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Flensburger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 10:57 Uhr

Eine schwierige Baustelle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadtteilzentrum Neustadt kommt nur langsam voran / Altlasten des Gaswerks sorgten für erneuten Baustopp

shz.de von
erstellt am 31.Mär.2016 | 09:00 Uhr

Ein ganzer Stadtteil wartet – und Sven Kleinschmidt würde gerne endlich liefern. Der geschäftsführende Gesellschafter der Flensburger Traditionsfirma C. C. Christiansen bildet mit dem Flensburger Bauunternehmer Hermann Höft und dem Itzehoer Investor Michael May ein Gespann, das zwischen Werftstraße und Feldstraße das Stadtteil-Versorgungszentrum für die Neustadt bauen will. Geplant wird seit 1999, gebaut seit 2014 – doch immer wieder durchkreuzt der tückische Untergrund den Zeitplan. Seit Herbst letzten Jahres ruhen die Arbeiten. Zum zweiten Mal schon über einen längeren Zeitraum.

Immerhin: Diese Zwangspause soll die letzte gewesen sein. In einem Pressegespräch zeigte sich Kleinschmidt zuversichtlich, das der Rohbau in diesem Herbst fertig gestellt wird. Da die Stadt auf diesem Grundstück für Kontaminationsfolgen haftet, musste sie auch über das weitere Vorgehen entscheiden. Das ist Anfang März geschehen. „Jetzt kann es weitergehen“, freut sich Kleinschmidt.“

Das Versorgungszentrum spielt in den Entwicklungsplänen für die Neustadt eine zentrale Rolle, denn im gründerzeitlichen Industrieviertel Flensburgs werden gerade die Karten neu gemischt. Nach der Sanierung der Walzenmühle als Leuchtturmprojekt sollte zunächst ein modernes Versorgungszentrum Impulse für die Wohnbevölkerung setzen und gleichzeitig neue Planungsoptionen an den frei werdenden Standorten eröffnen. An der Gartenstraße (Skolehaven), im Schwarzenbachtal und in der Bundeswehrliegenschaft in der Meiereistraße sollen insgesamt 600 neue Wohnungen entstehen. Parallel betreibt die Stadt mit ihrem Sanierungsträger Quartiersaufwertung – etwa in Gestalt des Galwik-Parks oder der geplanten Uferpromenade bei den Fahrzeugwerken. Helmut Pagel, Geschäftsführer des städtischen Sanierungsträgers, ist mit Kleinschmidt einer Meinung: „Die Neustadt ist momentan ein besonders spannender Flensburger Stadtteil.“

C.C. Christiansen ist seit 1802 in der Neustadt zu Hause. Vor diesem Hintergrund betrachtet Kleinschmidt das Projekt Versorgungszentrum als Herzenssache – auch wenn es sich bislang als ausgesprochen launisches Investment zeigte. Das Grundstück beherbergte erst die Gaswerke, dann eine Holzhandlung, auf der fleißig imprägniert wurde und zuletzt eine Tankstelle. Über 1300 Gründungspfähle wurden in den weichen Untergrund gerammt. Und warum nur musste ausgerechnet Pfahlgründung Nummer 751 auf eine kontaminierte Stelle treffen, die für einen einjährigen Baustopp und eine komplette Neuausrichtung der Verfahrenstechnik sorgte? Und letzten Herbst. War das vielleicht eine vor 120 Jahren achtlos ausgekippte Schiebkarre mit Schlackeresten, die (diesmal auf Veranlassung der Investoren) bis heute zu einem weiteren Baustopp führte?

Derlei Fragestellungen über Zufall und Wirkung gingen Kleinschmidt häufiger in der Vergangenheit durch den Kopf. Auswärtige Investoren hätten möglicherweise längst aufgegeben. Dass er so viel Stehvermögen entwickeln konnte, danke er zum großen Teil auch seinem Schlachten-erfahrenen Partner Hermann Höft, bekennt er. Und auch Pagel lobt die Lokalmatadoren. „Ich bin froh über diese Investorengruppe, die gemeinsam mit uns die Schwierigkeiten überwindet.“

Nachdem das weitere Prozedere unter den Sachverständigen geklärt ist, könnte es eigentlich sofort weiter gehen, doch Kleinschmidt muss zunächst wieder mit den Baufirmen verhandeln. „Die haben ja alle nicht gerade Langeweile im Moment.“ Sechs Monate reine Bauzeit braucht er noch, dann dürfte der Rohbau fertig sein. Weitere Probleme erwartet er nicht, da die Gründungsarbeiten abgeschlossen sind. Sollte das Versorgungszentrum 2017 dann endlich öffnen, wäre das für Pagel eine weitere städtebauliche Perle an der Neustadt-Kette. Und auch die (teuren) Erfahrungen an der Werftstraße sind mit Blick auf die künftige Entwicklung in diesem Gebiet sicher nicht wertlos. „Wir lernen und wir wissen, worauf wir uns an diesem industriellen Standort einlassen“, sagt Pagel. „Wir haben Schwierigkeiten überwunden, die es auf der grünen Wiese einfach nicht gibt.“

Die nächste Baustelle wird nicht lange auf sich warten lassen. Wenn erst die Fördepromenade kommt, so Pagel, wird man gezielt auch nach Weltkriegsmunition suchen müssen, die bei den Angriffen auf die Werft im Wasser gelandet ist. Dagegen ist eine Schiebkarre mit Schlacke reinster Kinderkram.

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