zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 13:01 Uhr

Science-Slam : Eine Städtereise mit Bettwanzen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim ersten Flenburger Science Slam erleben fast 200 Gäste ungewöhnliche Forscherperspektiven.

shz.de von
erstellt am 18.Jan.2016 | 11:00 Uhr

Flensburg | Sollte es ein Test gewesen, dürfte er als grandioser Erfolg in die mehr als 20-jährige Geschichte der Phänomenta eingehen: Am Freitagabend drängelten sich fast 200 Interessierte zum ersten Science Slam in den Erweiterungsbau des Science-Centers am Nordertor.

Science Slam? „Das ist ein Wettstreit junger Wissenschaftler, die ihr Fachgebiet in maximal zehn Minuten möglichst verständlich und unterhaltsam der Öffentlichkeit vorstellen möchten“, erklärte der aus Berlin angereiste Moderator und Biophysiker André Lampe („Alkohol ist keine Lösung, sondern ein Destillat“) den Gästen. Erster Flensburger Science Slam? Genau genommen hatte es zum Phänomenta-Geburtstag im September bereits eine Vorpremiere gegeben, deren Resonanz mit 50 Fans noch etwas zurückhaltender ausgefallen war. Nun haben sich Phänomenta-Chef Achim Englert und seine Mitstreiter in den Kopf gesetzt, diesen Wettbewerb am Hochschulstandort Flensburg zu etablieren. Für den Sommer ist schon eine Fortsetzung geplant.

Die Voraussetzungen sind denkbar gut. Das Kühlhaus hat für den irgendwie verwandten Poetry Slam (nächste Ausgabe 13. Februar) bereits eine begeisterte und weiter wachsende Fangemeinde gezüchtet. Denn Science Slam ist wie Poetry Slam, nur mit Forschung und ohne Endreim.

Und was reizt einen jungen Wissenschaftler, an solchen Wettbewerben teilzunehmen? Für den Hamburger Physiker Michael Büker (29), einen der fünf Wettstreiter vom Freitagabend, ist es nicht nur der Reiz, die eigene Wissenschaft, in diesem Fall Atomphysik und Friedensforschung, in möglichst saloppen Sätzen verständlich, aber trotzdem korrekt rüberzubringen, und dabei noch das eigene Forschungsgebiet bekannt zu machen: „Es hat mir tatsächlich geholfen, meinen eigentlichen Beruf zu finden“, sagt Büker, der jetzt in der Wissenschaftskommunikation arbeitet. Und die einzige Frau und Lokalmatadorin im Starterfeld, Inga Marie Ramcke von der Europa-Uni, berichtet, dass sie Didaktik mag - da ist der Drang, etwas davon weiterzugeben, nicht fern. Volkswirtin Ramcke promoviert interdisziplinär irgendwo zwischen Energiewissenschaft bei Olav Hohmeyer und Biologie-Didaktik bei Andreas Christian.

Was dabei beim Science Slam herauskommt? Storytelling mit Handpuppen für Grundschüler – oder ohne Handpuppen als Reiseführer für Tiere, von der Städtereise mit Bettwanzen bis zum Flugurlaub mit Küstenseeschwalben. Gewonnen hat am Ende aber ein Migrant unter den Vortragenden: Der Österreicher Andreas Ofenbauer überzeugte die zehn Jury-Gruppen im Publikum mit witzig-lässigem Vortrag in seinem Fachgebiet Biomedizin und seiner Aschenbrödelmaschine („70 Prozent der Wurmgene gibt es auch beim Menschen“). Er durfte als ersten Preis das Titanic-Modell mit Kerzenantrieb mit nach Hause nehmen. Ob es beim Einsatz automatisch untergeht, wird er vielleicht beim nächsten Slam berichten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen