen Wege zur Integration.

Schafflunder Schüler waren im Rahmen einer Projektwoche zu Besuch in Schleswig

shz.de von
05. Juni 2018, 13:27 Uhr

Es war eine besondere Ehre für die Neuntklässlerin Luca Schmidt, den Platz des Kreispräsidenten einzunehmen. „Herzlichen Glückwunsch zu diesem Wahlergebnis“, gratulierte Kreispräsident Ulrich Brüggemeier und schob ihr das Mikrofon zurecht. Vor ihnen im Rund des Kreistages saßen Lucas rund 60 Mitschüler und warteten auf die Sitzungseröffnung ihrer Kreispräsidentin, die sie zuvor mit deutlicher Mehrheit gewählt hatten.

Das Prozedere von Wahlvorgängen hatten die Schüler in dieser Woche bereits mehrfach durchgespielt, denn bereits zum sechsten Mal fand in der Grund- und Gemeinschaftsschule Schafflund eine Projektwoche zum Thema „Politik vor Ort“ statt. An zwei Tagen standen die Auseinandersetzung mit den Wahlprogrammen der Parteien und die eigene Meinungsbildung auf dem Programm, es wurden Kandidaten aufgestellt und letztlich sowohl für eine Schafflunder Gemeindevertretung als auch für den Kreistag gewählt. An den darauf folgenden Tagen besuchten sie die Amtsverwaltung in Schafflund und den Landtag in Kiel.

„Es ist vorbildlich, dass die Schafflunder Schule diese Projektwoche durchführt“, sagte Brüggemeier und lud die Schüler zum Abschluss zu einem Planspiel im Kreistag ein. Als Vorlage für einen Beschluss lag den Schülern das Integrationskonzept des Kreises vor. „Was muss passieren, bis man alles stehen und liegen lässt – wie dreckig muss es einem gehen?“, führte Brüggemeier in die Thematik ein. Sylke Willig, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte beim Kreis, fragte in die Runde: „Was können wir tun, um diese Menschen gut zu integrieren?“ Die Schülerreaktionen blieben zunächst eher verhalten, aber Yves Lauke und Torge Lähn diskutierten lebhaft miteinander und meinten: „Eine Starthilfe für den Anfang ist gut, bis man alleine klarkommt.“ Nach einem halben Jahr müsste das der Fall sein. Maria Wild vertrat eine andere Auffassung: „Wenn ich aus irgendeinem Grunde mein Land verlassen müsste, würde ich mich auch über Hilfe freuen.“ Sylke Willig widersprach der Wunschvorstellung, die Flüchtlinge könnten – so wie wir – relativ schnell allein für sich sorgen: „Die Menschen brauchen auch Zeit, zu verstehen, wie das Leben hier funktioniert.“

Ein großes Hindernis sei die Sprache, worauf ein Schüler den Wunsch äußerte: „Man sollte früher Deutschunterricht erhalten, nicht ein ganzes Jahr warten müssen.“ Dem konnte die Kreistagsabgeordnete Karin Carstensen nur zustimmen: „Ich möchte auch, dass alles immer ein bisschen schneller geht.“ Doch die gesetzlichen Regelungen müssten eingehalten werden. „Das kostet Zeit“, meinte Brüggemeier.




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