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Dampf Rundum in Flensburg : Einem Traumprojekt geht der Dampf aus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Zu viel Stress“: Liebhaber Rolf Voss tauscht die Maschine seines Bootes gegen einen Motor aus

Dampf Rundum hin oder her – Rolf Voss wird beim Technik-Festival vom 6. bis 9. Juli mit seinem Dampfboot „Njord“ kein Wölkchen Dampf und keinen Krümel Ruß in die Luft über dem Hafen blasen. Obwohl er es gut könnte: Er hat ein Prachtexemplar von Dampfboot gebaut. Doch der Liebhaber betreut die Landfraktion bei dem Fest: die Besitzer von Dampfwalzen, Lokomobilen und weiteren dampfgetriebenen Landfahrzeugen, die während der drei Tage ihren Platz im Technikpark finden. Und wenn das Fest gefeiert ist, steht die Umrüstung bevor: Die „Njord“ verliert ihr Herz, die stattliche Dampfmaschine wird einen Motor erhalten.

Eigentlich sind es besondere Menschen, die ein Dampfboot über das Wasser steuern: Rolf Voss muss es wissen, da er selbst eines gebaut hat. Seit zwei Jahren fährt er seine „Njord“ mit der Zwei-Zylinder-Verbundmaschine und ihren 40 Pferdestärken über die Förde.

Angefangen hätte alles mit dem Film „Riddle of the Banks“, dessen Dampfboote bei Rolf Voss einen Traum geweckt hätten. 1999 traf er beim damaligen Dampf Rundum auf einen Engländer, der Hilfe bei der Reparatur seiner Dampfmaschine brauchte. Danach fasste der Ingenieur den Entschluss zum Bau eines Dampfbootes. Die nächsten sechs Jahre verbrachte er mit dem Einrichten einer Werkstatt, für die selbst Türen und Garten umgebaut werden mussten. Die notwendige Unterstützung seiner Frau sicherte Voss sich auf einer Dampferfahrt von Rostock nach Wismar, bei der auch sie angesteckt wurde. Voss begann mit dem Gießen des Kessels und arbeitete den Rumpf auf.

„Dampfbootfahren ist wie in der Sauna sitzen und 200-Euro-Scheine zerreißen“, grinst Voss und erklärt, er habe deshalb zwei weitere Kessel gegossen und die verkauft. So konnten fast die gesamten Kosten für den Bau des gepflegten Bootes abgedeckt werden.

Zehn Jahre hat es gedauert, bis die „Njord“ ihre Jungfernfahrt antreten konnte.

Aber jetzt – aus der Traum. Das Fahren sei sehr anstrengend, schildert Voss, da der Druck im Kessel schnell zum Sicherheitsrisiko werden könne, wenn die Maschine nicht ordentlich und ständig bedient werde: „Augen und Hände müssen ständig überall sein!“ Die Pflege sei sehr anspruchsvoll und zeitintensiv. Deshalb will der Bootsbauer die Dampfmaschine ausbauen und durch einen Elektromotor ersetzt, angetrieben durch einen Diesel mit Generator. „Dann kann ich mir auch mal eine Pfeife anstecken“, lacht Voss. Außerdem habe es sich gezeigt, dass er das Projekt Dampfboot bewältigen könne. Jetzt freue er sich sehr, in den nächsten Monaten das schöne Wetter mit der „Njord“ zu genießen.

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erstellt am 20.Jun.2017 | 08:31 Uhr

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