Flensburger Köpfe : Eine Sängerin von Weltgeltung

Emmi Leisner
Emmi Leisner

Emmi Leisner (1885 - 1958) transportierte auf Konzertreisen den Namen ihrer Heimatstadt Flensburg in die Welt - Stationen eines aufregenden Lebens.

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11. Dezember 2009, 11:56 Uhr

Flensburg | "Grandios", "göttlich", "überwältigend", "hohe Kunst" - diese Lobeshymnen galten einer Sängerin von Weltrang: Emmi Leisner (1885 - 1958) trug den Namen ihrer Geburtsstadt Flensburg während ihrer Konzertreisen in viele Länder Europas und in die USA. "Gesang ist Dasein", diesem Ausspruch Rainer Maria Rilkes fühlte sich die große Künstlerin sehr verwandt. Auch 50 Jahre nach ihrem Tode ist ihr Name unter Kennern klassischer Musik immer noch ein fester Begriff. Heute werden alte Schelllackplatten mit Aufnahmen der Sängerin hoch gehandelt und - beispielsweise unter dem Titel "Lebendige Vergangenheit" - Interpretationen von Bach-, Brahms- und Gluck-Kompositionen durch Emmi Leisner auf CDs angeboten.

Zwar übte ihr Vater als Schiffsbauingenieur einen technischen Beruf aus, doch die Musik prägte das Privatleben der Leisners. "Musik umgab mich eigentlich von früh bis spät im Elternhaus. So wurde bei uns Hausmusik gemacht in jeder freien Minute", schreibt Emmi Leisner in ihren Erinnerungen. "Gesungen haben wir den ganzen Tag. Ein Fest für uns Kinder war es auch, wenn wir singend durch die schönen Wälder der Umgebung Flensburgs wanderten. Gesang war uns allen wirklich Dasein."

Mit 16 Jahren erhielt Emmi erstmals Gesangsunterricht. Als sie als junges Mädchen an einem öffentlichen Konzert in Flensburg mitwirkte, stellte der begeisterte Zeitungsrezensent fest: "Von diesem Kind unserer Stadt wird man noch des Öfteren hören." Nach dreijährigem Gesangsstudium in Berlin machte sie gleich bei ihrem ersten Auftreten in der Thomas-Kirche zu Leipzig mit Bachs h-moll-Messe auf sich aufmerksam: Ihre schöne Alt-Stimme faszinierte Publikum und Fachwelt gleichermaßen.
Richard Wagners Musik inspirierte Leisner
Sie erhielt einen Vertrag mit der Berliner Hof- und späteren Staatsoper, wo ihre Darbietungen mit Begeisterung aufgenommen wurden und in die Theatergeschichte eingegangen sind. Stark fühlte sie sich von der Musik Richard Wagners angezogen, so dass sie gerne dem Ruf zu den Festspielen in Bayreuth folgte. Daneben trat sie an vielen großen Opernhäusern Europas und der USA als Gastsängerin auf.

Bei allem Interesse an der Oper - ihre eigentliche Domäne war der Chorgesang, dem sie sich nach dem Ende ihrer Opernkarriere uneingeschränkt widmete. Auch als Liedersängerin feierte sie wahre Triumphe. Sie glänzte vor allem als Interpretin von Brahms- und Schubert-Liedern.

Während des Zweiten Weltkrieges stellte sie sich als so genannte Frontkünstlerin in den Dienst der Soldatenbetreuung. Ferner reiste sie als "Kulturbotschafterin" des NS-Staates in Nachbarstaaten. Den Lebensabend verbrachte sie seit 1945 in ihrem Heim in Kampen auf Sylt. Sie hielt ihrer Geburtsstadt stets die Treue und trat in Flensburg bis in die 1950-er Jahre hinein wiederholt auf. Eine Aufführung der Gluck-Oper "Orpheus und Eurydike" mit Emmi Leisner an einem Novemberabend 1951 im überfüllten Saal des Deutschen Hauses zählte für den Rezensenten "zu den bedeutenden Kunstereignissen unseres Landes".

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