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Flensburger Brauerei : Eine Pfandflasche geht auf Reisen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Was passiert mit einer Flasche, nachdem ein Kunde sie im Pfandautomaten abgibt? Sie geht auf eine zum Teil lange Reise. Ein Blick hinter die Kulissen.

Flensburg | Tausende Bierkästen mit leeren Flaschen stehen auf dem Hof der Flensburger Brauerei. Die meisten von ihnen sind blau und tragen den weißen Schriftzug der Marke „Flensburger Pilsener“. Doch unter den Flaschen sind auch ein paar Irrläufer dabei, die nicht an die Förde gehören. Krombacher Pilsener, zum Beispiel. Oder Holsten. Diese werden aussortiert und von den eigenen Pfandflaschen getrennt. Während die eigenen Flaschen ihre Reise durch die Hallen der Brauerei antreten, kommt das Fremdleergut zurück zu dessen Herstellern.

Vor der Hofeinfahrt an der Husumer Straße warten bereits zwei Lkw, die weitere Kästen mit Pfandflaschen anliefern. Diese haben zum Teil eine lange Reise hinter sich, denn sie kommen von Super- und Getränkemärkten aus ganz Deutschland. In der Hochsaison im Sommer haben die Mitarbeiter hinter den Pfandautomaten viel zu tun. Die Angestellten des Edeka-Marktes Hösel in der Engelsbyer Straße müssen dann die Flaschen sortieren, die ihre Kunden in den Pfandautomaten legen. Neben Glasflaschen nimmt der Automat auch PET-Flaschen an, die sofort zerschreddert und in einem Sack gesammelt werden. In einem Zentrallager werden sie danach geschmolzen und zu neuen Flaschen verarbeitet. Die Mehrwegflaschen aus Glas kommen auf ein Laufband und werden dann sortiert und in Kästen verpackt. Anschließend laden die Supermarkt-Mitarbeiter sie auf Paletten. 48 Kästen Bier passen auf eine Palette.

Einmal in der Woche werden die Paletten vom Getränkegroßhändler abgeholt. Dieser bringt das Leergut zurück zu den Herstellern – in diesem Fall zur Brauerei. Bei den Großhändlern werden die leeren Flaschen noch einmal sortiert. Doch das funktioniert nicht optimal, zumindest landen zahlreiche Fremdflaschen beim Hersteller. Bei der Brauerei gehen in den Sommermonaten täglich 605 000 Flaschen ein, das sind rund drei Millionen pro Woche. Von diesen 605 000 Flaschen sind acht Prozent Fremdflaschen, also Leergut von anderen Herstellern.

Für die Mitarbeiter kündigt sich viel Arbeit an, wenn die Transporter auf den Hof der Brauerei rollen. Gabelstapler fahren die vollen Paletten im Akkord von den Ladeflächen der Lkw in die Hallen an der Husumer Straße. Dort laufen die Kästen durch eine computergesteuerte Anlage. Der Roboter, wie Beuth ihn nennt, erkennt sofort, welche eine eigene und welche eine Fremdflasche ist. Die eigenen Flaschen werden nach Farben sortiert ins Lager gebracht. Alle fremden Flaschen und jene eigenen, die sich farblich gemischt in den Kästen befinden, sortieren die Mitarbeiter, sammeln sie und schicken sie dann wieder auf die Reise. Das kostet viel Zeit und Arbeit.

Doch das ist nicht das einzige Problem. Beuth erklärt, dass es manchmal zu Engpässen kommt, wenn die Kunden ihr Leergut nicht innerhalb kurzer Zeit zum Getränkemarkt zurückbringen. „Viele lassen sie sogar über Wochen und Monate im Keller stehen“, sagt er. Gibt es zu wenige Flaschen, können die Biertanks in der Brauerei nicht komplett geleert werden. Das ist laut Beuth vor allem bei saisonalen Produkten wie dem Flensburger Radler ein Problem. Die blauen Flaschen werden nur saisonal verkauft und deshalb nicht regelmäßig produziert. Auch die weißen sind abhängig von den Glasherstellern, die festlegen, wann welche Flasche produziert wird. Für die Getränkehersteller bedeutet das, dass sie mit einer langen Vorlaufzeit die Anschaffung von neuen Glasflaschen planen müssen.

Wenn aber alles rund läuft und das Brauerei-eigene Leergut angeliefert wird, kommt es in eine „Waschmaschine“, die es gründlich reinigt. Anschließend werden die Flaschen befüllt und etikettiert. Im Affenzahn laufen sie über das Fließband. Eine Mitarbeiterin passt auf, dass der Fluss nicht unterbrochen wird. Plötzlich stockt das Band, eine Flasche hat sich verfangen und ist zerbrochen. Schnell wird sie entfernt, denn jede kleine Unterbrechung hält unnötig auf. Ist jedes Bier etikettiert, kommt es in einen der blauen Kästen. Und die Reise beginnt von vorn.

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erstellt am 13.Aug.2015 | 14:30 Uhr

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