zur Navigation springen

Theater in Flensburg : Eine Stimme für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Rosana Trautrims hat mit Afghanen, Iranern, Syrern und Deutschen ein Stück inszeniert – auf Einladung der Polizei zeigt sie es morgen in Flensburg

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2017 | 10:45 Uhr

Alis Geschichte allein bietet schon Stoff für ein Drama: Als er drei ist, löscht die Taliban seine Familie aus, weil sie einer verfolgten Minderheit angehört. Nur weil er gerade bei den Nachbarn ist, bleibt er am Leben. Die Familie nimmt ihn auf und flieht gemeinsam in den Iran. Dort werden Afghanen diskriminiert. Ali geht nicht zur Schule, sein Pflegevater bezahlt die Gebühr nur für seine leiblichen Kinder. Der Junge findet aber einen Job in einer Fabrik und schläft dort auf dem Boden, aus Panik, auf der Straße aufgegriffen zu werden. Ihm droht mindestens die Abschiebung, er flieht nach Europa und landet in Schleswig-Holstein.

Hier hat Rosana Trautrims Ali kennen gelernt; irgendwann habe er sich ihr anvertraut und gesagt: „Ich möchte eine Familie, eine Mama.“ Tatsächlich lebt der 18-Jährige jetzt in einer Familie, die jederzeit für ihn da ist.

Alis Geschichte findet sich in dem Theaterstück „Wo Licht ist, ist auch Schatten“ wieder. Die UTS-Theatergruppe „Szol Ha“ ist damit am Freitag in Flensburg zu Gast. Rosana Trautrims hat in ihrer Heimat Brasilien früher selbst Theater gespielt, erzählt die 45-Jährige, die von Beruf Psychotherapeutin ist. Vor zwölf Jahren kam sie nach Deutschland. Rosana Trautrims arbeitet für den Verein „Umwelt Technik Soziales“ (UTS) und „seit langem mit Flüchtlingen“. Diese kommen oft ganz allein in die Fremde, verstehen die Kultur nicht, berichten von ihren Schicksalen, zählt die Brasilianerin empathisch auf. „Ich bin kein passiver Mensch“, erklärt sie und beschloss: „Wir sollten das erzählen.“ Ihre Schützlinge stimmten zu. Das kooperative Theaterprojekt von und mit Flüchtlingen trägt den Namen „Szol Ha“, das ist Paschtu und bedeutet Frieden. Im ersten Theaterstück „Der lange Weg in die Freiheit und zurück!“ sagte Trautrims noch: „Wir schützen uns hinter einem anderen Namen“ und wollte die Namen ihrer Schauspieler ändern. Doch die Geflüchteten fragten: Warum? Und jeder einzelne sagte: „Ich schäme mich nicht.“ Die meisten der rund 20 Menschen aus vielen Ländern der Welt seien inzwischen in andere Städte gezogen, etwa zum Studieren, erzählt Rosana Trautrims. Das Landestheater, das sie seinerzeit um Tipps gebeten hatte, half sofort, stellte den Probenraum. Theaterpädagoge Konrad Schulze hat jetzt unter anderem Regie geführt.

Im ersten Stück liegt die Antwort, warum „Szol Ha“ morgen in Flensburg auf Einladung der Polizeidirektion, des Kriminalpräventiven Rates und des Rotary Clubs auftritt. Ulrik Damitz, Bereichsleiter der Polizeidirektion Flensburg, saß nämlich im Publikum. Er erlebte „das große dynamische Heulen“ mit und anrührende Szenen auf Arabisch, die kaum jemand wörtlich verstand, aber mitfühlen konnte. „Das müssen unsere Kollegen sehen“, sagte sich Damitz. Die Polizei gehe zum Beispiel in Unterkünfte, um Flüchtlingen bestimmte Gepflogenheiten „spielerisch darzustellen“. Er trug die Idee in die zahlreichen Gremien, denen er angehört. Der Polizist bezeichnet sich selbst als sehr kritisch und wählerisch, gerade bei Kunst und Musik. Doch von den Darstellungen des Stücks der „Szol Ha“-Gruppe sei er sofort beeindruckt gewesen, erinnert er sich.

Diese ist schon mit dem Deutschen Bürgerpreis ausgezeichnet worden. Und auf Tour in mehreren Städten gewesen. „Sie laden uns ein, und wir kommen“, sagt Rosana Trautrims und freut sich über die Resonanz. Sie wolle Flüchtlingen damit eine Stimme geben.

„Wo Licht ist, ist auch Schatten“, von „Szol Ha“, am Freitag, 17. Februar, 19 Uhr in der Oase, Treffpunkt Mürwik, Kielseng 30. Der Eintritt ist frei, um Spenden für das Theaterprojekt wird gebeten.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen