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Fördeschiffahrt in Flensburg : Einigung mit Fallstricken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hafenkapitän: Deutsch-dänische Richtlinie für Sicherheitsstandards auf der Förde ist für die aktuellen Schiffe nicht zu erfüllen

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2017 | 11:37 Uhr

Es klang anfangs nach Erlösung, war es am Ende aber eher nicht. Die deutsch-dänische Einigung über die künftigen Standards im Personenverkehr auf der Flensburger Förde wurde vergangene Woche von Bundesverkehrsministerium und dänischer Seeverkehrsbehörde als Initialzündung für künftige neue Fährprojekte im Grenzverkehr bewertet. Aber auf lokaler Bühne wird die gemeinsame Absichtserklärung skeptisch gesehen. „Ich sehe außer der Feodora in Langballigau kein Schiff auf der Förde, dass diese Standards erfüllt“, sagt Flensburgs Hafenkapitän Frank Petry.

Nun ist die Flotte im Moment ohnehin sehr überschaubar. Im Bereich der Innenförde besteht sie aus der „MS Viking“ (Linienverkehr Flensburg-Glücksburg), der „Möwe“ (Rundfahrten Flensburg-Ochseninsel) und der „Flora II“ (Hafenrundfahrten). Auf der Wunschliste der Touristiker auf beiden Ufern stehen Anlegestellen in Kollund, Sønderhav, Egernsund und Brunsnis. Letzteres soll Anlaufpunkt für eine von Langballigau aus operierende Fahrradfähre sein. Aber die Schiffe, die hier anlegen werden, müssen wohl erst noch erst beschafft bzw. gebaut werden.

Die neue Vereinbarung setzt auf relativ frischen EU-Sicherheitsrichtlinien aus den Jahren 2006 und 2009 auf, die Standards für neue Binnenschiffe bzw. Seeschiffe auf Binnengewässern definieren. Den Betrieb von Fahrgastschiffen älterer Baujahre sichern innerhalb dieser Verordnung Ausnahmeregelungen mit Übergangsfristen, die – und das ist entscheidend – in diesem speziellen deutsch-dänischen Sonderfall nicht berücksichtigt werden dürfen. „Wer mit Ausnahmegenehmigung fährt, ist raus“, so Petry. Und mehr noch: Die Sicherheitsrichtlinie wurde für die Anwendung in der Flensburger Förde noch ein bisschen aufgerüstet. Laut Petry muss beispielsweise für jeden Passagier nicht nur je eine Schwimmweste, sondern auch je ein Platz in einer Rettungsinsel vorgehalten werden – und das ist nicht billig. „Wir haben diese Sicherheitsausrüstung für die Alexandra mit 180 genehmigten Fahrgästen geleast“, sagt Petry. Kostenpunkt jährlich: 10  000 Euro. Hinzu kommen Anforderungen an den Brandschutz, die auf älteren Schiffen zu realistischen Kosten kaum umgesetzt werden können. Für Frank Petry ist klar: Die Bedingungen der Vereinbarung sind für die aktuellen Fördeschiffe kaum zu erfüllen.

Die dänische Seite, die sich bis jetzt immer unerschütterlich auf die hohen Standards der internationalen Richtlinie Safety of Life at Sea (Solas) bezog, hat dieser Vereinbarung klar ihren Stempel aufgedrückt. Bezeichnend für Petry ist die Auflage, dass jeder Fährschiff-Kapitän vor Fahrtantritt sicherstellen muss, dass ein Schiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger einsatzbereit in der Nähe ist. „Das“, so Petry, „spiegelt die dänische Sicht.“

Gewiss: Das ist eine Enttäuschung für alle, die gehofft hatten, ab morgen ginge es auf dem Wasserweg wieder zu den Ochseninseln, nach Kollund oder nach „Hot-Dog-Harbour“. Frank Petry glaubt mittelfristig an eine Chance: „Es herrscht endlich Klarheit und Verbindlichkeit“, sagt er. „Wer immer sich ein taugliches Schiff anschaffen will, hat jetzt Planungssicherheit. Und die Kosten sind im Vergleich zu den vorherigen Anforderungen deutlich geringer.“

Unter anderem auch deshalb, weil Dänemark und Deutschland den ISPS-Code mit seinen aufwändigen Anti-Terror-Sicherungsanlagen an Land offenbar nicht anwenden wollen. Jedenfalls, so Petry, wird er mit keinem Wort erwähnt. Jetzt heißt es nur noch abwarten. Ein Schiff wird schon kommen.

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