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Mittelangeln : Eine Reise in die eigene Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mitglieder des Vereins für Dorfgeschichte zeigen Bürgern an jedem Sonntag im Satruphuus die Geschichte der Gemeinde.

Mittelangeln | Eine kleine gemütliche Sitzecke befindet im Satruphuus, dem Haus der Geschichte der Gemeinde Mittelangeln. Darüber hängen historische Fotos. Handwerk, Handel und Gewerbe, wie sie einst das wirtschaftliche Leben der Gemeinde bestimmten und wie sie zum heutigen wirtschaftlichen Standort beigetragen haben, können Besucher im Satruphuus auf zwei Etagen nacherleben. Initiiert wurde das Museum vom Verein für Dorfgeschichte. Heute wird es von engagierten Satruper Bürgern mit ihrer Vorsitzenden Tanja Jansen geleitet.

An jedem Sonntagvormittag versammeln sich in dieser Sitzecke die Satruper Geschichtsexperten. Ab 11 Uhr ist das Satruphuus geöffnet. 14 Mitglieder des Vereins für Dorfgeschichte beaufsichtigen das Museum, stehen bei Fragen zur Verfügung. Zwei von ihnen haben Dienst, oft sind es mehr – trifft man sich dort doch zum Schnacken. Der Satruper Rolf Vollertsen, 78 Jahre alt, der bis zu seiner Rente Inhaber des Rinder- und Kalbschlachtbetrieb Otto Vollertsen war, ist Gründungsmitglied des Vereins für Dorfgeschichte. Vollertsen hat viele Jahre im Vorstand mitgearbeitet und freut sich alle sieben Wochen auf den Besucherdienst im Museum.

Etliche Gebäude in Satrup sind auf ein weiteres Gründungsmitglied des Vereins für Dorfgeschichte zurückzuführen: den Bauunternehmer Gunnar Nicolai, heute 82 Jahre alt. Gerhard Lucassen (82) ist der Mann mit dem Technikverstand in der Museumscrew. Der Maschinenbauer war viele Jahre in der technischen Abteilung der Firma Redlefsen tätig. Handwerkszeug hat Lucassen im Museum immer zur Hand. Immer wieder muss er Exponate aufarbeiten und restaurieren.

Klaus-Hermann Rave kann man mit seinem Rad trotz seiner 85 Jahre täglich auf Angelns Straßen begegnen. In Schrevendorf geboren, kam er als landwirtschaftlicher Wirtschaftsberater nach Satrup. Seit über 20 Jahren ist er im Museumsverein und gilt als unverzichtbar, weil er noch die alte deutsche Schrift beherrscht und dadurch alte Dokumente lesen und übersetzen kann. Viele Kirchenbücher hat Rave studiert und dort nach Fakten zur Geschichte des Dorfes gesucht. „Die Kirchenbücher seit 1643 liegen in Kopie bei uns vor“, berichtet er stolz. Seine Faszination von der Geschichte ist ungebrochen. „Wenn man die Vergangenheit kennt, begreift man viele Dinge erst“, berichtet er von seinen Forschungsarbeiten. Dass diese nicht einfach sind, macht er an einigen Kirchenbücher-Auszügen deutlich. Nicht nur Sütterlin als Schrift ist schwierig zu lesen – hinzu kommt, dass manche Pastoren in den Jahrhunderten miserabel geschrieben haben. „Trotzdem sind die Kirchenbücher die wichtigste Grundlage der Chronikarbeit“, ergänzt Jansen.

Warum sie sich heute für die Dorfgeschichte und das Satruphuus engagieren, beantwortet Gunnar Nicolai mit dem Argument, dass er als Satruper eine Generation der Geschichte bewusst miterlebt hat und seine Aufgabe darin sieht, sein Wissen für die Nachwelt zu erhalten. „Viele Besucher sind auf der Suche nach ihrer eigenen Vergangenheit“, berichtet Vollertsen.

Die Besucher sprechen die Museumsaufsicht auf Bilder, Unterlagen und Gegenstände an. Dabei ergeben sich oftmals viele interessante Gespräche für beide Seiten. Hinzu kommt, dass die Sonntagvormittagsrunde auch ein wichtiger Ort der Dorfkommunikation ist. Dort wird nicht nur der neueste Dorfklatsch ausgetauscht, sondern auch die große Weltpolitik diskutiert.

Für Rave ist der Dienst im Satruphuus auch immer wieder Gelegenheit, in den Dorfchroniken zu blättern, interessante Artikel zu lesen, oder auch noch einmal mit neuen Erkenntnissen zu vergleichen. Da fällt auch schon mal eine kritische Bemerkung zur Dorfpolitik, insbesondere, wenn die geschichtlichen und kulturellen Zusammenhänge nicht beachtet werden.

Und natürlich werden in dieser Runde auch Zukunftspläne geschmiedet. So soll eine Modellbahn den einst wirtschaftlich so wichtigen Eisenbahnknoten Satrup zu neuem Leben erwecken, und im Ortsteil Rehberg soll auf dem Silleberg die kleine Denkmalanlage, die an die Flucht und Vertreibung aus dem Osten erinnert, restauriert werden.

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