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Jüdische Gemeinde Flensburg : Eine Thora-Rolle mit Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die feierliche Übergabe ist Auftakt und Höhepunkt der jüdischen Kulturtage in Flensburg. Leonard Wien jr. ließ alte Thora-Rollen in den USA restaurieren. Mit dem Thora-Schreiber Steve Karro aus Miami wird Wien die Einbringung am 21. Oktober begleiten.

Von Fürth in Bayern über Miami in Florida nach Flensburg führt der Weg einer historischen Thora-Rolle, die an der Förde ein neues Zuhause erhält: Sie wurde von einem amerikanischen Unternehmer zum Gedenken an seine im Holocaust ermordeten Familienmitglieder restauriert und der jüdischen Gemeinde Flensburg zum Geschenk gemacht. Die feierliche Einbringung der Thora-Rolle am Dienstag, 21. Oktober, wird Beginn und zugleich Höhepunkt der jüdischen Kulturtage sein, mit denen die Gemeinde erneut an die Öffentlichkeit tritt. Ihr Vorstand informierte die Presse gestern im Gemeindezentrum an der Toosbüystraße über das Programm. Gleichzeitig feiert die Gemeinde gut 20 Jahre nach Beginn der jüdischen Zuwanderung aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ihr 15-jähriges Bestehen.

Die neue, alte Thora-Rolle, die in Flensburg eine Wiedergeburt erlebt, ist ein Kultusgegenstand mit einer ungewöhnlichen Geschichte. Sie stammt aus Fürth, das einst als das „fränkische Jerusalem“ galt und im 18. Jahrhundert eine der spirituellen Hauptstädte des europäischen Judentums war. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde auch die jüdische Gemeinschaft in Fürth, die über eine Reihe von Synagogen mit zahlreichen Thora-Rollen verfügte, vollständig ausgelöscht. Einige Thora-Rollen wurden vor der Zerstörung bewahrt, indem sie vergraben wurden. Nach dem Krieg wurden sie zwar wieder geborgen, doch hatten sie im Versteck stark gelitten und waren dadurch für den Gottesdienst unbrauchbar geworden.

Leonard Wien jr., Sohn von Holocaust-Überlebenden, ergriff die Initiative und sorgt mit seinem „Thora-Project“, wie er es selbst nennt, dafür, dass mehrere dieser Rollen nach und nach in den USA restauriert werden, um sie dann besonders rührigen jüdische Gemeinden in Deutschland zu stiften. Wien und der Thora-Schreiber Steve Karro aus Miami werden am 21. Oktober eigens nach Flensburg kommen, um an der Einbringung der Rolle mitzuwirken. Sie wird ab 15.30 Uhr unter einem Baldachin und mit musikalischer Begleitung von Flensborghus durch die Norderstraße ins Gemeindezentrum in der Toosbüystraße getragen und dort ihrer Bestimmung übergeben. Der Gemeinde stehen dann zwei Rollen für ihre Gottesdienste zur Verfügung.

Fortgesetzt wird das Programm der Kulturtage am Mittwoch, 22. Oktober, um 19.30 Uhr im Saal der jüdischen Gemeinde, Toosbüystraße 7, in Kooperation mit der Flensburger Gesellschaft der Freunde Israels mit einem Vortrags- und Gesprächsabend zum Thema „Der Nahost-Konflikt aus der Perspektive des Staates Israel“. Referent ist Sergei Tcherniak, Repräsentant von Keren Hayesod in Berlin, einer Organisation, die weltweit Spenden sammelt, um humanitäre und entwicklungspolitische Projekte in Israel zu fördern.

Am Freitag, 24. Oktober, wird eine Stadtführung unter dem Motto „Auf den Spuren der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart in Flensburg“ angeboten. Die Teilnehmer treffen sich um 10 Uhr an der Touristinformation in der Roten Straße. „Schnee von gestern“ heißt der Titel eines Films über zwei jüdische Geschwister, die nach dem Zweiten Weltkrieg in dem Glauben weiterlebten, keine überlebende Familie mehr zu haben. Diese Dokumentation wird am Sonntag, 26. Oktober, und am Sonntag, 2. November, jeweils um 13.30 Uhr im 51-Stufen-Kino gezeigt.

Am Montag, 27. Oktober, 14 Uhr, lädt die jüdische Gemeinde in ihr Gemeindezentrum zu einem Workshop ein, in dem israelische Tänze präsentiert und gemeinsam einstudiert werden. Am Dienstag, 28. Oktober, 15 Uhr, wird sich die Gemeinde interessierten Besuchern vorstellen. Diese Informationsveranstaltung steht unter dem Motto „Reise zu den Religionen“.

Zu Ende gehen die Kulturtage am Mittwoch, 29. Oktober, mit einem Konzert der „Drei Kantoren“ aus Berlin, das um 18 Uhr in der Duborg-Skolen beginnt. Präsentiert werden Zeiten und Stile der jüdischen und israelischen Musik.

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