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Bildung : „Eine Schule, in der man leben kann“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Christian Matthaei, neuer Leiter der Fridtjof-Nansen-Schule, kam von einer Waldorfschule in Frankfurt – und fühlt sich wohl an der Elbestraße

Mehrere Schulleiter wurden und werden dieser Tage in den Ruhestand verabschiedet. Den erneuten Wechsel an der Spitze hat die Fridtjof-Nansen-Schule schon hinter sich. Hier hat Christian Matthaei nach den Sommerferien die Leitung der Schule übernommen und kann auf erste Erkenntnisse zurückblicken. Der 45 Jahre alte Pädagoge kam von einer Waldorfschule in Frankfurt am Main in den Norden.

 

Warum bewirbt man sich aus einer pulsierenden Großstadt wie Frankfurt in eine vergleichsweise kleine Stadt wie Flensburg im äußersten Norden Deutschlands?

Ich wollte mich verändern, weiter entwickeln, das Thema Schulleitung in den Vordergrund stellen. Im Stellenmarkt der „Zeit“ fiel mir die Anzeige der Fridtjof-Nansen-Schule auf. Das Profil und die Geschichte der Schule klangen sehr spannend. Das hat mich zu einer Bewerbung motiviert. Es war also einerseits ganz klar die Schule, die mich in den Norden gelockt hat. Dazu sahen meine Frau und ich die Chance, unseren Wohnort noch einmal zu verändern: am Meer wohnen, in Schleswig-Holstein. Immerhin war ich seit 1999 in Frankfurt – da gibt man natürlich auch eine Menge auf.

 

Christian Matthaei wurde in Erlangen geboren, wuchs in Nürnberg und Stuttgart auf, wo er sein Abitur machte, und studierte in Marburg an der Lahn die Fächer Biologie und Chemie für das Lehramt an Gymnasien. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder, zehn und 13, die noch bis Ende des Schuljahres in Frankfurt leben.

 

Ist der Wechsel von der Waldorf-Pädagogik in das staatliche Schulwesen ein Problem?

Es gibt da in der Tat nicht besonders viel Austausch. Ich würde mir da etwas mehr Durchlässigkeit wünschen. Ich stoße hier aber auf viel Interesse bei den Kollegen und in der Schulleiter-Versammlung. Ich bringe Erfahrungen aus einem sehr kooperativ geführten Schulwesen mit. Und es ist hier an der Schule bei sehr vielen Kollegen ein großer Wunsch, im Team zu arbeiten.

Wie würden Sie die Fridtjof-Nansen-Schule einem alten Freund in Frankfurt beschreiben?

Es ist eine ausgesprochen gepflegte Schule mit einem ebensolchen Gelände rundherum. Und das spiegelt das Schulleben als Ganzes wider. Ich habe hier ausgesprochen nette und freundliche Schüler kennen gelernt. Die Lehrerschaft geht ausgesprochen kollegial miteinander um, und ich habe eine große Bereitschaft erlebt, sich auf einen Neuen einzulassen. Es herrscht hier ein guter Stil des Umgangs miteinander. Das ist eine Leistung und nichts, was sich von selbst ergibt.

 

Wie haben Sie Flensburg kennen gelernt?

Flensburg hat eine sehr vielfältige Schullandschaft mit staatlichen, aber auch privaten Schulen. Die vier großen Gymnasien und die Kurt-Tucholsky-Schule spielen eine gewichtige Rolle. Doch das gilt auch für eine Einrichtung wie das Jugendaufbauwerk. Es liegt eine große Chance in der Vielfalt, es ist ein sehr zukunftsfähiges Ganzes. Es ist ja kein Zufall, dass es hier zwei Nominierungen für den Deutschen Schulpreis gab. Das ist ein Zeichen für Innovation. Die Fridtjof-Nansen-Schule hat da sicher einen wichtigen Platz auf Grund ihrer Geschichte und ihrer Leistungen. Den gilt es auszubauen und zu stärken.

In diesem Jahr war die Waldschule, vor einigen Jahren die Fridtjof-Nansen-Schule nominiert. Beide gehörten am Ende aber nicht zu den Preisträgern.

 

Welche Ideen haben Sie für die FNS?

Zunächst einmal: Die Schule arbeitet sehr erfolgreich. Ich wollte zuerst einmal die Arbeit der Schule in Ruhe kennen lernen. Es gibt ein starkes Bedürfnis, den Schulentwicklungsprozess weiter zu führen. Das selbständige Lernen der Schüler spielt hier eine wichtige Rolle. Das will ich unterstützen. Eine große Stärke liegt im Schulklima. Die Politik fordert von den Schulen die Inklusion. Dem müssen wir uns stellen. Wir haben hier eine große Erfahrungen mit einer vielfältigen Schülerschaft. Es bleibt aber eine Herausforderung, der Prozess wird uns weiter beschäftigen. Inklusion hat mehrere Seiten, eine davon ist die Frage der personellen Ressourcen. Da braucht es mehr Personal. Förderschüler müssen intensiver betreut werden. Es werden Förderlehrer gebraucht, die auch wirklich in den Unterricht mitkommen, mit denen müssen wir kooperieren. Ein wichtiger Teil ist jedoch die Haltung, das Selbstverständnis, die Lehrerrolle. Wie stelle ich mich dem? Hier ist vieles in Bewegung. Das wird die Arbeit in der Schulleitung stark beschäftigen.

 

Hat das Thema Ganztagsschule schon die Beachtung, die es verdient?

Mit der gebundenen Ganztagsschule stehen wir in Flensburg relativ allein da.

 

Auch die Schule am Campus ist eine gebundene, also verpflichtende Ganztagsschule, sie wird aber ihren Betrieb am Ende des Schuljahres einstellen.

 

Es kommt auf die Rhythmisierung des Schultages an, auf Schule als Lebensraum. Das geht nur, wenn es nicht zerfällt. Eine Ganztagsschule, die wirklich funktionieren soll, kann nur eine gebundene Ganztagsschule sein. Da wird hier eine gute Arbeit gemacht, wenn ich an unsere Mittagsfreizeit mit ihrem vielfältigen Angebot denke. Aber auch diese Entwicklung ist noch nicht fertig. Das Leitbild sollte eine Schule sein, in der man leben kann – insbesondere auch die Lehrer. Wir müssen hin zu einer Schule, in der es Anspannung, aber auch Entspannung geben kann. Da sind wir noch nicht. Auch wir haben es hier mit Verdichtung und Überanstrengung zu tun.

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erstellt am 07.Jan.2014 | 09:00 Uhr

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