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Führungsstab alarmiert : Eine Spur der Verwüstung

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wind der Stärke zwölf löst den Einsatz von mehr als 100 Einsatzkräften aus – ein Mann wird in Klues von einem Baum erschlagen

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2013 | 08:36 Uhr

Die Spätschicht auf der Werft läuft gerade eine Viertelstunde, als das Management angesichts des Sturms mit zwölf Windstärken auf der Innenförde die Reißleine zieht: „Wir haben um 14.30 Uhr entschieden, den Fertigungsbereich zum Schutz von Leib und Leben zu verlassen“, sagt FSG-Sprecher Thomas Ritte – damit war der Arbeitstag für rund 500 eigene und Fremdarbeiter gelaufen. Zwar sei weder das Hallendach gefährdet gewesen noch sonst ein Schaden zu beklagen gewesen. Doch angesichts des Sturms am Fördeufer wollten die Werftmanager kein Risiko eingehen: Es könne schon eine lose Plastikplane genügen, um schwere Schäden anzurichten, gibt Ritte zu bedenken.

Dass es um diese Zeit am südwestlichen Ende der Innenstadt – auf dem Campus Sandberg – noch keine Verletzten gab, muss wohl schon als großes Glück bezeichnet werden: Jedenfalls riss der Sturm ganze Teile vom Dach des Uni-Hauptgebäudes auf den nördlich davon Richtung Adelbylund gelegenen Parkplatz. Gegen 15 Uhr wird Uni-Kanzler Frank Kupfer von der Polizei informiert, dass es bisher noch keine Verletzte wegen des Sturmes auf dem Uni-Gelände gebe. „Die Polizei rät allerdings weiterhin, die Gebäude nicht zu verlassen“, so die Anweisung aus dem Uni-Präsidium. Um 15.15 Uhr hat sich die Lage im Haus herumgesprochen: „Das Dach löst sich tatsächlich auf“, meldet Uni-Sprecherin Kathrin Fischer: „Alle, die sich im Hauptgebäude aufhalten, sind an die windabgewandte Seite gebracht worden, wir anderen sollen das Gebäude nicht verlassen“, berichtet sie. Alle Veranstaltungen im Hauptgebäude und im Erweiterungsbau der Universität am Dienstag werden abgesagt.

Um 15.30 Uhr wird der Führungsstab der Stadt Flensburg alarmiert. „Die derzeitige Prognose lässt noch zwei Stunden mit Windstärke zwölf über dem Stadtgebiet erwarten. Zur Zeit sind rund 90 Einsatzstellen im Stadtgebiet bekannt“, fasst Thomas Kuchel von der Stadt Flensburg zusammen. Es seien drei Einsatzabschnitte gebildet worden – West, Ost und Süd. „Alarmstufe 3 wurde ausgerufen, das heißt die Berufsfeuerwehr und alle Freiwilligen Feuerwehren sind alarmiert. Zusätzlich ist das THW im Einsatz“, erklärt Kuchel weiter. Rund 100 Einsatzkräfte allein von den Feuerwehren sind im Einsatz, 15 im Führungsstab, die Retter des THW und die Helfer des TBZ noch nicht mitgerechnet. Zahlreiche prominente Gebäude der Stadt sind betroffen – zum Beispiel die Kupferkuppel der AVS, das Dach der Walzenmühle oder des Hotels Central. Noch am Abend wurde am Munketoft damit begonnen, weitere Teile der alten Schokofabrik vorsorglich niederzureißen. Auf dem Museumsberg bleibt das Christiansen-Haus aufgrund eines beschädigten Daches zunächst geschlossen.

Rund um den Hafen sind zeitweilig zahlreiche Straßen gesperrt, darunter die Norderhofenden. Am Marienkirchhof stürzt ein Baum Richtung Fußgängerzone. Bei Klarschiff am Ostufer stürzt ein Werbeschild auf zwei Autos, Dachziegel liegen überall in der Fußgängerzone und der Roten Straße. Auch auf der Garage von WiF-Politiker Harro Teichmann auf der Westlichen Höhe landet ein Baum. Das Handynetz von O2 bleibt stundenlang ausgefallen. Der „Pink Skyvan“, das vielleicht bekannteste Flugzeug auf Schäferhaus, wird unfreiwillig angehoben und landet wieder unsanft. Allerdings gibt es beim Sturm über Flensburg auch einen Toten zu beklagen, der im Bereich Klueser Weg von einem Baum erschlagen wurde und auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Näheres lag dazu zunächst nicht vor. Wie viele Verletzte es in Flensburg gab, blieb bis zum Abend unklar. Fortsetzung Seite 14

 

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