Eine Reise in die Vergangenheit

 Begegnung der Schüler mit Paul von Schiller (l.) vor dem Tor von Gut Buckhagen.  Foto: shz
Begegnung der Schüler mit Paul von Schiller (l.) vor dem Tor von Gut Buckhagen. Foto: shz

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05. Februar 2009, 03:59 Uhr

Rabel | "Ist das Haus groß", staunt Nicole, als wir mit unserem Schulbus über das holprige, nasse Kopfsteinpflaster vorbei an alten Stallungen und Scheunen auf das Herrenhaus zufahren. Wir, die 22 Schüler der Klasse 4 der Grundschule Kieholm, machen eine Reise in die Vergangenheit: zum Gut Buckhagen bei Rabel, nur fünf Autominuten von unserer Schule entfernt.

Freundlich werden wir erst von "Hazel", der braunen Labradorhündin der Familie und dann von den Besitzern Jeanette und Alexander von Schiller empfangen. Die große Eingangstür aus Holz wird von zwei Steinhunden mit den Wappen der Familien von Ahlefeld und von Rumohr umrahmt. Im Saal des Herrenhauses, der mit zahlreichen großen Ölgemälden und einem riesigen Kronleuchter dekoriert ist, nehmen wir Platz. Auch der Senior der Familie, Paul von Schiller, ist jetzt dabei.

"Aus wie vielen Kristallen besteht der Leuchter? ", will Wiebke wissen. "Du kannst gerne zu uns kommen, wenn wir Frühjahrsputz machen, dann können wir die Prismen gemeinsam zählen", antwortet Frau von Schiller. Wir staunen, weil auf diesem Gut anscheinend alles groß und auch schon recht alt ist. Allein der Saal, in dem wir sitzen, hat eine Fläche von zirka 80 Quadratmetern. Und selbst die Bibliothek des Hauses mit etwa 2000 Büchern hat eine Größe von 45 Quadratmetern.

Wir erfahren, dass hier schon viele Generationen - sogar Ritter - gewohnt haben. Bereits 1231 gehörte dieser Teil des Geltinger Waldes dem dänischen König Waldemar II. Der erste Besitzer jedoch, der hier wohnte, war der Ritter Siegfried von Sehestedt (1339). Das Gut blieb sechs Generationen lang, bis 1482 im Besitz der Familie Sehestedt. Man nimmt an, dass die Familie von Ahlefeldt das erste Gutshaus um 1680 erbaute, und es dann mehrere Male umgebaut wurde. Die jetzigen Wirtschaftsgebäude wurden zwischen 1883 und 1888 erbaut.

Seit der ersten geschichtlichen Erwähnung bis heute hatte das Gut etwa 30 Besitzer von elf verschiedenen Familien. 1863 kaufte der Großkaufmann und Konsul Gustav Wilhelm von Schiller - nicht verwandt mit dem Dichter Friedrich von Schiller - der einem ungarischen Adelsgeschlecht entstammte, von Carl Herzog von Schleswig-Holstein-Glücksburg das adelige Gut Buckhagen.

Nun sind wir natürlich neugierig, ob das Gut Verteidigungsanlagen hatte, und erfahren, dass es einen Hausgraben mit zwei Zugbrücken gab. Das erste bekannte Haus auf dem Besitztum (vor 1600) war ein Wachturm, der "Motte" genannt wurde. Dieser stand zur Beobachtung der Schifffahrt auf der Schlei südlich vom jetzigen Hof auf einem Hügel im Bystedt-Wald. "Und warum brauchte man einen Wachturm?", fragt Georg. Paul von Schiller erklärt uns, dass es damals Piraten auf der Schlei gab, die andere Schiffe überfielen. Wenn Piratenschiffe kamen, wurde die Schlei gesperrt. Es soll sogar einen unterirdischen Gang zum Wachturm "Motte" gegeben haben, aber der wurde bis heute noch nicht wieder entdeckt.

Wir fragen auch, ob es heute noch ein Gespenst auf dem Gut gibt. Frau von Schiller meint: " Unser Gespenst kommt nur bei Vollmond." Georg verneint dieses lachend, denn er weiß ganz genau, dass es kein Gespenst gibt. Georg von Schiller ist ein Mitschüler unserer Klasse, und das Gut Buckhagen ist sein Zuhause. "Buckhagen" bedeutet, so erfahren wir, "Einzäunung für Schafböcke".

"Hazel", die Labradorhündin, die freundlich und verschmust von einem Kind zum nächsten wechselt, um unter dem Tisch gestreichelt zu werden, muss nun leider raus. Wir bedauern das sehr und stellen natürlich die Frage: "Habt ihr hier noch andere Tiere auf dem Gut?" Herr von Schiller zählt auf: "Drei Pferde und Tiere im Wald." Da wir wissen, dass es hier Sikawild gibt, möchten wir erfahren, woher es kommt. Ursprünglich ist es japanisches Rotwild. Georgs Großvater erzählt uns, dass sein Großvater (also Georgs Ur-Ur-Großvater) mit dem Sohn des Tierparkbesitzers "Hagenbeck" in Hamburg zur Schule ging. So kam es dazu, dass er sich einige dieser Tiere anschaffte. Das Wild fraß den Kindern damals aus der Hand. Im zweiten Weltkrieg gab es jedoch nicht genug Material, um die Zäune zu pflegen. Also konnten die Tiere durch Löcher im Zaun in den Wald entwischen und sich hier vermehren.

Nachdem wir so viel aus der Vergangenheit gehört haben, geht es zurück in die Gegenwart, und wir stellen noch viele Fragen zur Landwirtschaft auf dem Gut. Das Gut ist zirka 450 Hektar groß. Alexander von Schiller erklärt uns den Unterschied zwischen Sommer- und Wintergetreide. Wir dürfen es ansehen, anfassen, riechen und schmecken.

Wir erfahren die Anzahl der Mitarbeiter, der Landmaschinen (darunter Schlepper, Mähdrescher, Drillmaschine) und ihren Einsatz. Dass es hier sogar eine Photovoltaikanlage gibt, hätten wir nicht gedacht.

"Ist es in diesem Saal immer so gemütlich?", will Tony zum Abschluss wissen. Wir sitzen auf alten Stühlen bei Kerzenschein und knabbern Kekse. "Nein", meint Jeanette von Schiller, "dieser Raum wird nur zu besonderen Gelegenheiten beheizt. Das ist nämlich nicht gut für die alten Gemälde. Nicht alle der 37 Räume des Gutes werden bewohnt, denn die Heizkosten dafür wären viel zu hoch. "

Zu schnell ist diese Reise in die Vergangenheit für uns zu Ende. Draußen erwartet uns wieder Hündin Hazel, und wir werden von ihr und unseren Gastgebern genau so freundlich verabschiedet wie wir empfangen wurden.

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