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Jobs Ü 50 : Eine neue Chance in der Küche der Marineschule

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Küchenhilfskraft Ruth Neumann steht beispielhaft für die Erfolge bei der Vermittlung von Arbeitslosen über 50 in neue Jobs

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2013 | 07:00 Uhr

So schnell hatte Ruth Neumann nicht mit einem neuen Jobangebot gerechnet. Die 51-jährige Flensburgerin hatte 30 Jahre in ihrem Beruf als Altenpflegerin gearbeitet, konnte ihn dann aber gesundheitlich nicht mehr verkraften. Sie nahm die Trauer bei jedem Todesfall mit nach Hause, fand keinen Abstand mehr: „Ich bin jedes Mal mitgestorben“, sagt sie. Seit Juli nun arbeitet sie in der Küche der Marineschule Mürwik – dank des Ü-50-Netzwerks des Flensburger Job-Centers.

Wer über 50 ist und arbeitslos wird, hat schlechte Karten: Mit diesem Vorurteil wollen Claudia Remark, Geschäftsführerin des Jobcenters Flensburg, und ihr Team aufräumen und hatten deshalb in die Marineschule eingeladen, wo Ruth Neumann als eine von 15 Küchenhilfskräften täglich bis zu 650 Essen an Soldaten und Zivilkräfte der MSM austeilt. „Bis zu 70 Prozent der Arbeitszeit entfällt auf Hygiene und Reinigung“, sagt ihr Küchenchef Thomas Pribyl. Für die Frühschicht beginnt die Arbeitszeit um 5.30 Uhr, bei Spätschicht endet sie um 18.20 Uhr.

Ruth Neumann ist eine von 1610. So viele Frauen und Männer hat das Ü-50-Netzwerk seit 2005 wieder in den ersten Arbeitsmarkt integriert. Von derzeit 650 Kunden, die dort betreut werden, konnten bis September immerhin 210 erfolgreich vermittelt werden. Claudia Remark sieht das Flensburger Jobcenter bei der Betreuung älterer Arbeitsloser gut aufgestellt. Im Bundesdurchschnitt seien 30 Prozent aller Langzeitarbeitslosen über 50. „Bei uns sind es nur 23 Prozent“, so Remark. „Es ist nicht immer aussichtslos, mit über 50 einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Wir haben diese Erfahrung jedenfalls nicht gemacht.“

Seit fast neun Jahren beschäftigt sich das Jobcenter mit dem Thema und profitiert dabei von einem speziellen Bundesprogramm. Im Haus an der Waldstraße beschäftigt sich ein kleines Team intensiv mit der Betreuung der Ü-50-Klientel. „Das bedarf einer individuellen Strategie. Wir müssen für jeden Kunden einen kleinen Maßanzug schneidern.“

Wichtig sei zudem das eng geknüpfte Netzwerk von Kooperationspartnern, erläutert Teamleiterin Gunda Johannsen-Schaefer. Dazu gehören die Kreishandwerkerschaft, die Bequa, die WAK und der Ausbildungsverbund Nord. „Auch bemühen wir uns um enge Kontakte zu den kleinen und mittleren Unternehmen“, so Gunda Johannsen-Schaefer.

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