Eine Säule in der Schullandschaft

Schöner Tag: Richtfest für die Aula des alten Fördegymnasiums (heute Fridtjof-Nansen-Schule). Foto: scheich/sh:z-Archiv
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Schöner Tag: Richtfest für die Aula des alten Fördegymnasiums (heute Fridtjof-Nansen-Schule). Foto: scheich/sh:z-Archiv

Fördegymnasium wird 50 Jahre alt / Start als "Viertes Gymnasium" am 6. April 1961 / In dieser Woche wird gefeiert

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05. April 2011, 06:55 Uhr

Flensburg | 50 Jahre Fördegymnasium - von der einst modernsten und schönsten Schule der Stadt (heute die Fridtjof-Nansen-Schule) durch eine Epoche der Provisorien bis hin zu einer stabilen Säule in der Flensburger Schullandschaft. Kontinuität und ein aus Selbstbewusstsein gespeistes Beharrungsvermögen ließen die Schule etliche Reformen und gesellschaftliche Umbrüche überstehen. Und es spricht viel dafür, dass dies auch in der Zukunft gelingt. Aber zunächst wird gefeiert.

Mit den "höheren Schulen" der Vorkriegszeit waren in Flensburg die modernen Anforderungen an das System der Oberschulen nicht mehr zu bewältigen. Altes Gymnasium, Lyzeum (Auguste-Viktoria-Schule und die Oberrealschule II (Goethe-Schule) waren zwar feste Größen der Schülerbildung, aber für den Ansturm in den 1950er und 1960er Jahren reichte es nicht mehr.

Flensburg wuchs und wuchs - vor allem im Osten, in Fruerlund, Engelsby und Mürwik. Und so stieg mit der Zahl der Einwohner die der Schüler. Der Druck auf die Schulen - vor allem auf die Goethe-Schule - und auf die Stadt wuchs.

Im März 1955 forderten die Flensburger Elternbeiräte die Einrichtung einer vierten Oberschule, weil die Situation an den höheren Lehranstalten "immer bedrohlicher erschien", heißt es in einer städtischen Chronik.

Und so kam es zu der Gründung. Vielleicht war der Name als leicht provokante Abgrenzung zum Alten Gymnasium gewählt: Das "Neue Gymnasium" begann am 6. April 1961: mit zwei Sexten, je einer Quinta, Quarta, Unter- und Obertertia. Das "Neue Gymnasium" zog mit unter das Dach der Goethe-Schule, auch wenige Meter weiter in die Willy-Weber-Schule. Die Stadt hatte bereits Finanzverhandlungen mit Bund und Land aufgenommen, um eine neue Schule zu bauen. Den Beschluss dazu hatte der Rat im Februar 1960 gefasst.

Auch über den Standort herrschte Einigkeit: östlich der Tilsiter Straße, deren erster Abschnitt als Zufahrt verlängert werden konnte. In dem Gelände lag die alte Lehmgrube, aus der sich die einstige Fruerlundholzer Ziegelei ihren Rohstoff für die Produktion abgrub. Drumherum sollte die Schule entstehen auf einer Fläche von 2,4 Hektar.

Um die Kosten im Griff zu halten, waren vier Bauabschnitte geplant. Der erste umfasste das Hauptgebäude, die drei Häuser für je vier Klassen, das Wirtschafts gebäude (später Küche und Musiksaal) sowie die Sporthalle mit Gymnastiksaal. Gesamtkosten: 2,7 Millionen Mark.

Die Handwerker klotzten damals richtig ran. Schon im Oktober 1960 konnte Richtfest gefeiert werden. Nach den Osterferien 1962 konnten die 330 Mädchen und Jungen des Neuen Gymnasiums in die neuen Räume einziehen. Am 17. März hatten sie sich feierlich von der Goethe-Schule verabschiedet. Schon im Sommer riefen die Eltern zu einer Sonderspende auf, mit der Räume verschönert werden sollten. Dann ging es Schlag auf Schlag: Der Bau des Oberstufengebäudes und der Aula begannen.

Noch nicht abfinden wollten sich Schüler, Eltern und Lehrer mit dem Namen "Neues Gymnasium". Er klang für viele doch zu sehr nach einem Arbeitstitel. Wohlwollend wurde damals der Name "John F. Kennedy-Gymnasium" diskutiert. "Fördegymnasium" war die heimatverbundene Variante.

War das Thema Unterkunft geklärt, kam erstmals Wirbel in die pädagogische Konzeption: Die Kurzschuljahre 1966/67, mit denen sich Schleswig-Holstein auf einen veränderten Ferientakt einstellte, brachen an.

1968 geht auch an der Schule nicht vorbei: In den Klassen wird über Fahrpreiserhöhungen für Bahn und Bus kritisch diskutiert. Die Schulchronik verzeichnet weiter eine Diskussion über die Notstandsgesetze und eine Vietnam-Demonstration. Die Schulkonferenz gibt Raucherlaubnis für alle Schüler über 16 Jahren. In diese Zeit fallen die schwere Erkrankung und der Tod des charismatischen Direktors Momsen, der die Schule wesentlich geprägt hat.

Wieder eine Reform: Anfang der 1970er Jahre zieht die Studienstufe am Horizont auf. Schluss mit Klassen, Klassenlehrern und Zensuren , jetzt kommen Kurse, Tutoren und Punkte. Erstes Studienstufenabitur: 1974.

Das scheinbar großzügige Raumprogramm der Schule hielt nicht einmal ein Jahrzehnt durch. In den 1970ern wird es wieder zu eng. Man behalf sich mit "mobilen Klassenzimmern" auf dem Sportplatz.

In der Nachbarschaft, in einem schmucklosen Bau aus Betonelementen, soll nach dem Willen der Stadt ein "Stern" über der Schullandschaft aufgehen: Die Super-IGS, eine Integrierte Gesamtschule, in die alles gestopft wird, was Schulbildung zu bieten hat: dreizügige Haupt-, dreizügige Realschule, untereinander durchlässig, Gymnasium, zweizügige Sonderschule, dazu noch ein Berufsgrundbildungsjahr. Es ging schief. Beim Land holte sich Flensburg eine Absage.

Wohin der Weg führte, zeigte eine inoffizielle Sprachregelung: Die Rede war vom "Schulzentrum Ost alias Fördegymnasium". Zum Schuljahr 1976 wurde das Gymnasium angewiesen, drei Klassen in das neue Schulzentrum auszulagern. Ein Jahr darauf sind es sieben Klassen.

Die Lösung war ein Umzug. Die Realschule Ost räumte das Schulzentrum und tauschte sie mit dem Fördegymnasium. Vor allem bei den Eltern sorgte die Idee für böses Blut. Der Vorwurf: Die Gymnasiasten erhielten ein neues Haus, die Realschüler eine "abgelegte" Schule. Der Umzug begann im Juli 1979.

So sehr sich auch das "Fördegym" über das neue Haus freute, es verlor mit dem Tausch einen Schulkomplex mit Charme.

Heute ist Raumnot kein Thema mehr. Im Gegenteil - immer wieder geistert die Schließung eines der Flensburger Gym nasien durch den politischen Raum.

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