Fischereiverein Flensburg : Eine Leidenschaft mit Tradition

Kam durch ein Verbot des Vaters erst vor 35 Jahren zur Fischerei: Vereinsvorsitzender Horst Hansen.
Kam durch ein Verbot des Vaters erst vor 35 Jahren zur Fischerei: Vereinsvorsitzender Horst Hansen.

Der Fischereiverein will bald sein erweitertes Museum eröffnen, hofft auf eine langfristige Pachtverlängerung und eine moderne Toilette.

shz.de von
25. Juli 2014, 11:30 Uhr

Flensburg | Sommerferien, perfektes Urlaubswetter: Da rücken Hafen und Strände fast automatisch in den Blick von Flensburgern und Feriengästen. Deshalb bringt das Flensburger Tageblatt seine Sommerserie „An der Wasserkante“. Heute: Der Fischereiverein von 1872.

Für die Mitglieder des Fischereivereins gibt es in diesen Tagen viel zu tun. Bis zum Flensburger Fischerfest am 16. August soll schließlich das um zwei Drittel der Fläche auf rund 50 Quadratmeter erweiterte Fischereimuseum am Stadtstrand endlich fertig werden. Seit Frühjahr wird in der Freizeit gewerkelt. „Wir wollten schon im Mai oder Juni eröffnen, mussten aber verschieben, weil die Zeit für den Umbau einfach nicht gereicht hat“, sagt der Vereinsvorsitzende Horst-Dieter Hansen.

Der neue Schauraum ist bereits fertig gestellt, Exponate sind allerdings noch nicht zu besichtigen – einzig ein großes leeres Aquarium thront dort, es wird gerade in einer ersten Befüllung auf seine Dichtigkeit getestet. „Das ist 2,5 Meter breit und fasst 1500 Liter“, erzählt Hansen stolz. „Darin wollen wir die heimischen Ostseefische vorstellen. Alles was hier kreucht und fleucht, Steinbutt, Dorsch, Scholle, Aal und Co., Seesterne und Krebse.“ Weitere Ausstellungsstücke werden hinzu kommen, altes Fischerei-Zubehör, aber auch ein einen Meter langes originalgetreues Kuttermodell. „Da gibt es noch so einiges, was bei den Kollegen im Keller liegt.“

1872 wurde der Fischereiverein gegründet, „einer der ältesten in Flensburg“, sagt der 68-Jährige, dessen Großvater Fischer war und ihn als Jungen oft zur Arbeit mitnahm. „Mein Vater hat mir den Beruf verboten, weil er ihn gefährlich und unrentabel fand, ich musste Speditionskaufmann lernen“, so Hansen. „Doch das Wasser lässt einen ja nicht los.“ Vor 35 Jahren begann er mit der Stellnetzfischerei als Nebenerwerb und Hobby, vor 25 Jahren trat er in den Verein ein. „Damals waren immerhin 25 Prozent der Mitglieder hauptberuflich Fischer, heute haben wir nur noch einen einzigen“, so Hansen. „Man kann mit der Kleinfischerei kein Geld mehr verdienen, heute können wir froh sein, wenn sich unser Fischen trägt, nach Abzug von Treibstoff, Reparaturen und Liegeplatzgebühren.“ Nebengewerblich aktiv in der Fischerei sind derzeit 62 der insgesamt 120 Mitglieder, darunter Werftarbeiter, Polizisten und Kaufleute. Das Durchschnittsalter liege bei 56 Jahren, sagt Hansen, „aber es finden sich immer wieder junge Leute, die das machen wollen“. Bereits vor einiger Zeit hat der Verein drei Fischwirte ausgebildet, weitere drei Azubis sind gerade in der zwei Jahre dauernden Teilzeitlehre. Warum wird man heute Fischer? „Dahinter stecken bei uns im Verein weniger finanzielle Interessen, es geht einfach um die Natur, den Jagdtrieb, die Romantik und Ruhe auf dem Wasser früh morgens beim Sonnenaufgang.“ Jedes Wochenende wird ab 9 Uhr morgens frisch gefangener Fisch verkauft.

Der Fischereiverein strebt eine Verlängerung seines 2019 auslaufenden Pachtvertrags für das stadteigene Gelände am Hafen an. „Wir brauchen eine langfristige Perspektive“, sagt Hansen. Man stehe mit der Stadt in Verhandlungen und hoffe auf eine vorzeitige Pachtverlängerung um 25 Jahre – nicht zuletzt, um ein bereits 142 Jahre altes Problem zu lösen. „Wir haben nur ein Plumpsklo und wollen für rund 100 000 Euro ein Sanitär-Gebäude mit Toiletten und Duschen bauen“, sagt Hansen. „Aber einen Kredit bekommen wir nur bei Nachweis einer Sicherheit.“

Erst gestern Morgen ist Horst-Dieter Hansen vom Fischen zurückgekommen. „Ich bin ja Rentner, wenn ich Lust habe, fahre ich jeden Tag.“ Viel hatte er nicht im Netz, aber einen Drei-Kilo-Lachs. „Und den esse ich auf jeden Fall selbst.“ Am Abend sollte es ein weiteres Mal mit dem Boot auf die Förde gehen. „Mal gucken, ob es ein paar Dorsche gibt.“

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