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Flensburger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 21:24 Uhr

Frauen in der Feuerwehr : Eine starke Minderheit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Flensburg sind 31 der 187 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr weiblich. Kameradin Kerrin Wintschel-Peisker erzählt, warum sie sich dafür entschieden hat.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2014 | 19:15 Uhr

Kerrin Wintschel-Peisker gehört in Flensburg zu einer Minderheit – die 35-jährige Krankenschwester ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und gehört damit zu den 17 Prozent Frauen, die dieses Ehrenamt in Flensburg ausüben. Ausgegrenzt fühlt sie sich deshalb keineswegs: „Ganz im Gegenteil, ich wurde mit offenen Armen empfangen, gerade weil ich eine Frau bin.“ Mit 18 Jahren ist sie über eine Freundin zur Feuerwehr gekommen und mittlerweile seit 17 Jahre dabei. In ihrem Löschzug in Engelsby sind Frauen ungewöhnlich stark vertreten: Unter den 50 Aktiven sind 9 weiblich.

Kerrin Wintschel-Peisker schätzt bei der Feuerwehr vor allem die Kameradschaft. „Das ist wie ein Hobby, wir treffen uns jeden Freitag zum Dienst und üben dann so lange wie es geht draußen den Ernstfall.“ Frauen würden in Engelsby sogar Führungspositionen bekleiden – und einige nähmen auch am körperlich anspruchsvollen Atemschutzlehrgang teil. Wenn die 35-Jährige doch mal körperlich an ihre Grenzen kommt, etwa weil sie relativ klein ist und den B-Schlauch ganz oben im Fahrzeug nicht erreichen kann, springen ihre Kameraden ein, ohne zu fragen. „Das ist hier eine wirklich feste Gemeinschaft – egal ob Mann oder Frau – schließlich gehen wir auch gemeinsam ins Feuer und müssen uns aufeinander verlassen können.“

Einige Einsätze würden aber auch bei den Feuerwehrleuten an die Substanz gehen. „Vor eineinhalb Jahren hatten wir zum Beispiel einen Einsatz in einem Einfamilienhaus am Kiefernweg. Da wurden die Bewohner verletzt, das war schon schlimm für uns und viele mussten lange daran knabbern. Andererseits denke ich nach solchen Einsätzen, wie gut es ist, dass es die Freiwillige Feuerwehr gibt. Sonst hätte noch viel mehr passieren können.“

Da stellt sich die Frage, warum sich nur so wenige Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren. An der Jugendarbeit kann es nicht liegen – in Flensburg besteht die Jugendfeuerwehr etwa zu 35 Prozent aus Mädchen. Erst mit Mitte Zwanzig steigen dann viele aus. Warum das so ist, da kann auch Stadtwehrführer Jürgen Sievers nur Vermutungen anstellen: „Vielleicht haben sie andere Interessen, der Freund spielt eine Rolle, oder vielleicht auch ein bisschen das alte Rollenverständnis, wenn eine Familie gegründet wird. Einige wechseln sicherlich auch die Stadt.“

Kerrin Wintschel-Peisker sieht keinen Konflikt zwischen ihrem Engagement bei der Feuerwehr und der Familie: „Wir haben ja sowieso erst nach 18 Uhr Einsätze und dann ist mein Partner zuhause, um auf unser Kind aufzupassen. Und im Notfall wissen auch meine Freunde Bescheid und springen ein.“ Dass die Freiwillige Feuerwehr nur abends und am Wochenende zu Einsätzen ausrücken muss, liegt daran, dass Flensburg eine Berufsfeuerwehr hat. Wenn es sich nicht um ein Großfeuer handelt, muss die Freiwillige Feuerwehr erst nach 18 Uhr oder am Wochenende ausrücken. Insgesamt haben die sechs Freiwilligen Feuerwehren in Flensburg bis zu 250 Einsätze im Jahr. 2013 waren es 416 – wegen der Stürme Christian und Xaver. Dazu kommen wöchentliche Übungen.

Im Vergleich zu vielen Feuerwehren auf dem Land, die häufig Nachwuchssorgen haben, geht es den Freiwilligen Feuerwehr in Flensburg verhältnismäßig gut, sagt Stadtwehrführer Jürgen Sievers. Die sechs freiwilligen Wehren im Stadtgebiet haben insgesamt 187 aktive Feuerwehrleute – und zusätzlich noch 102 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr, so dass der Nachwuchs eigentlich gesichert sein sollte.

Frauenmangel gibt es übrigens nicht nur in der Freiwilligen Feuerwehr Flensburg. Im ganzen Bundesland sieht die Situation ähnlich oder sogar noch schlechter aus. Dabei glaubt Mark Rücker, Wehrführer im Kreis Schleswig-Flensburg, dass Frauen vielleicht ein großes Problem der Feuerwehr auf dem Land lösen könnten: Heutzutage arbeiten die meisten Leute, die auf dem Land leben, in Städten. Deshalb sind die meisten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr auf den Dörfern tagsüber unterwegs und stehen im Notfall nicht zur Verfügung. Nicht berufstätige Frauen könnten diese Lücke füllen, denkt Rücker, „aber dann müsste man eine Lösung für die Kinderbetreuung im Einsatzfall finden.“

Die Berufsfeuerwehr hat gerade neue Anwärter zum hauptamtlichen Brandmeister eingeladen und Feuerwehrleiter Carsten Herzog konnte seine vier Kandidaten aus 200 Bewerbern aussuchen. Herzog: „Wir würden gerne mehr Frauen einstellen und hatten dieses Mal fünf Bewerberinnen, die die Voraussetzungen erfüllten, eingeladen – aber keine einzige ist erschienen.“ Unter den 80 hauptamtlichen Feuerwehrmännern gibt es derzeit keine einzige Feuerwehrfrau. Die letzte ist nach Hamburg gezogen – der Liebe wegen.


>www.ff-flensburg.de

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