Stadtwerke Flensburg : Eine Stadt auf der Überholspur: Flensburg baut flächendeckendes Glasfasernetz aus

Schnelle Kabel: Blick in den Glasfaser-Verteiler bei den Stadtwerken.
Schnelle Kabel: Blick in den Glasfaser-Verteiler bei den Stadtwerken.

Der Ausbau in den Städten ist noch schwieriger als auf dem Land. Flensburg nimmt in SH eine Vorreiterrolle ein.

shz.de von
16. Januar 2018, 06:40 Uhr

Flensburg | Gut ein Jahr ist seit dem Startschuss vergangen, und schon jetzt zeigt sich: Die Glasfaser-Offensive der Stadtwerke ist ein landesweit einmaliges Erfolgsmodell. Auf dem Weg zur flächendeckenden Versorgung Flensburgs mit der schnellen Leitung für Internet und Telefon bis 2025 hat die kommunale Tochter gut vorgelegt. „Wir haben in fünf Ausbaugebieten das Kabel in 5000 Häuser gelegt bei einer 50-prozentigen Vertragsquote. Das ist enorm“, freut sich Ulla Meixner, Geschäftsbereichsleiterin Telekommunikation an der Batteriestraße.

Das digitale Entwicklungsland Deutschland gibt es im Norden nicht. Flensburg ist die einzige große Stadt im Lande, die ein geschlossenes Glasfasernetz aufbaut. „Es mag kurios erscheinen“, sagt Meixner. „Aber anders als befürchtet, ist nicht die Fläche das Problem, sondern die Ballungsräume.“

Das hat mit der Förderung zu tun. Bund und Land haben viel Geld in die Hand genommen um den ländlichen Raum zu entwickeln. Gefördert werden dort die Gebiete, die nicht mit den von der Breitbandinitiative des Verkehrsministeriums versprochenen 50 Megabit versorgt werden können. Das ist in den Städten nur selten notwendig. Hier sichert die bestehende Netzstruktur aus Kupferkabeln dieses bescheidene Minimalziel. Wer modernisieren will, kommt nicht an die Fördertöpfe. „Da sind die Anreize außerordentlich gering“, so Meixner.

Die Stadtwerke haben es trotzdem getan. Es ist die feste Überzeugung Meixners, dass kommunale Töchter für diese Aufgabe am besten geeignet sind. „Bei der Telekom muss sich eine Investition in acht Jahren amortisiert haben. Wir haben da viel mehr Zeit.“ Andere Städte warten noch ab. „Für schnelle Glasfaser fühlt sich offenbar niemand so richtig in der Pflicht“, ist die Beobachtung der Geschäftsführerin.

In den Stadtteilen Tarup, Engelsby, Klues, Sünderup-Hochfeld-Groß-Tarup und der Gartenstadt Weiche ist die Glasfaser bereits an der Hauswand bzw. wird gerade verlegt. Peelwatt mit seinen 200 Haushalten und dem neuen Gewerbegebiet ist als nächstes dran, im April geht es mit dem ersten Abschnitt der Westlichen Höhe weiter. Hier sind 5000 Haushalte im Umfeld des Stadtparks betroffen, die weiteren Gebiete will die städtische Tochter erst dann festlegen.

Bislang lief es sehr gut für die Stadtwerke. „Das Netz läuft stabil, wir hatten keine Störung – lediglich bei den Diensten hat es es anfangs ein bisschen geruckelt“, so Meixner, die ihren Mitarbeiterstab seit Arbeitsbeginn vor zwei Jahren von eins, nämlich der Chefin, auf 18 Personen gebracht hat. „Darunter sind die Hälfte Neueinstellungen“, freut sie sich.

Für dieses Jahr will Meixner noch am Angebot feilen. Im Fadenkreuz sind die Unternehmen der Wohnungswirtschaft mit einer TV-Grundversorgung, die Glasfaserkunden sollen bald auch auf das IP-Fernsehen mit seinen Möglichkeiten (HDTV, Video on Demand, zeitversetztes Fernsehen etc.) zugreifen können, eine Flensburger Daten-Cloud ist in Vorbereitung. Ganz nebenbei drücken die Stadtwerke noch ein bisschen aufs Tempo und beschleunigen den Datendurchsatz für die jetzt 120 Mbit bzw. 60 Mbit schnellen Anschlüsse. Ohne Mehrkosten, verspricht Ulla Meixner. Das soll auch zeigen: Alles ist möglich. „Wir könnten auch ein Gigabit.“ Da sieht der weitaus größere Teil Deutschlands – aktuell gibt es nur rund drei Millionen Glasfaseranschlüsse – recht alt aus.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen